Fairness im Fokus: Die unsichtbaren Kämpfe der Gastronomie zur WM 2026
Heute ist der 18.06.2026. Im beschaulichen Kreis Holzminden, wo die Luft noch nach frisch gebackenem Brot riecht und die Wirtshäuser an jeder Ecke auf Gäste warten, steht die Fußball-Weltmeisterschaft vor der Tür. Doch diese Vorfreude ist nicht ungetrübt, denn die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erhebt laute Stimmen für die rund 810 Beschäftigten der Gastronomie. Sie fordern faire Dienstpläne und eine Rücksichtnahme auf die persönlichen Umstände der Beschäftigten, die schließlich auch bei großen Sportereignissen nicht aus dem Blick geraten dürfen.
Die NGG hat klar gemacht, dass die Arbeitszeiten während der WM nicht in einer „Überstunden-WM“ enden dürfen. Geschäftsführer Philipp Thom warnt eindringlich vor dem Risiko, dass viele Beschäftigte übermäßig lange arbeiten müssen. In Zeiten, in denen die Spiele aus Kanada, Mexiko und den USA oft erst am späten Abend oder sogar in den frühen Morgenstunden angepfiffen werden, stehen die Gastronomen im Kreis Holzminden vor einem Dilemma. Ein frühes Anpfiff um 18 Uhr, gefolgt von späteren Spielen um 22 Uhr oder 1 Uhr, könnte dazu führen, dass einige Wirte auf Public Viewing verzichten, weil es finanziell nicht rentabel genug ist.
Forderung nach Fairness in der Gastronomie
Die Überstunden sollen nicht nur vermieden, sondern auch adäquat vergütet werden. Die NGG hat sich zudem stark gemacht für die Idee, zu Stoßzeiten zusätzliches Personal einzuplanen. Schließlich sind die Lebensumstände der Beschäftigten von Bedeutung – besonders für jene, die vielleicht Eltern sind oder pflegende Angehörige haben. Diese persönlichen Details müssen in die Dienstpläne einfließen, damit nicht nur der Umsatz zählt, sondern auch das Wohl der Arbeitnehmer.
Im Märkischen Kreis, wo ebenfalls 4250 Beschäftigte in der Gastronomie arbeiten, wird dieselbe Botschaft laut. Die NGG fordert hier faire Arbeitsbedingungen und hat eine Lohnerhöhung von sechs Prozent ins Spiel gebracht. Der Grund? Die Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie von 19 auf 7 Prozent seit Januar hat bei den Beschäftigten kaum für spürbare Entlastung gesorgt. Ein Mehr von 164 Euro im Monat für ausgebildete Köche oder Kellner in Vollzeit könnte eine willkommene Unterstützung sein.
Ein Blick über den Tellerrand
Die Diskussion um die WM beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Gastronomie in Deutschland. Auch international gibt es immer wieder Proteste und Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen. Die internationale Baugewerkschaft BWI kritisierte bereits 2025, dass unabhängige Kontrollen am Azteca-Stadion in Mexiko-Stadt erschwert wurden. Hier wird deutlich, dass die WM ein globales Ereignis ist, das nicht nur sportliche Höhepunkte bietet, sondern auch die Arbeitsbedingungen von Tausenden Menschen beeinflusst. Es ist ein komplexes Geflecht aus Liefer- und Arbeitsketten, das über die Grenzen hinweg wirkt.
Kritiker verlangen unabhängigere Kontrollen durch externe Gewerkschaften, um faire Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. In den USA und Mexiko demonstrieren Beschäftigte in verschiedenen Branchen, darunter auch Lehrer und Gastronomieangestellte, für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Auch im SoFi Stadium in Los Angeles gab es jüngst einen Aufstand der Gastronomie- und Catering-Beschäftigten, die für ihre Rechte kämpfen.
Ein Blick auf die bevorstehenden Tarifverhandlungen, die am 17. Juni beginnen, zeigt, dass die Herausforderungen, die die WM mit sich bringt, nicht nur auf den Spielfeldern, sondern auch hinter den Kulissen liegen. Die NGG appelliert an die Arbeitgeber, konstruktiv zu verhandeln und für gute Arbeitsbedingungen sowie angemessene Bezahlung zu sorgen.
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