In Niedersachsen wird 2023 ein imposantes Investitionsvolumen von rund 124 Millionen Euro in den Deich-, Küstenschutz und Hochwasserschutz freigegeben. Über 280 Maßnahmen sind in Planung, bereits in Umsetzung oder laufen momentan. Im Fokus dieser Maßnahmen stehen vor allem der Deichschutz an der Nordsee sowie auf den Inseln und in gefährdeten Binnenlandregionen. Projekte, die unter dieses ambitionierte Vorhaben fallen, sind unter anderem Deichverstärkungen, Rückverlegungen und die Schaffung natürlicher Überschwemmungsflächen.

Ein herausragendes Beispiel ist die Deichrückverlegung und Auenentwicklung in Stuhr, die mit rund 14 Millionen Euro veranschlagt ist. Besonders bemerkenswert ist, dass für den Küsten- und Inselschutz eine Rekordsumme von 86 Millionen Euro vorgesehen ist – im Vergleich zu den 79 Millionen Euro im Jahr 2024 und den 81 Millionen Euro für 2025. Diese Maßnahmen betreffen nicht nur Deichverstärkungen, sondern auch die Sanierung alter Schöpfwerke, die Entwicklung von Hochwasserrückhaltebecken, Gewässer-Renaturierungen und Entsiegelungsprojekte.

Geplante und laufende Projekte

Zu den konkreten Vorhaben zählen die Grundinstandsetzung des Schöpfwerks Accumersiel im Landkreis Aurich sowie Arbeiten an verschiedenen Schöpfwerken im Landkreis Cuxhaven. Insgesamt gibt es rund 50 Siel- und Schöpfwerke an der Küste, von denen etwa die Hälfte älter als 50 Jahre ist. Um die Funktionsfähigkeit dieser Anlagen zu gewährleisten, sollen zusätzlich 20 Millionen Euro bereitgestellt werden. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz wird zudem mit zusätzlichem Personal ausgestattet, um Genehmigungen schneller bearbeiten zu können.

Das Umweltministerium rechnet mit steigenden Ausgaben für den Küstenschutz, die auf bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr ansteigen könnten. Es ist wichtig zu betonen, dass der Küstenschutz eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund (70 %) und Ländern (30 %) darstellt. Ein neuer Generalplan für Siel- und Schöpfwerke soll bis Ende 2026 erstellt werden, um den Modernisierungsbedarf zu ermitteln.

Langfristige Strategien und Herausforderungen

Niedersachsen hat sich seit 1955 in den Küstenschutz investiert und dabei über 2,4 Milliarden Euro aufgebracht. Diese Investitionen sind nicht nur notwendig, sondern auch eine dauerhafte Aufgabe. Um die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen, wurden in den letzten Jahren mehrere Grundlagenwerke ins Leben gerufen, die den Rahmen für den Küstenschutz bilden. Dazu zählt der „Generalplan Küstenschutz Niedersachsen/Bremen – Festland“ von 2007, der einen Finanzbedarf von etwa 500 Millionen Euro für Deichbau und flankierende Maßnahmen festlegt. Der „Generalplan Küstenschutz – Ostfriesische Inseln“ aus dem Jahr 2011 weist einen Investitionsbedarf von rund 300 Millionen Euro aus.

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Ein weiterer wichtiger Meilenstein ist der „Generalplan Küstenschutz Niedersachsen/Bremen – Schutzdeiche“ von 2020, der die Notwendigkeit für robuste Schutzdeichsysteme thematisiert und einen Investitionsbedarf von 625 Millionen Euro aufzeigt. Diese Pläne sind für die Küstenschützer von großer Bedeutung, um Prioritäten zu setzen und Handlungsbedarf zu identifizieren.

Ein Blick in die Zukunft

Für 2026 plant Niedersachsen erhebliche Investitionen in den Küstenschutz sowie den Hochwasserschutz. Die bereits erwähnten 86 Millionen Euro für den Küstenschutz sollen für Maßnahmen wie die Erhöhung von Deichen, die Modernisierung von Sperrwerken und die Ertüchtigung von Schutzdünen eingesetzt werden. Im Vergleich zu den Vorjahren, in denen 81 Millionen Euro für 2025 und 79 Millionen Euro für 2024 ausgegeben wurden, zeigt sich eine klare Steigerung.

Für den Hochwasserschutz im Binnenland sind zusätzlich 46 Millionen Euro eingeplant, wobei 43 Millionen Euro aus einem EU-Programm stammen. Diese Investitionen sind entscheidend, um den steigenden Herausforderungen durch Hochwasserereignisse zu begegnen. Insgesamt sind 38 Vorhaben geplant, viele davon bereits genehmigt. Ein Hochwasserschutzgipfel wurde vom Umweltministerium einberufen, um die Hilfsmaßnahmen zu besprechen und sicherzustellen, dass Niedersachsen gut auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet ist.