Heute ist der 22.04.2026 und in Hildesheim wird zunehmend die Abwesenheit von Kindern im öffentlichen Raum beobachtet. Es ist fast so, als hätten sich die kleinen Abenteurer in ihre eigenen vier Wände zurückgezogen. Der Autor eines Artikels erinnert sich nostalgisch an seine Kindheit, in der Kinder fast täglich draußen spielten. Es war eine Zeit, in der das Spiel im Freien ohne große Planung stattfand, und eine einfache Rückkehrzeit um sechs Uhr zum Essen ausreichte. Diese Unbeschwertheit scheint heute der Vergangenheit anzugehören.
Der Schweizer Kinder- und Jugendarzt Oskar Jenni bestätigt diese Beobachtungen und äußert, dass Kinder heute praktisch aus dem öffentlichen Raum verschwunden sind. Stattdessen findet die Kindheit stärker drinnen statt, ist strukturierter und oft überwacht. Bildschirme sind allgegenwärtig und die Erwachsenen planen den Alltag der Kinder akribisch, inklusive Vereinsterminen, Horten und Playdates. Diese Planungen führen zu einer verständlichen, aber auch einschränkenden Angst, die Kinder ohne vorherige Planung nach draußen zu lassen.
Die Rolle der Bildschirmmedien
Die Veränderung in den Freizeitaktivitäten der Kinder könnte auch mit der voranschreitenden Nutzung von Bildschirmmedien zusammenhängen. Laut der miniKIM-Studie aus dem Jahr 2014 sehen fast die Hälfte (44 %) der 2- bis 5-Jährigen jeden oder fast jeden Tag fern. Bei den 6- bis 13-Jährigen sind es bereits 74 %, die täglich den Fernseher einschalten. Diese hohe Bildschirmnutzung steht im Kontrast zu den Empfehlungen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), die vorschlagen, dass Kinder unter 3 Jahren keine Bildschirmnutzung haben sollten und Kinder zwischen 3 und 6 Jahren maximal 30 Minuten täglich damit verbringen sollten.
Die durchschnittliche Bildschirmnutzungszeit steigt mit dem Alter: 12- bis 19-Jährige verbringen im Durchschnitt 117 Minuten mit Fernsehen, 214 Minuten im Internet und 103 Minuten mit digitalen Spielen. Diese langen Bildschirmzeiten sind häufig mit einem geringen Energieverbrauch und einem erhöhten Verzehr energiedichter Lebensmittel verbunden. Zudem kann Werbung für ungesunde Lebensmittel das Ernährungsverhalten von Heranwachsenden negativ beeinflussen. Es ist nicht verwunderlich, dass die Mediennutzung stark von der Verfügbarkeit von Geräten im Haushalt und dem Medienverhalten der Eltern abhängt.
Die Auswirkungen auf die Kindheit
Die aktuellen Trends zeigen, dass die Kindheit zunehmend von strukturierten Aktivitäten und der Nutzung von Bildschirmen geprägt ist, was die Möglichkeiten der Kinder einschränken könnte, eigenständig Erfahrungen zu sammeln. Die Ängste der Erwachsenen sind nachvollziehbar, doch sie könnten auch dazu führen, dass Kinder nicht die nötige Freiheit bekommen, um die Welt um sich herum zu entdecken und ihre eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. In einer Zeit, in der Kinder immer weniger draußen spielen, bleibt zu fragen, welche Folgen dies für ihre Entwicklung hat.
Es ist an der Zeit, über den Tellerrand zu schauen und gemeinsame Freizeitaktivitäten zu fördern, die nicht nur die Bildschirmzeit reduzieren, sondern auch die Bewegung und das Spiel im Freien anregen. Der Rückgang des Spiels im Freien könnte nicht nur die körperliche Gesundheit der Kinder beeinträchtigen, sondern auch ihre sozialen Fähigkeiten und ihr Selbstbewusstsein. Vielleicht ist es also an der Zeit, die Kinder wieder mehr in die Natur zu entlassen und ihnen die Freiheit zu geben, das Abenteuer zu suchen, das der öffentliche Raum zu bieten hat.