Heute ist der 6.05.2026, und die Nachrichten aus Goslar sind alles andere als beruhigend. Bundesweit haben Razzien gegen 36 mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen Gruppen „Deutsche Jugend Voran“ (DJV) und „Jung und Stark“ (JS) stattgefunden. Diese Razzien betrafen nicht nur Niedersachsen, sondern auch Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. In Niedersachsen selbst wurden zwei Wohnungen in Altenau durchsucht, und die Bundesanwaltschaft hat sich in ihrer Mitteilung relativ bedeckt gehalten, was die Details zu den Beschuldigten angeht. Der Schutz der jungen Menschen und deren Alter wird als Grund angeführt, weshalb nicht mehr Informationen preisgegeben werden.
Zu den betroffenen Personen gehören unter anderem ein 19-Jähriger aus Vorpommern-Greifswald und ein 29-Jähriger aus Rostock. Ihnen wird vorgeworfen, Teil der rechtsextremen Organisation DJV zu sein. Diese Gruppen, die seit Mitte 2024 aktiv sind, haben sich bundesweit organisiert und setzen auf eine vernetzte Strategie über soziale Medien sowie regelmäßige Treffen, um ihre Ideologien zu verbreiten. Aufrufe zu Gewalt gegen politische Gegner und vermeintlich Pädophile gehören zu ihrem Repertoire. Das ist schon fast erschreckend, wenn man bedenkt, wie tief die Wurzeln dieser Ideologien in der Gesellschaft stecken.
Die Razzien im Detail
Die Durchsuchungen fanden in mehreren Städten statt: Celle, Braunschweig, Altenau, und sogar Lübeck in Schleswig-Holstein waren betroffen. Insgesamt waren rund 600 Einsatzkräfte des Bundes und der Länder an diesen Razzien beteiligt, und es wurden etwa 50 Objekte durchsucht. Merkwürdigerweise gab es keine Festnahmen während dieser Einsätze, was Fragen aufwirft. Es bleibt abzuwarten, ob Beweismittel gesichert werden konnten, denn genau darauf zielen diese Durchsuchungen ab. Die Ermittler haben es nicht nur mit mutmaßlichen Mitgliedern zu tun, sondern auch mit einer Kultur, die in den letzten Jahren immer aggressiver auftritt. Insbesondere die Rädelsführerschaft wird vielen Beschuldigten vorgeworfen, wobei einige von ihnen bereits in gewalttätige Vorfälle verwickelt waren.
Die Ideologie der Gruppen DJV und JS ist nichts Neues, aber die Art und Weise, wie sie sich präsentieren, hat sich verändert. Elemente der Neonazi-Szene und der Skinhead-Subkultur der 1990er Jahre sind erkennbar. Das gibt einem das Gefühl, als wäre die Zeit stehen geblieben. Diese rückwärtsgewandte Sichtweise auf Männlichkeit, gepaart mit Antifeminismus und Queerfeindlichkeit, spricht eine junge, gewaltorientierte Zielgruppe an. Die Verfassungsschutzberichte geben hier alarmierende Einblicke. Ein QR-Code hier, eine Chatgruppe dort – die Zugänge zu diesen rechtsextremen Organisationen sind erschreckend niedrigschwellig.
Ein besorgniserregender Trend
Die Studie des Bundeskriminalamts (BKA) zeigt eine zunehmende Offenheit für extremistische Ansichten in Deutschland. Der Anstieg der Offenheit für rechtsextreme Ideologien ist von 21,8 % im Jahr 2021 auf 29,6 % im Jahr 2025 gestiegen. Besonders besorgniserregend ist dieser Trend unter jüngeren Altersgruppen. Das ist kein Grund zur Freude, ehrlich gesagt. Es gibt eine wachsende Zahl an Personen, die sich mit rechtsextremen Einstellungen identifizieren, insbesondere bei Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau. Ein erschreckendes Beispiel: 11,1 % der Hauptschulabsolventen zeigen solche Ansichten, während es unter Abiturienten nur 1,4 % sind.
Eine weitere besorgniserregende Entwicklung ist der Anstieg antisemitischer und muslimfeindlicher Haltungen. Im Jahr 2024 wurde ein Höchststand bei politisch motivierter Kriminalität festgestellt, mit etwa 100 Delikten pro 100.000 Einwohner. Das zeigt, dass die Razzien und Ermittlungen gegen rechtsextreme Gruppen nicht nur notwendig, sondern längst überfällig sind. Die Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat Recht, wenn sie Rechtsextremismus als die größte Gefahr für Deutschland bezeichnet. Es bleibt zu hoffen, dass die aktuellen Razzien ein Zeichen setzen und der gesellschaftliche Druck auf diese Organisationen erhöht wird.