Am vergangenen Wochenende war es endlich soweit: Eine Delegation aus der italienischen Partnerstadt Collecchio schritt durch die sonnenverwöhnten Felder des Butzbachs. Etwa 45 interessierte Teilnehmer waren gekommen, um sich ein Bild von der landwirtschaftlichen Vielfalt der Region zu machen. Bei strahlendem Wetter und dem Duft von frisch geernteten Erdbeeren in der Luft wurden gleich drei Betriebe besucht: der Seefeldhof, Wetterauer Früchtchen und der Lindenhof.
Der Seefeldhof, ein wahres Kartoffelparadies, erstreckt sich über 15 bis 20 Hektar und bietet rund 20 verschiedene Sorten Speisekartoffeln an. Was für eine bunte Vielfalt! Lustigerweise werden die Abfallkartoffeln, die nicht für den Verkauf geeignet sind, an die Rinder verfüttert. Und die Gülle dieser Rinder? Die wird clever in einer Biogasanlage genutzt, die jährlich stolze drei Millionen Kilowatt Strom produziert – das reicht für etwa 1000 Haushalte. Nebenbei wird die Wärmeenergie dieser Anlage auch zum Heizen von Tunneln für den Beerenanbau verwendet. Eine geniale Kreislaufwirtschaft, die man sich mal auf der Zunge zergehen lassen sollte!
Einblicke in die Betriebe
Der Lindenhof kann sich ebenfalls sehen lassen: Hier dreht sich alles um die hochwertige Schweinemast. Es ist wirklich beeindruckend, wie die Betriebe in der Region zusammenarbeiten. So unterstützen sie sich gegenseitig beim Personal- und Maschinenpark-Austausch. In den letzten zehn Jahren sind die Maschinenpreise allerdings durch die Decke gegangen – sie haben sich verdoppelt! Aber das scheint die Betriebe nicht zu schrecken, denn die Zusammenarbeit besteht bereits seit 36 Jahren. Wow!
Wetterauer Früchtchen hingegen bringt fruchtige Köstlichkeiten auf den Tisch. Erdbeeren und Himbeeren, die nach bioökologischen Maßstäben angebaut werden, sind ihr Steckenpferd. Um Schädlinge zu bekämpfen, setzen sie über 100.000 Nützlinge pro Saison ein. Und die Bewässerung? Die erfolgt ganz modern zentral gesteuert – mit einem Rückführungssystem für ablaufendes Wasser. Zudem wird ein italienisches Pumpen-, Misch- und Verteilersystem verwendet. Die Mitarbeiter nutzen sogar eine App zur Überwachung! Da merkt man, wie sehr die Digitalisierung auch in der Landwirtschaft Einzug hält.
Nachhaltige Energie aus Biogas
Ein besonders spannendes Thema, das beim Besuch aufkam, war die Biogasproduktion. Biogas hat sich zu einer wichtigen Säule des zukünftigen Energiesystems entwickelt. Es ist nicht nur speicherbar, sondern auch flexibel nutzbar und grundlastfähig – was bedeutet, dass es unabhängig von den Launen der Sonne oder des Windes funktioniert. Laut aktuellen Zahlen stammen 54% der erneuerbaren Energie in Deutschland aus Biomasse, und Biogas stellt beachtliche 12,2% des erneuerbaren Stroms bereit.
In Deutschland gibt es mittlerweile etwa 9.600 Biogasanlagen mit einer elektrischen Leistung von über 5.600 Megawatt. Diese Anlagen versorgen mehr als 9 Millionen Haushalte mit Strom und decken rund 5,4% des deutschen Stromverbrauchs. Die Wärme, die aus Biogasanlagen erzeugt wird, reicht für über 2,5 Millionen Haushalte. Einfach beeindruckend, oder? Die Bundesregierung fördert mittlerweile den Einsatz von Reststoffen wie Gülle und Mist zur Biogasproduktion und hat den Maisanbau zur Biogaserzeugung begrenzt. Ein Schritt in die richtige Richtung!
Es bleibt also spannend zu sehen, wie die Betriebe im Butzbach weiterhin innovative Ansätze verfolgen, um sowohl die Landwirtschaft als auch die Energieerzeugung nachhaltig zu gestalten. Ein Hoch auf die Zusammenarbeit und die Kreativität unserer Landwirte!