Heute ist der 2.06.2026 und in Göttingen brodelt es. Hier wird gerade ein Fall verhandelt, der die Gemüter bewegt und den Tierschutz in den Fokus rückt. Am 02.06.2026 um 17:38 Uhr berichtete die Presse über ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen zwei Brüder, die nicht nur die Verantwortung für ihre 14 Zwergpinscher nicht übernommen haben, sondern auch gegen Vorgaben des Landkreises Göttingen verstoßen haben. Bei einer Kontrolle im Jahr 2023 wurden die Hunde in einem besorgniserregenden Zustand aufgefunden: Einige lebten im Keller, andere in Käfigen – ohne Trinkwasser und mit viel zu wenig Platz. Das ist in der Tat ein Alarmzeichen!

Bereits im Oktober 2024 hatte das Verwaltungsgericht Göttingen über die Rechtmäßigkeit der Beschlagnahmung dieser Hunde zu entscheiden. Eine Entscheidung steht noch aus. Die ehemaligen Halter wehren sich vehement gegen ein ihnen auferlegtes Hundezuchtverbot. Man könnte sagen, die Brüder haben aus ihrer Sicht ihre eigene kleine Tierwelt erschaffen, ohne sich den Konsequenzen bewusst zu sein. Das führte dazu, dass der Landkreis Göttingen ihnen erlaubte, nur noch sechs Hunde zu halten. Doch die beiden hielten sich nicht daran – und so mussten die überzähligen Tiere beschlagnahmt werden. Ein trauriges Schicksal für die Tiere.

Animal Hoarding: Ein tiefgreifendes Problem

Ein Blick auf die Hintergründe: Der Göttinger Psychiater Dirk Wedekind hat das Phänomen des „Animal Hoarding“, also das Horten von Tieren, als potenzielles Zeichen für psychische Erkrankungen identifiziert. Es ist nicht nur ein Fall von nachlässiger Tierhaltung, sondern oft auch ein Hinweis darauf, dass die Halter selbst Unterstützung benötigen. In diesem Zusammenhang ist es kein Einzelfall, wie wir im November 2024 gesehen haben, als der Landkreis Gifhorn 68 Hunde beschlagnahmte – ein Fall, der vom Oberverwaltungsgericht bestätigt wurde. Ein weiterer Halter wurde bereits verurteilt, weil er mehr als 40 verwahrloste Hunde in Bad Iburg hielt. Man fragt sich, wie es so weit kommen kann.

Die Situation ist alarmierend. Im Jahr 2024 dokumentierte der Deutsche Tierschutzbund 147 Fälle von Animal Hoarding, betroffen sind insgesamt 8.911 Tiere – ein Anstieg von über 2.000 Tieren im Vergleich zu 2023. Die meisten dieser Fälle wurden in Nordrhein-Westfalen und Bayern registriert. Tierheime sind überlastet und stehen oft vor der Herausforderung, verwahrloste Tiere zu versorgen, die häufig unterernährt und krank sind. Das belastet die Ressourcen enorm und die Tierheime können oftmals nur schwer die nötige Versorgung garantieren.

Ein Aufruf zum Handeln

Um dem entgegenzuwirken, fordert der Deutsche Tierschutzbund nicht nur eine kostendeckende Finanzierung für die Betreuung von beschlagnahmten Tieren, sondern auch ordnungsrechtliche Maßnahmen wie eine Heimtierschutzverordnung und ein zentrales Register für auffällig gewordene Tierhalter. Animal Hoarding wird zunehmend als ernstzunehmendes Krankheitsbild anerkannt, was für viele Betroffene einen Lichtblick darstellen könnte, da es bessere Therapiemöglichkeiten schaffen könnte.

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Die traurige Realität ist, dass seit 2012 bis 2024 knapp 51.000 Tiere von Animal Hoarding betroffen waren. Katzen sind mit 1.872 Individuen die am häufigsten gehorteten Tiere, gefolgt von 1.555 Hunden. Kleine Heimtiere, wie Kaninchen und Mäuse, stellen mit 3.749 betroffenen Individuen die größte Tiergruppe dar, da sie sich besonders schnell vermehren. Wie kann es sein, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der so viele Tiere in solch einem Zustand gehalten werden? Es ist an der Zeit, dass wir uns mit diesen Themen auseinandersetzen und Lösungen finden, um das leidige Problem des Animal Hoarding in den Griff zu bekommen.