Berentzen zwischen Tradition und Wandel: Auf der Suche nach neuen Wachstumsmöglichkeiten
Die Berentzen-Gruppe, ein traditionsreicher Getränke- und Spirituosenhersteller aus Haselünne im Emsland, sieht sich aktuell mit einer Absatzflaute konfrontiert. Vorstandschef Oliver Schwegmann hat die Prognose für das Gesamtjahr herabgesetzt, und das nicht ohne Grund. Die Nachfrage nach hochprozentigen Getränken ist schwach, und die Konsumzurückhaltung in Deutschland macht der Branche zu schaffen. Im ersten Halbjahr 2026 fiel der Umsatz um über 11 % auf 71 Millionen Euro. So hat sich das Bild für Berentzen in den letzten Jahren gewandelt – und nicht zum Besseren.
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) ist regelrecht eingebrochen, um mehr als 80 % auf rund 600.000 Euro. Zuvor hatte man noch optimistischere Zeiten erlebt, im Geschäftsjahr 2025 etwa einen operativen Gewinn von 8,5 Millionen Euro erzielt. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Berentzen nun mit einem Umsatz zwischen 151 und 156 Millionen Euro, was im Vergleich zur ursprünglichen Schätzung von 163 bis 173 Millionen Euro einen deutlichen Rückgang darstellt.
Marktentwicklung und Herausforderungen
Die Probleme sind nicht nur ein Momentaufnahme, sondern ziehen sich durch die letzten Jahre. Im Vergleich zu den ersten neun Monaten 2025 verzeichnete die Berentzen-Gruppe einen Umsatz von 119,4 Millionen Euro, was einem Rückgang von rund 14,5 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Das EBIT sank von 7,6 Millionen Euro auf 5,6 Millionen Euro. Die Gründe? Eine anhaltend schwache Verbrauchernachfrage nach alkoholischen Getränken und der Verkauf des Mineralbrunnenbetriebs in Grüneberg im Oktober 2024 schmälern die Einnahmen zusätzlich.
Ein besonders auffälliger Trend ist der signifikante Volumenrückgang bei alkoholischen Getränken, der nun im dritten Jahr in Folge zu beobachten ist. Schwegmann selbst hat dies als besorgniserregend beschrieben, insbesondere im Spirituosen-Segment. Die Marke Mio Mio hingegen konnte sich positiv entwickeln und legte im bisherigen Jahresverlauf sogar um acht Prozent zu. Das ist ja schon fast wie ein Lichtblick in diesem düsteren Markt.
Die Zukunft im Blick
Trotz der Herausforderungen bleibt die Berentzen-Gruppe optimistisch und plant für 2026 weitere Innovationen sowie eine Ausweitung des Dosenangebots. Auch wenn die Ergebnisse aktuell nicht die erhofften Höhen erreichen, gelang es der Gruppe im dritten Quartal, die Profitabilität zu stabilisieren. Die relative Rohertragsqualität und die EBIT-Marge konnten sogar im Vergleich zum Vorjahr signifikant gesteigert werden. Das klingt nach einer soliden Grundlage, um vielleicht doch noch die Wende zu schaffen.
Für das Gesamtjahr 2025 rechnet Berentzen mit Umsatzerlösen zwischen 165 und 169 Millionen Euro und einer unveränderten Ergebnisprognose: EBIT zwischen 8,0 und 9,5 Millionen Euro, EBITDA zwischen 16,9 und 18,4 Millionen Euro. Ob eine Erholung der Konsumstimmung bis Jahresende realistisch ist, bleibt abzuwarten – die Zeichen stehen jedoch auf Veränderung. In den kommenden Wochen will die Berentzen-Gruppe ihre strategischen Leitlinien aktualisieren, um neue Wachstumsfelder und Vertriebskanäle zu erschließen. Ein mutiger Schritt, der frischen Wind in die Segel bringen könnte.
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