Am Flughafen Hannover, wo Flugzeuge in den Himmel steigen und landen, gibt es eine ganz andere Art von Einsatz – den der ehrenamtlichen Rehkitzretter. Diese mutigen Helfer sind seit einigen Jahren aktiv und nutzen moderne Technologie, um die kleinen Rehkitze vor einem grausamen Schicksal zu bewahren. Denn während die Landwirte ihre Wiesen zwischen Ende Mai und Mitte Juni mähen, liegen die Rehkitze im hohen Gras – unsichtbar für die Mähmaschinen, die oft ohne Vorwarnung über sie hinwegfegen. Es ist eine kritische Zeit, die mit der Setzzeit der Rehe zusammenfällt, und hier kommen die Drohnen ins Spiel.

Mit Wärmebildkameras ausgestattet, fliegen die Drohnen über die Wiesen und machen die normalerweise schwer zu erkennenden Rehkitze sichtbar. Diese erscheinen als gelbe Punkte auf den Bildschirmen der Drohnenpiloten. Doch das Fliegen der Drohnen ist nicht ganz so einfach, denn am Flughafen sind sie grundsätzlich verboten. Daher müssen die Piloten spezielle Schulungen durchlaufen und stehen in ständigem Kontakt mit den Fluglotsen. Es ist ein präziser Tanz, der nur in engen Zeitfenstern stattfinden kann, da die Drohnen bei Landeanflügen oder Starts von Flugzeugen schnell landen müssen.

Herausforderungen und Erfolge

Die Zusammenarbeit zwischen dem Verein „Rehkitzrettung Hannover“ und den Fluglotsen hat sich seit 2021 gut eingespielt. Vor Kurzem gab es jedoch einen kleinen Dämpfer durch eine neue EU-Regelung, die den Drohneneinsatz in Frage stellte. Glücklicherweise konnte eine Lösung mit dem Bundesverkehrsministerium gefunden werden. Ein neues Rahmenkonzept, das ab November 2024 in Kraft tritt, wird die Drohneneinsätze in Flughafennähe erheblich erleichtern. Die Rehkitzretter sind über die Fortsetzung ihres Projekts erleichtert – schließlich geht es um das Leben der kleinen Rehkitze.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt die Dringlichkeit dieser Arbeit: Jährlich werden in Deutschland bis zu 100.000 Rehkitze durch Mähmaschinen getötet oder verletzt. Und das, obwohl die Landwirte gesetzlich verpflichtet sind, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, bevor sie zur Mahd ansetzen. Geldstrafen drohen, wenn diese Vorschriften nicht eingehalten werden. Ältere Methoden, wie Flatterbänder, haben sich als nicht zuverlässig genug erwiesen. Drohnen hingegen können die Körpertemperatur der Kitze erkennen, die sich deutlich von der Umgebungstemperatur abhebt. Eine Studie der Universität für Bodenkultur Wien belegt, dass Drohnen die Rehkitze 1,32-mal häufiger finden als andere Methoden.

Technologie und Tierschutz

Das Bundesministerium für Landwirtschaft (BMLEH) fördert seit 2021 die Anschaffung geeigneter Drohnen für eingetragene Vereine, um den Tierschutz zu stärken. Bis zum 30. Juni 2026 können Anträge auf Förderung gestellt werden. Die Anschaffungskosten können bis zu 60 % unterstützt werden, was für viele Vereine eine große Erleichterung darstellt. Empfehlenswerte Drohnen, wie die DJI Mavic 3 Thermal, bieten eine hervorragende Wärmebildauflösung und eine Flugzeit von bis zu 45 Minuten. Drohnenpiloten können über Plattformen wie skyzr zueinander finden und so gemeinsam effektiver arbeiten.

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Der Ablauf der Rehkitzrettung ist gut strukturiert: Zunächst erfolgt die Abstimmung mit dem Landwirt, dann die Planung der Flugroute, gefolgt von einem systematischen Flug. Die gefundenen Kitze werden anschließend markiert und gesichert, bevor die Wiese zur Mahd freigegeben wird. Dabei ist es wichtig, dass die Helfer den Umgang mit den Rehkitzen beherrschen – sie sollten niemals mit bloßen Händen angefasst werden, Handschuhe sind ein Muss. Schließlich wird das Kitz in Gras eingewickelt, um es bestmöglich zu schützen.

Insgesamt trägt der Einsatz von Drohnen zur Rehkitzrettung entscheidend dazu bei, dass die kleinen Tiere in Sicherheit gebracht werden, bevor die Mähmaschinen sie gefährden. In einer Zeit, in der technologische Innovation und Tierschutz Hand in Hand gehen, scheint der Himmel für die Rehkitze etwas heller zu werden. Und das ist ein Grund zur Freude für alle, die sich für den Schutz der Natur einsetzen.