Auf der Hannover Messe 2026 hat Siemens-CEO Roland Busch ein klares Ultimatum an die Europäische Union gerichtet. Sollte die EU ihre restriktiven KI-Regeln beibehalten, plant der Konzern, Milliarden-Investitionen in die USA und China zu verlagern. Diese Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Siemens neue KI-Lösungen präsentiert, die die Fabrik der Zukunft gestalten sollen. Insbesondere der Großteil eines geplanten Milliarden-Budgets für industrielle KI könnte abgezogen werden, was die Wettbewerbsfähigkeit Europas erheblich gefährden könnte.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Position von Siemens unterstützt und signalisiert, dass die Bundesregierung eine Herauslösung der industriellen KI aus dem strengen EU-Regulierungsrahmen anstrebt. Auf der Messe stellte Siemens zudem das „Industrial Automation DataCenter“ vor, das KI direkt an die Produktionslinie bringt. Bisher benötigten derartige Systeme oft bis zu 80 Stunden für den Aufbau, nun werden sie schlüsselfertig angeboten.
Innovationen und Herausforderungen in der KI
Siemens kooperiert mit NVIDIA, um die notwendige Rechenleistung bereitzustellen, und mit Palo Alto Networks für Datensicherheit. Laut Siemens-Manager Vasi Philomin gibt es einen akuten Mangel an Ingenieuren in der Automatisierungstechnik. Zudem haben Siemens und NVIDIA ambitionierte Pläne: Sie wollen vollständig KI-gesteuerte Fabriken errichten, wobei das erste Projekt 2026 in Erlangen starten soll. In Erlangen werden bereits autonome Logistiklösungen getestet, und der humanoide Roboter „HMND 01“ übernimmt Aufgaben in der Fertigung.
Der Umsatz von Siemens beläuft sich im vergangenen Geschäftsjahr auf beeindruckende 78,9 Milliarden Euro, mit einem Nettogewinn von 10,4 Milliarden Euro. Die Hannover Messe, die am 24. April endet, wird weiterhin als Plattform für die Präsentation weiterer Details zu den neuen KI-Systemen dienen.
Regulierung und ihre Auswirkungen
Busch äußerte sich auch kritisch zu den EU-Regulierungen, insbesondere zum AI Act und dem Data Act, die industrielle KI wie Verbraucheranwendungen behandeln und zusätzliche Aufsichtsebenen schaffen. Er bezeichnete die Behandlung von Maschinendaten als Personendaten als „Unsinn“. Aktionären sei nicht zu erklären, warum Siemens in einem so restriktiven Umfeld investieren sollte. Kritiker der EU-KI-Regeln bemängeln deren Komplexität und Widersprüchlichkeit, und es wird gewarnt, dass Europa im Bereich der KI-Technologien hinter globalen Konkurrenten zurückfallen könnte.
Die bestehenden Maschinenverordnungen, die bereits für Hersteller von Maschinenbauausrüstungen gelten, werfen zusätzliche Herausforderungen auf. Merz‘ Regierung will daher eine Straffung der europäischen KI-Regeln vorantreiben. In diesem Zusammenhang stellte Siemens auch den „Eigen Engineering Agent“ vor, ein KI-System, das eigenständig Aufgaben ausführen, Code generieren und Ergebnisse überprüfen kann. Die Technologie verspricht, die Produktivität um bis zu 50% zu steigern, was in einer Zeit, in der Präzision und Zuverlässigkeit in industriellen Anwendungen immer wichtiger werden, von entscheidender Bedeutung ist.
Ausblick auf die Zukunft
Insgesamt zeigt die Entwicklung bei Siemens, dass das Unternehmen bereit ist, die Herausforderungen der regulatorischen Landschaft zu meistern und gleichzeitig innovative Lösungen für die Industrie zu entwickeln. Hochrisiko-KI-Systeme, die unter die Produktsicherheitsvorschriften der EU fallen, werden weiterhin strengen Prüfungen unterzogen. Die Bürger haben das Recht, Beschwerden über KI-Systeme bei den zuständigen nationalen Behörden einzureichen, was die Verantwortung der Unternehmen in diesem Bereich erhöht.
Die kommenden Tage auf der Hannover Messe könnten entscheidend dafür sein, wie die Zukunft der industriellen KI in Europa gestaltet wird und welche Rolle Siemens dabei spielt.