Am 7. Mai 2026 war es endlich so weit – die Arolsen Archives in Bad Arolsen, Landkreis Waldeck-Frankenberg, haben mit einem symbolischen Spatenstich den Bau eines neuen Zentrums für Dokumente zur NS-Verfolgung offiziell gestartet. Es ist ein beeindruckendes Projekt, das die umfassendste Sammlung zu Opfern und Überlebenden der nationalsozialistischen Verbrechen weltweit beherbergen wird. Die Vorfreude auf das neue Archivgebäude ist greifbar, zumal es bis April 2028 bezugsfertig sein soll.
Das Architekturbüro Nieto Sobejano Arquitectos hat ein Gebäude entworfen, das nicht nur funktional ist, sondern auch visuell ansprechend. Die Fassade aus rot eingefärbten Betonfertigteilen erinnert an Archivboxen und spiegelt die Einzigartigkeit der Sammlung wider – mehr als 30 Millionen Dokumente, die Hinweise zu rund 17,5 Millionen Menschen umfassen. Eine Vielzahl dieser Menschen waren Holocaust-Opfer, KZ-Häftlinge oder Zwangsarbeiter. Der Neubau wird nicht nur Platz für 22.000 laufende Archivmeter bieten, sondern auch über Reserven für zukünftige Bestände verfügen – ein echter Schritt in die Zukunft!
Ein Archiv mit Geschichte
Die Arolsen Archives haben eine bewegte Geschichte. Ursprünglich wurde die Vorläuferorganisation, der International Tracing Service (ITS), nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, um vermisste Personen zu finden. Die Notwendigkeit von Arbeitsräumen stand damals im Vordergrund, während die langfristige Archivierung eher hinten anstand. Aber jetzt, wo die Sammlung kontinuierlich wächst – auch dank Kooperationen mit anderen Archiven, beispielsweise in der Ukraine – ist ein eigenes Archivgebäude umso wichtiger.
Das Bauvorhaben wird im Auftrag des Bundes von der Bauabteilung der Oberfinanzdirektion Frankfurt sowie dem Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen umgesetzt. Die geschätzten Kosten für den Neubau belaufen sich auf 32 Millionen Euro. Eine stattliche Summe, die jedoch gut investiert ist. Denn hier wird nicht nur ein Gebäude errichtet, sondern ein Ort der Erinnerung und des Lernens.
Langfristige Erhaltung der Dokumente
Für die langfristige Erhaltung der Dokumente ist eine moderne Ausstattung unerlässlich. Das neue Archivgebäude wird klimatisierte Magazinräume sowie eine spezielle Brandvermeidungsanlage bieten. Damit wird sichergestellt, dass die wertvollen Bestände optimal geschützt sind. Die Arolsen Archives, die seit 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählen, sind damit auf einem guten Weg, ihre Sammlungen für zukünftige Generationen zu bewahren.
In der heutigen Zeit, in der die Digitalisierung von Archivgut immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist der Fokus des Bundesarchivs klar: Bis 2033 sollen alle relevanten Archivalien aus der Zeit des Nationalsozialismus digitalisiert werden. So können sie für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das ist nicht nur ein technischer Fortschritt, sondern auch ein wichtiges Zeichen für die Aufarbeitung der Geschichte – und ein Schritt in die richtige Richtung.