In der malerischen Grafschaft Bentheim, wo die Wiesen saftig grün und die Luft frisch ist, haben sich in der letzten Zeit dramatische Ereignisse abgespielt. In einem Moorgebiet wurden etwa 50 Schafe brutal gerissen; dazu kamen rund 100 weitere, die teils schwer verletzt überlebt haben. Die Schafhalter sind in einem Schockzustand – und das nicht ohne Grund. Die Vorfälle ereigneten sich an zwei Tagen, dem 1. und 2. Mai, und trafen ein eingezäuntes Areal von etwa 1.200 Hektar, das eigentlich als sicher galt. Die DNA-Untersuchungen haben schließlich bestätigt, was viele befürchteten: Es handelte sich um Wolfsrisse. Das ist ein ernstes Problem, das die Region nun in Atem hält.

In Anbetracht der verheerenden Situation hat der Landkreis eine Abschussgenehmigung für zwei Wölfe erteilt. Dies geschah in enger Abstimmung mit dem Umweltministerium in Hannover. Die Genehmigung gilt bis zum 15. Juni und wurde am 7. Mai offiziell beschlossen. Die Entscheidung zielt darauf ab, weitere Risse von Schafen zu verhindern und die restlichen Wölfe zu vergrämen. Dabei sind die Jäger aufgefordert, den Elterntierschutz zu beachten – säugende Muttertiere dürfen also nicht geschossen werden. Wenn man bedenkt, dass die Beweidung durch Schafe aus naturschutzfachlichen Gründen unabdingbar ist, wird die Situation umso komplexer.

Ein ungewöhnlicher Vorfall

Ein solch massiver Wolfsangriff ist in Niedersachsen wirklich kein alltägliches Ereignis. Die Landwirtschaftskammer berichtet von einem der höchsten Wolfsübergriffe in der Grafschaft Bentheim, bei dem über 150 Schafe getötet oder verletzt wurden. Zum Vergleich: Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich im August 2023 in Estorf, wo 55 Schafe getötet und 30 verletzt wurden. Experten vermuten, dass es sich in diesem Fall nicht um einen einzelnen Wolf handelt – die Art der Verwüstung lässt auf eine Rudel-Attacke schließen. Ungewöhnlich ist zudem, dass die Region bisher kein besonderer Schwerpunkt für Wolfsangriffe auf Weidevieh war. Komischerweise gibt es auch Berichte über vorbildliche Herdenschutzmaßnahmen in Bentheim, die jedoch anscheinend nicht ausgereicht haben.

Die Bejagung soll landwirtschaftliche Schäden abwenden und das Wohl der Schafe sichern. Das betroffene Naturschutzgebiet Dalum-Wietmarscher-Moor, das eine Fläche von 1.580 Hektar umfasst, ist ein wichtiges EU-Vogelschutzgebiet, das unter anderem Lebensraum für den Großen Brachvogel und die Bekassine bietet. Man fragt sich, wie viel Schutz die Weidetiere letztlich bekommen können, während gleichzeitig der Erhalt von Artenvielfalt auf dem Spiel steht. Immerhin haben die zuständigen Behörden mildere Mittel abgewogen, bevor sie zur Bejagung griffen. Das zeigt, wie kompliziert die Beziehung zwischen Mensch und Natur ist.

Ein Blick auf die Wolfszahlen

Die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland war anfangs ein Grund zur Freude für viele Naturliebhaber. Laut dem Monitoringjahr 2024/2025 gibt es in Deutschland etwa 219 Rudel und 43 Wolfspaare. Doch diese hohe Wolfspopulation bringt Probleme mit sich, vor allem für Weidetierhalter in ländlichen Regionen. Die Anzahl der verwundeten und getöteten Tiere stieg von 40 im Jahr 2006 auf etwa 4.300 im Jahr 2024. Schafe und Ziegen sind die Hauptleidtragenden dieser Entwicklung. Um dem entgegenzuwirken, werden Ausgaben für Herdenschutzmaßnahmen 2024 auf ca. 23,4 Millionen Euro geschätzt.

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Die Sorgen um die Weidetiere sind enorm, und die politischen Entscheidungsträger stehen vor der Herausforderung, den Schutz des Wolfs mit den Bedürfnissen der Landwirtschaft in Einklang zu bringen. Auch wenn die Bejagung der Wölfe im Moment als notwendig erachtet wird, bleibt abzuwarten, ob dies die langfristige Lösung für die Konflikte zwischen Naturschutz und Nutztierhaltung sein kann.