Heute ist der 22.04.2026. Der Ausbildungsmarkt in Friesland zeigt ein bemerkenswertes Bild: Im Jahr 2025 wurden hier 31,7 Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Dies geht aus dem aktuellen Jahresbericht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Oldenburg hervor. Im Landkreis Friesland wurden zum Stichtag 13. Dezember 2025 insgesamt 357 Ausbildungsverhältnisse gezählt, was im Vergleich zu 271 im Jahr zuvor einen deutlichen Zuwachs darstellt. Besonders auffällig ist das Wachstum in der Gastronomie und in Metallberufen, die in Friesland florieren.
Im Gegensatz dazu sieht die Situation in Wilhelmshaven weniger rosig aus. Hier gab es einen Rückgang der Ausbildungsverträge um 16,8 Prozent. Die IHK kann keine genauen Ursachen für diese Entwicklungen benennen, verweist jedoch auf die starken Schwankungen in der Gastronomie und die verstärkte Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland, die seit 2024 verstärkt in den Fokus gerückt ist. Im Oldenburger Land insgesamt wurden 3986 neue Ausbildungsverträge in IHK-Berufen abgeschlossen, was einem leichten Rückgang von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Umsatzentwicklung und Ausbildungsreife
Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Umsatzentwicklung in den beiden Regionen. Der Landkreis Friesland verzeichnete ein Umsatzplus von 5,7 Prozent im Vergleich zu 2024, während Wilhelmshaven ein Minus von 7,8 Prozent aufwies. Diese wirtschaftlichen Unterschiede haben auch Auswirkungen auf die Ausbildungslandschaft. Ausbildungsbetriebe in beiden Regionen berichten von Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Ausbildungsplätze. Insbesondere Defizite in der Ausbildungsreife, vor allem in Mathematik, sprachlicher Ausdrucksfähigkeit und Belastbarkeit, sind häufige Ursachen für diese Herausforderungen.
Rund 45 Prozent der Jugendlichen zeigen sich unentschlossen bezüglich ihres beruflichen Werdegangs, während etwa 20 Prozent direkt in den Arbeitsmarkt einsteigen, ohne eine Ausbildung zu beginnen. Sicherheit und Perspektiven gewinnen für die Auszubildenden zunehmend an Bedeutung, und viele neigen dazu, größere Unternehmen zu bevorzugen. Die IHK hofft, dass sich die Ausbildungszahlen im Jahr 2026 zumindest auf dem Niveau des Vorjahres stabilisieren.
Ein Blick in die Zukunft
Die Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt werfen Fragen auf über die zukünftige Fachkräftegewinnung und die Rolle der regionalen Wirtschaft. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in den kommenden Jahren entwickeln wird und ob die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland eine nachhaltige Lösung für die Herausforderungen in der Ausbildung darstellt. Die regionalen Akteure sind gefordert, um den Jugendlichen nicht nur eine Ausbildung zu bieten, sondern ihnen auch Perspektiven zu eröffnen, die sie in ihrer beruflichen Laufbahn unterstützen.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Ausbildungslandschaft in Friesland insgesamt eine positive Tendenz aufweist, während Wilhelmshaven sich in einer schwierigen Phase befindet. Die IHK und die Ausbildungsbetriebe stehen vor der Herausforderung, die Defizite in der Ausbildungsreife zu beheben und den Jugendlichen attraktive Perspektiven zu bieten, um sie für eine Ausbildung zu gewinnen.