Schröders Göttinger Nostalgie: Zwischen Kaffee und Kontroversen
Am 20. Juni 2026, mitten im bunten Treiben des Christopher Street Day, machte sich Altkanzler Gerhard Schröder auf den Weg nach Göttingen. Begleitet von seiner Frau So-yeon Schröder-Kim und zwei Personenschützern des Bundeskriminalamtes (BKA), verließ das Paar das Hotel Gebhards und schlenderte durch die Stadt. Ein schöner Tag, um die alte Heimat zu besuchen – die Universitätsstadt, die Schröder zwischen 1966 und 1971 als Jurastudent geprägt hat. Seine Verbindung zur Georg-August-Universität ist tief, nicht zuletzt wegen der Ehrendoktorwürde, die ihm 2005 für seinen Einsatz in den Naturwissenschaften verliehen wurde.
Doch der Besuch verlief nicht ganz nach Plan. Die beiden versuchten zuerst, im Restaurant Bullerjahn einen Tisch zu ergattern, doch dort war alles ausgebucht. Ein kleiner Schock, aber nicht das Ende der Welt. Danach ging es ins Restaurant Alfredo, wo sie allerdings auf kein Essen hoffen konnten – es gab schlichtweg keine Speisen. Schließlich fanden sie im Café Cron & Lanz Unterschlupf. Das Café, mit dem Duft frisch gebrühten Kaffees und dem Klirren von Geschirr im Hintergrund, bot eine willkommene Verschnaufpause.
Ein kurzes Gespräch und ein überraschender Besuch
Im Café kam es zu einer kurzen, aber herzlichen Begegnung. Schröder unterhielt sich mit einem jungen Paar, das ein Baby dabei hatte. Vielleicht war es eine nostalgische Rückblende für den Altkanzler, der selbst einmal an solchen Lebensabschnitten teilhatte. Auf die Frage nach dem Grund seines Besuchs in Göttingen antwortete er mit einem lässigen „Nur mal so.“ Eine bescheidene Antwort, die jedoch viel über seine ungebrochene Verbundenheit zur Stadt aussagt.
Sein Verhältnis zur Universität war jedoch nicht immer so harmonisch. Im Jahr 2022 forderte die Institution ihn auf, seine Ehrendoktorwürde aufgrund seiner umstrittenen Verbindungen zu russischen Unternehmen und seiner Haltung zum Ukraine-Konflikt niederzulegen. Das hat in der öffentlichen Wahrnehmung für reichlich Gesprächsstoff gesorgt und wirft einen Schatten auf seine lange Karriere, in der er als „Gas-Gerd“ bekannt wurde – ein Spitzname, der auf seinen starken Einsatz für das Nord Stream-Projekt zurückgeht. Wer hätte gedacht, dass ein Besuch in Göttingen so viele Facetten aufweisen könnte?
Die umstrittene Nach-Kanzler-Zeit
Schröder, der nach seinem Rücktritt 2005 in verschiedene Positionen im Energiesektor wechselte, hat sich nicht nur Freunde gemacht. Seine Tätigkeiten, insbesondere die Rolle im Aufsichtsrat von Rosneft und die Verbindung zu Gazprom, sorgten für heftige Diskussionen. Kritiker bezeichneten ihn als „politischen Prostituierten“, was die Wogen noch höher schlug. In den letzten Jahren wurde er häufig als „Putinversteher“ kritisiert, was in der heutigen geopolitischen Lage nicht gerade förderlich ist.
Auch wenn er im Februar 2022 die russische Invasion in der Ukraine verurteilte und sich als Vermittler zwischen ukrainischen und russischen Vertretern versuchte, bleibt sein Erbe umstritten. Ein Mann, der in der Politik viel bewegt hat, doch oft ins Kreuzfeuer der Kritik geriet. Seine Entscheidung, sich in die Geschäfte mit russischen Energieunternehmen zu vertiefen, wurde als riskant erachtet und hat ihm nicht nur in Deutschland viele Feinde gemacht.
So bleibt der Besuch in Göttingen ein kleines Stück Geschichte, das die komplexe Beziehung zwischen Schröder, seiner Heimatstadt und der aktuellen politischen Lage widerspiegelt. Man fragt sich, was der Altkanzler als Nächstes plant und ob er in dieser Stadt, die ihm so viel bedeutet, vielleicht doch noch eine neue Verbindung finden kann.
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