In Offenbach, genauer gesagt in der Luisenstraße, steht ein Gebäude, das in der Vergangenheit eine eher düstere Geschichte hatte. Die ehemalige Abschiebehaftanstalt ist seit 2010 leer und zeigt sich mittlerweile im Verfall. Es ist kaum zu fassen, dass hier seit mehr als 15 Jahren niemand mehr inhaftiert wurde. Die letzten Insassen haben die Wände, die nun mit der Zeit immer mehr verfallen, bereits vor über einem Jahrzehnt verlassen. Doch was passiert mit diesem denkmalgeschützten Bau?
Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) hat bereits festgestellt, dass das Gebäude zahlreiche Probleme aufweist – Brandschutz und Statik sind nur einige der Herausforderungen, die eine Nutzung in seinem aktuellen Zustand unmöglich machen. Währenddessen prüft die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO), ob das Areal für Wohnungsbau geeignet ist. Ein interessanter Gedanke, der sich jedoch als kompliziert erweisen könnte. Kämmerer Martin Wilhelm von der SPD hat den Kontakt zum Land gesucht, um Informationen zur möglichen Nutzung des Gebäudes zu sammeln.
Ein denkmalgeschütztes Dilemma
Es besteht jedoch ein gewisses Maß an Unklarheiten, insbesondere wenn es um die wirtschaftliche Machbarkeit und die Bereitschaft des Landes geht, die Immobilie zu verkaufen. Vor über einem Jahrzehnt wurde sogar angekündigt, das Gefängnis für eine Vermarktung auf dem freien Markt vorzubereiten, doch seither hat sich nicht viel getan. Das Frankfurter Studierendenwerk hatte sogar Interesse gezeigt, das Gebäude in Studentenwohnungen umzuwandeln. Aber die hohen Auflagen und die damit verbundenen Kosten haben jegliche Pläne zunichtegemacht.
Die GBO sieht sich nun der Aufgabe gegenüber, zu prüfen, wie viele Wohnungen realisierbar sind, wobei weniger als zehn Wohneinheiten als unwirtschaftlich gelten. Das führt uns zu der Frage: Ist das Gefängnisgebäude überhaupt noch eine Option für Wohnraum in Offenbach? Das Studierendenwerk hat zudem Pläne, auf dem ehemaligen Postgelände am Bahndamm Wohnungen zu errichten. Doch auch hier gibt es Verzögerungen, die auf hohe Baukosten zurückzuführen sind.
Der Wert des Denkmalgeschützten
In Deutschland verlieren wir fast täglich Denkmäler, oft unbemerkt und ohne großes Aufsehen. Es gibt keine zentralen Statistiken über den Bestand und die Entwicklung dieser geschützten Kulturschätze. Es fehlen Informationen über die jährlichen Verluste an Geschichte und Kultur. Das geplante „Schwarzbuch der Denkmalpflege“ soll dem entgegenwirken, indem es Dokumentationen über Denkmalverluste und die Herausforderungen der Denkmalpflege bereitstellt. Dabei können auch positive Beispiele für Denkmal-Rettungen in diesem Bericht enthalten sein. Ein Aufruf zur Meldung von verlorenen oder gefährdeten Denkmälern könnte so dazu beitragen, dass wir als Gesellschaft achtsamer mit unserem kulturellen Erbe umgehen.
Wir stehen also vor der Frage, ob diese leerstehenden Mauern in Offenbach bald wieder zum Leben erweckt werden können oder ob sie weiterhin dem Verfall anheimfallen. Es bleibt spannend, wie sich die Situation entwickeln wird – vielleicht wird in nicht allzu ferner Zukunft hier wieder ein Ort der Begegnung entstehen, anstatt ein trauriger Teil unserer Geschichte zu sein.