Am 31. Mai 1926 erblickte ein kleiner Junge das Licht der Welt auf der wunderschönen Insel Helgoland – und mit ihm ein großer Erzähler, der uns in die fantastischen Welten seiner Kinderbücher entführen sollte. James Krüss, der erfolgreichste deutsche Kinderbuchautor, wuchs in einem Umfeld auf, das die Seele seiner Geschichten prägen sollte. Sein Vater, ein Elektriker, und seine Vorfahren, die Hummerfischer, prägten die maritime Kulisse, die in vielen seiner Werke lebendig wird. Die Geschichten, die er später erzählte, waren oft durch die rauen Winde und das salzige Meer seiner Heimat inspiriert.

Doch die Idylle wurde jäh unterbrochen. Mit gerade einmal 16 Jahren musste Krüss Helgoland wegen des Krieges verlassen. Die Erlebnisse des Zweiten Weltkriegs prägten ihn tief. Die Insel, die er so liebte, wurde 1945 bombardiert und war bis 1951 ein Sperrgebiet. In dieser Zeit wurde er, wie viele andere Kinder, nach Arnstadt in Thüringen evakuiert. Nach dem Krieg lebte er mit seinen Eltern in Cuxhaven und begann, seine schriftstellerische Karriere zu starten.

Der Weg zur Schriftstellerei

Sein erstes Buch, „Der goldene Faden“, veröffentlichte er schon 1946. Und was dann folgte, war ein beeindruckender Aufstieg. 1948 gründete er die Zeitschrift „Helgoland“, die bis 1956 erschien und der Gemeinschaft der vertriebenen Helgoländer eine Stimme gab. Ein Jahr später zog er nach Lochham, wo er Erich Kästner traf, der ihn ermutigte, seine Talente für Kinderbücher zu nutzen. Diese Begegnung sollte entscheidend für seine Zukunft werden.

Die Veröffentlichung seines ersten großen Erfolgs, „Der Leuchtturm auf den Hummerklippen“, im Jahr 1956 war ein Meilenstein. Dieses Buch, das in Jugoslawien vor der deutschen Veröffentlichung erschien, katapultierte ihn in den literarischen Olymp der Kinderliteratur. Seine Lesung aus „Mein Urgroßvater und ich“ in der „Tagesschau“ sorgte für landesweites Aufsehen und festigte seinen Ruf als Meister des Erzählens. Die Auszeichnung mit dem Deutschen Jugendbuchpreis und der Hans-Christian-Andersen-Medaille im Jahr 1968 waren nur weitere Beweise für sein außergewöhnliches Talent.

Ein Leben zwischen zwei Welten

Sein Lebensweg führte ihn schließlich nach Gran Canaria, wo er ab 1966 lebte. Trotz der Sonne und des Meeres, die er dort fand, blieb seine Verbindung zu Helgoland stark. 1961, nach vielen Jahren, kehrte er zurück auf die Insel, um an „Timm Thaler“ zu arbeiten, das 1962 veröffentlicht wurde und später sogar in einer TV-Miniserie adaptiert wurde. Es ist fast so, als ob die Insel selbst Teil seiner Geschichten geworden wäre.

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James Krüss war nicht nur Autor; er war ein wahrer Geschichtenerzähler, dessen Werke oft in der Tradition von Volksmärchen und mündlicher Überlieferung verankert sind. Viele seiner Bücher sind Sammlungen von Erzählungen, die in einen Rahmen eingebettet sind, was ihnen einen besonderen Charme verleiht. Seine letzte Ruhestätte fand er am 27. September 1997, als er vor Helgoland im Meer bestattet wurde. Sein schriftstellerischer Nachlass ist in der Internationalen Jugendbibliothek in München verwahrt, und ein kleines Museum auf Helgoland erinnert an sein Leben und Werk.

Erbe und Vermächtnis

Der 7. August 2022 hätte Krüss’ 100. Geburtstag markiert, und Judith Rakers erkundet in einem Film die Besonderheiten der Insel, die so viel für den Autor bedeutete. Auch heute noch lässt sich der Einfluss von James Krüss in der Kinderliteratur und in den Herzen vieler Leser finden. Seine Geschichten, die oft von der Unschuld und der Magie der Kindheit erzählen, bleiben unvergessen. Und während wir auf Cuxhaven blicken, wo die Wellen gegen die Klippen schlagen, können wir uns nur wünschen, dass die Erzählungen dieses großen Geschichtenerzählers weiterhin durch die Generationen getragen werden.