In Gifhorn brodelt die Diskussion um die geplante Erweiterung der A39. Besonders in Jembke erregen die Pläne, die ein Wasserschutzgebiet betreffen, die Gemüter. Ein geplanter Sandabbau auf 12,7 Hektar sorgt für Unruhe. Der Sand soll für die Autobahntrasse sowie eine Tank- und Rastanlage verwendet werden. Doch das ist nicht alles: Nach dem Abbau könnte ein Baggersee mit einer Fläche von bis zu 9,45 Hektar entstehen, der möglicherweise direkten Kontakt zum Grundwasser hat. Das wirft berechtigte Bedenken auf – schließlich könnte hier jährlich über 26.000 Kubikmeter Wasser durch Verdunstung verloren gehen.

Der Laijegraben, ein wichtiger Wasserlauf, wird umgeleitet, um das fehlende Wasser zu ersetzen. Das wird als riskant angesehen, insbesondere von Eva Gresky vom BUND im Kreis Gifhorn, die eindringlich vor den Gefahren für das Grundwasser und die Trinkwasserversorgung warnt. Der Grundwasserspiegel in der Region sinkt bereits seit 2003, und das macht die Wasserversorgung unsicher. Besonders im Nordosten Deutschlands gibt es Rückgänge; generell stammen rund 70% des Trinkwassers hierzulande aus Grundwasser. Der Klimawandel und menschliche Aktivitäten beeinflussen die Grundwasserstände zusätzlich und geben Anlass zur Sorge.

Der Streit um die Fakten

Die Kreisverwaltung hingegen sieht die Lage gelassener und erwartet keine messbaren Nachteile durch den Abbaubetrieb. Eine geplante Schilfzone soll das zufließende Wasser reinigen und damit die Bedenken etwas zerstreuen. Doch die unterschiedlichen Einschätzungen zur Situation führen zu Verwirrung und Unsicherheiten beim A39-Projekt. Die Diskussion um den Sandabbau wird also weitergehen, und die Meinungen über das Projekt scheinen gespalten.

Ein Blick auf den vierten Abschnitt der A39 zwischen Uelzen und Bad Bodenteich zeigt, dass hier ebenfalls eine Planfeststellung läuft. Der Abschnitt, der sich über 12,991 Kilometer erstreckt, ist Teil der größeren Planung, die auch Bürgerbeteiligung vorsieht. Unterlagen liegen bereits vor, und die Beteiligungsphase für Bürger, Kommunen und Fachbehörden hat begonnen. In den letzten Monaten hat die Außenstelle Lüneburg der Autobahn GmbH intensiv an der Planung gearbeitet. Das Ziel: Transparenz und ein offener Dialog. Ein digitaler Projektatlas bietet Visualisierungen, Karten zu Lärm, Luft und Verkehrszahlen sowie Funktionen, um Anliegen der Bürger zu erfassen.

Regionaler Grundwasserstress

Und während die Diskussion um die A39 also in vollem Gange ist, zeigt eine aktuelle Überblicksstudie des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE), dass Deutschland zwar als wasserreich gilt, aber in vielen Regionen mit Grundwasserstress zu kämpfen hat. Fast die Hälfte aller Landkreise ist betroffen, besonders in Ost-, Nord- und Westdeutschland. Die Dürreperioden der letzten Jahre haben die Grundwasserstände in einigen Regionen weiter sinken lassen und das Problem der Wasserversorgung verschärft. Der Klimawandel tut sein Übriges, indem er die Verfügbarkeit von Grundwasser zusätzlich unsicher macht. In einigen Bundesländern, darunter Niedersachsen, sind die Grundwasserentnahmen für die Trinkwasserversorgung besonders hoch.

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Die Ursachen sind vielschichtig und reichen von hohen Entnahmen in der Landwirtschaft bis hin zu Industrieanforderungen. Um dem entgegenzuwirken, sind Handlungsempfehlungen gefordert: Priorisierungen bei der Grundwassernutzung, Förderung von Brauchwasser und Wasserrückhalt, sowie Anpassungen bei den Entnahmeentgelten. Die aktuelle Studie zeigt, dass Handlungsbedarf besteht, um die Grundwasserkörper nachhaltig zu bewirtschaften. Ein spannendes, aber auch herausforderndes Thema steht uns also bevor.