Am Sonntag, dem 9. Juni 2026, war die Wolferborner Kirche der Schauplatz eines ganz besonderen Ereignisses: Die Ordination von Tobias Vonderlehr zum Pfarrer. Ein Festgottesdienst, der die Herzen der über 250 anwesenden Gäste berührte—und die Kirche Sankt Peter und Paul war mit 200 Plätzen bis auf den letzten Platz gefüllt. Draußen unter Pavillons fanden sich mehr als 50 weitere neugierige Seelen ein, die den feierlichen Moment nicht verpassen wollten.
Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer, die diesen bedeutsamen Akt mit einem Segen durch Handauflegen vollzog, war sichtlich bewegt. Sie betonte in ihrer Ansprache das Gottvertrauen von Vonderlehr und ließ den kraftvollen Spruch aus Josua 1,9 erklingen. „Sei stark und mutig“—dieser Spruch wird Tobias Vonderlehr auf seinem neuen Weg in den Gemeinden Wolferborn, Rinderbügen und Michelau begleiten.
Ein Pfarrer mit ungewöhnlichem Werdegang
Tobias Vonderlehr ist nicht der typische Pfarrer; mit 42 Jahren hat er sich als Quereinsteiger auf diesen Weg gemacht. Vor seiner theologischen Laufbahn war er Lehrer und gründete eine Nachhilfeschule, die sich zu einer pädagogischen Praxis entwickelte. Nach seinem Zivildienst entschied er sich, eine neue Richtung einzuschlagen und studierte Evangelisch-Theologische Studien—denn der Glaube ist für ihn nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung.
Seinen Masterabschluss hat er erst vor kurzem abgelegt—im Mai 2023. Es war ein steiniger, aber lohnenswerter Weg. Unterstützt wird er dabei von seinem Ehemann Nik, der die Verantwortung für ihre gemeinsame pädagogische Praxis trägt. Die beiden haben 2004 zueinander gefunden, 2008 eine eingetragene Lebenspartnerschaft geschlossen und die kirchliche Segnung ließ sich nicht ohne Zugeständnisse feiern. Heute, nach einem Schuldbekenntnis der Kirchensynode der EKHN im April 2023 gegenüber queeren Menschen, fühlt sich Vonderlehr in der Gemeinde Gedern willkommen und wertgeschätzt.
Ein Fest voller Emotionen
Der Festgottesdienst selbst dauerte eineinhalb Stunden und wurde musikalisch vom Kirchenchor unter der Leitung von Carmen Böckel begleitet. Es wurden Fürbitten von Familienmitgliedern gesprochen, die sich an Einsame, Trauernde und helfende Menschen richteten. Vonderlehr, der in seiner Predigt das Bild von Kirche als Gemeinschaft und unterstützenden Ort beschrieb, strahlte Zufriedenheit und Freude aus, als er den Segen am Ende des Gottesdienstes sprach.
Nach dem Gottesdienst war die Stimmung im Dorfgemeinschaftshaus Michelau ebenso festlich. Hier fand ein Empfang statt, bei dem zahlreiche Grußworte gesprochen wurden. Bürgermeister Benjamin Harris und Erste Stadträtin Katja Euler äußerten sich überaus positiv über die bevorstehende Zusammenarbeit mit dem neuen Pfarrer. Vonderlehr hat bereits große Pläne, darunter die Ankündigung eines Kneipengottesdienstes in Rinderbügen. Die Gemeinde ist gespannt auf die frischen Ideen, die er mitbringen wird.
Tobias Vonderlehrs Weg zum Pfarramt ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie vielschichtig der Weg in den Dienst der Kirche sein kann. Durch seinen Mut, seinen Glauben und seine Offenheit wird er sicherlich viele Menschen in den kommenden Jahren inspirieren und begleiten. Und das Beste: Diese Geschichte hat gerade erst begonnen.