SGL Carbon: Vom Kohlenstoffstar zur Kernenergie-Pionierrolle in Wiesbaden
In Wiesbaden, wo der Rhein gemächlich dahinplätschert und die Luft nach frischem Kaffee duftet, hat sich ein Unternehmen ins Zeug gelegt, das uns alle überraschen könnte. SGL Carbon, ein echter Star in der Branche, hat sich in den letzten Jahren nicht nur mit seinem traditionellen Geschäft, sondern auch mit neuen, aufregenden Herausforderungen auseinandergesetzt. Die Produktion von Bauteilen für Windräder, E-Autos und – jetzt kommt’s – sogar für Nuklearreaktoren gehört nun zum Portfolio. Wer hätte gedacht, dass ein Unternehmen aus unserer Nachbarschaft sich in die Welt der Kernenergie wagt? Doch genau das tut SGL Carbon, und das mit einer ganz besonderen Partnerschaft.
Das US-Unternehmen X-energy hat kürzlich Graphitkomponenten im Wert von rund 100 Millionen Dollar bei SGL Carbon bestellt. Andreas Klein, der seit 2025 an der Spitze von SGL Carbon steht, hat eine langfristige Zusammenarbeit mit X-energy in die Wege geleitet. Spannend ist, dass in den USA Kernenergie als grüne Technologie gilt, während wir hierzulande oft noch mit einer gewissen Skepsis auf das Thema schauen. Inzwischen haben auch Firmen wie Amazon und Dow Pläne für kleine Reaktoren zur Energieversorgung geschmiedet, und in Großbritannien haben die Bauarbeiten für ein neues Atomkraftwerk bereits begonnen. Der Wind scheint also in eine neue Richtung zu wehen.
Vom Fahrzeugbau zur Rüstungsindustrie
Die Zeiten, in denen SGL Carbon nur auf Kohlenstofffasern setzte, scheinen vorbei zu sein. Trotz der einst großen Erwartungen in die Automobilindustrie – etwa durch die Verwendung von Carbonfasern bei BMW – hat sich die Nachfrage nicht wie erhofft entwickelt. Das Werk in Moses Lake, USA, welches ursprünglich als revolutionär für den Fahrzeugbau galt, hat sich als weniger erfolgreich erwiesen. In der Tat hat SGL Carbon in den letzten Jahren bereits mehrere Werke in den USA und Portugal geschlossen und auch Stellen abgebaut. Doch die Wende ist in Sicht!
Andreas Klein, der seit 2023 das Graphit-Geschäft leitet, sieht die Halbleiterei als echten Wachstumsmotor. Graphit ist nicht nur für Halbleiter wichtig, sondern auch für Schutz gegen Strahlung. Die Nachfrage nach Silizium-Carbid-Halbleitern in Elektroautos ist zwar nicht wie gewünscht gestiegen – was zu Überbeständen geführt hat – doch SGL Carbon plant, seine Abhängigkeit von der Autobranche zu reduzieren. Die Rüstungsindustrie wird zum neuen Ziel. Klein hat bereits damit begonnen, Materialien für zivile Schutzwesten zu liefern und plant, in den militärischen Bereich zu expandieren. Und das mit einer ziemlich optimistischen Prognose: Er erwartet, dass die Umsätze mit der Rüstungsbranche von 2026 bis 2030 um mindestens 50 Millionen Euro steigen könnten.
Die Rolle der Halbleiter in der Zukunft
Jetzt wird’s noch spannender. Halbleiter sind die Schlüsseltechnologie der Zukunft, und SGL Carbon ist auf dem richtigen Weg, um davon zu profitieren. Transistoren in Mikrochips, die in Fabriken, Autos und KI-Systemen zum Einsatz kommen, sind entscheidend für die digitale Welt. In Europa ist der Marktanteil an der weltweiten Halbleiterproduktion von 21% im Jahr 2000 auf etwa 8% gesunken, und der deutsche Marktanteil liegt bei gerade einmal 3%. Das ist schon ein wenig besorgniserregend, wenn man bedenkt, wie wichtig Halbleiter für den Automobil- und Maschinenbau sind – diese beiden Branchen machen mehr als 60% der Abnehmerindustrien in Europa aus.
Die Nachfrage nach Halbleitern steigt, und laut dem VDMA wird der Bedarf im Industriesektor bis 2030 voraussichtlich doppelt so hoch sein. Doch die Herstellung von Mikrochips ist ein komplexer Prozess, der mehrere 1.000 Schritte umfasst und international stark verflochten ist. Geopolitische Spannungen und Handelsbeschränkungen könnten die Lieferketten gefährden. Aber SGL Carbon und andere Unternehmen arbeiten daran, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Der European Chips Act, der im September 2023 in Kraft trat, soll die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken und neue Fertigungskapazitäten aufbauen. Das BMWK fördert technologische Innovationen zur Stärkung der europäischen Halbleiterindustrie, und das ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Insgesamt, inmitten von Herausforderungen und Chancen, zeigt SGL Carbon, dass Wandel möglich ist. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich diese Entwicklungen in den kommenden Jahren entfalten werden.
