Abschied vom Herzen der Gemeinde: Die St. Thomas Kirche in Helmstedt wird entwidmet
Am Sonntag, den 21. Juni, geschah in Helmstedt etwas, das an den Wurzeln der Gemeinschaft rüttelt: die Entwidmung der St. Thomas Kirche. Ein Ort, der seit seiner Weihe im Jahr 1967 nicht nur als Gotteshaus, sondern als Herzstück der Gemeinde fungierte, wird nun in eine neue Phase übertreten. Bei einem letzten Gottesdienst, der von der Landesbischöfin Dr. Christina-Maria Bammel, der Helmstedter Pröpstin Katja Witte-Knoblauch und Pfarrer Martin Pyrek gestaltet wurde, kamen viele zusammen, um sich von diesem bedeutenden Ort zu verabschieden. Die Predigt von Dr. Bammel beleuchtete den Wandel der Kirchengemeinde und die Notwendigkeit, neue Formen der Gemeinschaft zu finden. Ein eindrücklicher Moment, der viele berührte.
Doch was hat zu dieser Entscheidung geführt? Die Gründe sind vielschichtig und spiegeln einen gesellschaftlichen Wandel wider. Steigende Betriebskosten, ein demografischer Wandel und sinkende Mitgliederzahlen – all das hat die St. Thomas Kirche in eine prekäre Lage gebracht. Jährlich belaufen sich die Kosten auf rund 30.000 Euro, und angesichts der begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen war die Entwidmung wohl eine unausweichliche Konsequenz.
Ein Blick auf die Zahlen
Die Situation in Helmstedt ist nicht einzigartig. Die Prognosen zeigen düstere Aussichten für die Kirche in Deutschland. Bis 2060 wird erwartet, dass sich die Zahl der Kirchenmitglieder und das Kirchensteueraufkommen halbieren. Eine Studie des Forschungszentrums Generationenverträge der Albert-Ludwig-Universität Freiburg in Zusammenarbeit mit der EKD unterstreicht diese Entwicklungen. Ein Rückblick auf die Mitgliederzahlen zeigt einen kontinuierlichen Rückgang von 57 Millionen im Jahr 1992 auf etwa 38,9 Millionen Ende 2023. Dies entspricht einem Verlust von etwa einem Drittel der Mitglieder in nur drei Jahrzehnten.
Die Gründe sind vielfältig. Kirchenaustritte machen einen Großteil des Rückgangs aus: 782.694 Austritte im Jahr 2023, was zwei Dritteln des Rückgangs entspricht. Nach einer Zeit, in der sich die Veränderungen in der Mitgliederzahl eher moderat gestalteten, sehen wir seit 2016 einen stetigen Anstieg der Austritte. Komischerweise scheinen diese Zahlen auch das Ergebnis veränderter Tauf-, Austritts- und Aufnahmeverhalten zu sein – Faktoren, die wir beeinflussen können. Und das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis: Die Kirche muss sich anpassen, um für junge Erwachsene wieder attraktiv zu werden.
Ein mutiger Schritt in die Zukunft
Die Entwidmung der St. Thomas Kirche ist also nicht nur ein Abschied von einem Gebäude, sondern ein Zeichen für den notwendigen Wandel in der Kirche. „Wir müssen bestehende Strukturen überprüfen und uns auf das Wesentliche konzentrieren“, sagte Prof. Dr. Dr. Andreas Barner. Er betont die Herausforderung, die Zukunftsfähigkeit der Kirche zu sichern, während Markus Weimer, ein Pfarrer, die Bedeutung eines mutigen Aufbruchs zu den Menschen hervorhebt. Die Kirche muss wieder zu einem Ort werden, der nicht nur in den Köpfen, sondern auch im Herzen der Menschen verankert ist.
Die Bevölkerung in Deutschland, die zum Jahresende 2023 bei etwa 84,7 Millionen liegt, sieht sich mit einem Wandel konfrontiert. Rund 46 Prozent der Bevölkerung sind Kirchenmitglieder, doch die Tendenz zeigt klar nach unten: Ein Rückgang von 1,1 Millionen Mitgliedern im Jahr 2023 ist alarmierend. Damit stellt sich die Frage, wie wir die Kirche und ihre Angebote so gestalten können, dass sie auch in Zukunft relevant bleibt. Die Notwendigkeit, die Zahl der Mitarbeitenden und Kirchengebäude zu reduzieren, steht im Raum, um der Realität gerecht zu werden. Es ist an der Zeit, dass die Kirche mutig aufbricht und neue Wege beschreitet, um die Menschen zu erreichen.
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