Am 18. Mai 2026 blieben die Urlaubsfreuden auf mehreren Ostfriesischen Inseln vorübergehend in den Hintergrund gerückt. Paraffin-Stücke, die wie ungebetene Gäste an den Strand gespült wurden, sorgten für Aufregung. Die meisten Klumpen wurden auf Borkum, im Landkreis Leer, entdeckt. Aber auch die Insel Juist, Teil des Landkreises Aurich, blieb nicht verschont. Ein paar Tage später, am Mittwoch, fanden sich die unliebsamen Stücke auch auf Norderney, gefolgt von kleinen Mengen auf Baltrum am Donnerstag. Hier war die Menge zwar gering, aber das Unbehagen blieb.
Die Wasserschutzpolizei hat die Situation unter Kontrolle und geht davon aus, dass es sich bei den angespülten Klumpen um Paraffine handelt. Diese sind Nebenprodukte der Erdölverarbeitung und finden sich in vielen Alltagsprodukten – von Kerzen über Kosmetika bis hin zu Arzneimitteln und Verpackungen. Wie sie ins Wasser gelangen? Durch das Ablassen von Ladungsresten aus Tankern, was in der Regel ein absolutes No-Go ist. Das Ablassen ist nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt, aber die Realität sieht oft anders aus, wie wir sehen.
Die Ausmaße der Verschmutzung
In Borkum sind die Paraffinstücke bis zu 20 Zentimeter groß und verteilen sich über einen 20 Kilometer langen Küstenabschnitt. Das ist kein Pappenstiel! Die Säuberungsarbeiten laufen bereits auf Hochtouren auf allen betroffenen Inseln. Gut zu wissen: Für Strandbesucher besteht momentan keine Gefahr, aber das Anfassen unbekannter Stoffe sollte man besser vermeiden. Die Mengen an angespülten Paraffin-Teilen nehmen seit Donnerstag merklich ab. Am Mittwoch wurden rund 700 Liter eingesammelt, am Donnerstag kamen zusätzlich 120 Liter dazu. Das lässt hoffen!
Die Wasserschutzpolizei Emden hat die Ermittlungen aufgenommen, aber bisher gibt es keine konkreten Hinweise auf die Verursacher. Es stellt sich die Frage: Handelt es sich um illegale Entsorgung oder um Rückstände aus Tankwaschungen? Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer hat sich bereits zu Wort gemeldet und fordert ein internationales Verbot von Tankreinigungen auf dem Meer. Schließlich ist Meeresverschmutzung kein „Kavaliersdelikt“, wie er eindringlich betont. Der Druck auf die nächste Umweltministerkonferenz wird steigen.
Die Natur und ihre Reaktion
Paraffin kommt in verschiedenen Formen an die Strände, von winzigen Krümeln bis hin zu kiloschweren Brocken und Platten. Weiße Paraffine sind gereinigte Rohstoffe und ähneln in ihrer Konsistenz Kerzenwachs. Sie stammen oft aus der Reinigung von Chemiefrachtern. Andererseits gibt es die gelblich-braunen Paraffine, die aus Rohrleitungssystemen von Schiffen stammen und als Niederschlag aus Rohöl entstehen. Möwen und Fische nehmen Paraffin als Nahrung wahr, und bisher wurden keine gesundheitlichen Schäden für Vögel nachgewiesen. Dennoch, die Unsicherheit bleibt, denn die biologisch Abbaudauer von Paraffin ist nicht gut untersucht und könnte Monate bis Jahre betragen. Das ist nicht gerade beruhigend.
Schlimmer noch, einige Paraffine können giftige Bestandteile enthalten. Braune Paraffine sind bekannt dafür, erbgutschädigende und krebserregende Öl-Kohlenwasserstoffe zu enthalten, während weiße Paraffine Gifte von Tankwänden des Chemiefrachters in sich tragen können. Es ist eine schleichende Umweltvergiftung, die wir da erleben. Dramatische akute Wirkungen sind bislang nicht bekannt, aber das Thema wird zunehmend anerkannt und muss definitiv weiter verfolgt werden.
Die Problematik rund um Paraffin ist nicht neu. Zwischen 2014 und 2016 fand eine systematische Beprobung von angespülten Paraffinen durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie statt, die zwar zur Aufklärung beitrug, aber viele Fragen offen ließ. Es bleibt abzuwarten, wie die Verantwortlichen auf diese aktuelle Situation reagieren werden.