Heute ist der 23.04.2026 und im Kreis Offenbach wird ein bedeutender Schritt in Richtung Chancengleichheit und Fachkräftesicherung unternommen. Auf dem „Achten Arbeitsmarktpolitischen Impuls“ in der Region Groß-Gerau treffen sich Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Praxis, um über die gezielte Förderung von Frauen als zentralen Baustein für eine zukunftsfähige Wirtschaft zu diskutieren. Der Fokus liegt auf der Erschließung ungenutzter Erwerbspotenziale von Frauen, um die wirtschaftliche Entwicklung in der Rhein-Main-Region voranzutreiben.
Die Initiative wird von Pro Arbeit – Kreis Offenbach (AöR) unterstützt, die vor Ort bereits verschiedene Projekte umsetzt, um Frauen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt zu helfen. Viele Frauen sehen sich familiären Verpflichtungen, fehlender Qualifikation oder Sprachbarrieren gegenüber, weshalb maßgeschneiderte Programme besonders wichtig sind. Projekte wie „Frauen fahren Bus“ eröffnen neue Fachkräftepotenziale im Verkehrssektor, während das Projekt „Frau am Steuer“ Frauen in den Bereichen Logistik und Industrie qualifiziert – einschließlich Lkw- und Staplerscheinen sowie Sprachförderung. Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel ist das Projekt AWARE, das Frauen mit besonderen Unterstützungsbedarfen in der Ernährungswirtschaft hilft, etwa durch Umschulungen und Empowerment.
Fachkräftesicherung durch Frauenförderung
Carsten Müller, ein Vertreter von Pro Arbeit, betont die entscheidende Rolle, die die gezielte Förderung von Frauen für die Fachkräftesicherung im Kreis Offenbach spielt. Die Stärkung der Erwerbsbeteiligung von Frauen ist nicht nur ein sozialpolitisches Ziel, sondern auch ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Es ist evident, dass sich die Erwerbsquote von Frauen in Deutschland seit den 1990er Jahren von 55% auf knapp 74% erhöht hat, was die Notwendigkeit unterstreicht, diese Entwicklung weiter voranzutreiben.
Die Herausforderungen sind jedoch nicht zu unterschätzen: Rund 50% der abhängig beschäftigten Frauen arbeiten in Teilzeit, während es bei Männern nur 12% sind. Diese hohe Teilzeitquote ist oft das Resultat des sogenannten „Zuverdienermodells“ in vielen Paarhaushalten. Besonders Mütter mit Kindern unter 12 Jahren haben eine hohe Erwerbsquote von fast 75%, jedoch auch eine Teilzeitquote von 70%. Hier gibt es ein starkes Bedürfnis nach Veränderung, um Frauen den Zugang zu stabilen, zukunftssicheren Beschäftigungen zu ermöglichen.
Politische Handlungsoptionen
Um den Fachkräftemangel in Deutschland zu beheben, sind politische Handlungsoptionen erforderlich. Zu den Vorschlägen zählen die Mobilisierung älterer Arbeitnehmer, die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen sowie die Zuwanderung von Fachkräften. Der Kitaausbau seit 2005 hat bereits zu einem signifikanten Anstieg der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geführt, was eine positive Entwicklung für berufstätige Mütter darstellt. Dennoch bleibt die ungleiche Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen ein zentrales Problem.
Die politische Agenda muss nun auch Reformen im Bereich des Elterngeldes und des Ehegattensplittings beinhalten, um Arbeitsanreize für Zweitverdienende zu schaffen. Die Abschaffung der Lohnsteuerklassenkombination III/V könnte ebenfalls dazu beitragen, die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu erhöhen und den Fachkräftemangel zu mildern. Ein Fazit, das sich aus diesen Überlegungen ableiten lässt, ist, dass die Ausweitung der Arbeitszeit von teilzeitbeschäftigten Frauen nicht nur individuelle Chancen verbessert, sondern auch zur Bekämpfung des Fachkräftemangels beiträgt.
Für weitere Informationen zu den Projekten und Initiativen in der Region besuchen Sie bitte www.proarbeit-kreis-of.de.