In den letzten Wochen hat der Güterverkehr in Deutschland ein regelrechtes Chaos erlebt, das sich besonders im Raum Hannover und auf den Nord-Süd-Achsen bemerkbar macht. Die Situation ist so angespannt, dass der Verband „Die Güterbahnen“ von einem „vollständigen Kontrollverlust“ spricht. Massive Verzögerungen bei den Verkehren zwischen Hannover und dem Hamburger Hafen sind die Folge, und die Auswirkungen sind für die privatwirtschaftlichen Bahnbetreiber verheerend. Einige sehen sich sogar mit Insolvenzen konfrontiert. Was ist da los?

Ein Hauptgrund für die Probleme liegt in der Korridorsanierung zwischen Hamburg und Berlin. Diese Sanierung wurde nun vom 1. Mai auf den 14. Juni verschoben, und das hat weitreichende Folgen. Gleissperrungen, wie zwischen dem 23. und 25. Mai wegen Gleisarbeiten der Hamburg Port Authority, haben die Lage zusätzlich verschärft. Der Hamburger Hafen, als wichtigster deutscher Seehafen für den Schienengüterverkehr, hat es dabei besonders schwer. Und als ob das noch nicht genug wäre, sind auch die Köhlbrandbrücke und die Freihafenbrücke gesperrt. Man fragt sich: Was passiert hier eigentlich?

Kritik am Baustellenmanagement

Die Geschäftsführerin von Die Güterbahnen, Neele Wesseln, bringt es auf den Punkt: „Die Betriebszentralen der DB sind kaum erreichbar, und Güterzüge stehen stundenlang still.“ Wer jemals in einem Zug festsaß, weiß, wie frustrierend das sein kann – und das gilt nicht nur für die Passagiere. Die Güterbahnen kritisieren zudem das Baustellen- und Kapazitätsmanagement der DB InfraGO, das den Belastungen einfach nicht standhält. Und wo sind die Notfall- und Krisenkonzepte für den Güterverkehr? Die fehlende Planung führt nicht nur zu Rückstaus und Netzblockaden, sondern gefährdet auch die gesamte Branche.

Ein weiterer Punkt, der zur Verwirrung beiträgt, sind die fehlenden Umleiterkonzepte. Sieben Korridore sind ohne ausreichendes Konzept – das wirft Fragen auf. Die GÜTERBAHNEN fordern daher nicht nur Maßnahmen zur Stabilisierung des Nordkorridors, sondern auch eine grundlegende Überarbeitung der Baustellen- und Umleitungskonzepte. Die Hoffnung ist, dass hier endlich ein Gesamtplan für das Schienennetz aufgestellt wird, um den jahrzehntelangen Investitionsstau aufzuholen.

Die Rolle der Infrastruktur

Wenn wir über die aktuelle Situation sprechen, können wir nicht umhin, die Infrastrukturqualität zu erwähnen. Joachim Berends, VDV-Vizepräsident, hat es treffend formuliert: „Die Infrastruktur ist entscheidend für den Eisenbahnbetrieb.“ Und genau da hapert es. Michael Jungk vom BME weist darauf hin, dass die Herausforderungen der Gegenwart ohne Beispiel sind. Eine bloße Sanierung reicht nicht aus, um das Schienennetz in die europäische Spitzenklasse zu bringen. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt, denn ohne funktionierende Gleisanschlüsse, Ladestellen und Güterterminals ist der Transport von Gütern auf der Schiene schlichtweg nicht möglich.

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An diesem Punkt wird klar, dass Planungssicherheit, Preisstabilität und Qualität für die Kundinnen und Kunden der Eisenbahnen unerlässlich sind. Ein Rückverlagern auf die Straße könnte nicht nur negative Folgen für den Klimaschutz haben, sondern auch für die Energieeffizienz. Die Branche ist gefordert, gerade jetzt, wo die Zeichen auf Veränderung stehen. Es bleibt abzuwarten, ob die Verantwortlichen die richtigen Schlüsse ziehen und endlich handeln.

Die kommenden Monate versprechen jedenfalls, spannend zu werden. Die Beeinträchtigungen im Knoten Hannover werden noch bis mindestens 13. Juni andauern. Und die Sorgen um die Sperrung zwischen Hamburg und Berlin ab dem 10. August sind alles andere als unbegründet. Die Frage, die sich viele stellen, ist: Wie lange kann sich die Branche diesen Zustand noch leisten?