Wölfe im Visier: Spannungen im Lahn-Dill-Kreis zwischen Jagd und Artenschutz
Im Lahn-Dill-Kreis wird es jetzt richtig spannend. Der hessische Wolfsmanagementplan hat grünes Licht erhalten, und das bedeutet: Zwei junge Wölfe sind für die Jagdsaison 2023/2024 zum Abschuss freigegeben worden. Der Abschusszeitraum erstreckt sich vom 1. Juli bis zum 31. Oktober 2023. Ein bisschen wie ein Aufruf zur Jagd, aber auch ein großes Thema, das viele Gemüter erhitzt. Das Regierungspräsidium Kassel, die obere Jagdbehörde für Hessen, hat die Entscheidung getroffen, auch wenn insgesamt vier juvenile Wölfe für die Jagdsaison freigegeben wurden – zwei sind leider bereits tot aufgefunden worden, sodass nur zwei zur Jagd stehen.
Das Greifensteiner Rudel, das in der Region lebt, hat mit vier Welpen die höchste Reproduktionsrate in Hessen. Aber die Freude über die Rückkehr der Wölfe wird von den vermehrten Nutztierrissen, die durch dieses Rudel nachgewiesen wurden, überschattet. Und so kommt die Frage auf: Wie gehen wir mit dieser Situation um? Die Jäger sind jetzt in der Pflicht. Sie müssen vor einem Abschuss prüfen, ob die oberen Jagdbehörde bereits Abschüsse erfüllt hat. Und das ist nicht alles; erlegte oder tot gefundene Tiere müssen zur Untersuchung zugänglich gemacht werden. Ein gewisser bürokratischer Aufwand, der aber notwendig ist.
Der Plan und seine Kritiker
Der Wolfsmanagementplan des hessischen Landwirtschaftsministeriums hat nicht nur Befürworter. Umweltverbände wie der BUND und Nabu sind alles andere als begeistert und kritisieren den Plan als „Bekämpfungsplan“. Thomas Norgall vom BUND hat klare Worte gefunden: Der Plan gefährdet den Fortbestand der Wölfe in Hessen. Statt die Nutztierrisse zu reduzieren, so Norgall, zielt der Plan auf die Verringerung der Wolfpopulation ab. Das klingt nicht wirklich nach einer nachhaltigen Lösung, oder?
Auf Seite sieben des Plans sind die konkreten Abschusspläne und der maximale Entnahmeanteil festgelegt. Die Entnahme von Wölfen ist auf 40 Prozent der prognostizierten juvenilen Wölfe pro Jahrgang begrenzt. Ein Schritt, der vielleicht gut gemeint ist, aber die Frage aufwirft, ob das tatsächlich im Sinne des Artenschutzes ist. Zumal in Hessen derzeit nur drei Wolfsrudel leben. Ist das nicht ein bisschen wenig, um eine gesunde Population zu erhalten?
Gesetzliche Rahmenbedingungen
Der Wolf wurde im März 2023 in das Bundesjagdgesetz aufgenommen, und Hessen hat im Herbst 2024 sein Jagdgesetz entsprechend geändert. Das bedeutet, dass die Länder nun Jagd auf den Wolf in Regionen erlauben können, wo der Bestand als günstig erhaltungsfähig gilt. Allerdings wird dieser Beschluss von vielen als „Schnellschuss“ der Bundesregierung kritisiert. Der WWF und andere Umweltverbände befürchten, dass die Aufnahme des Wolfs ins Jagdgesetz nicht nur fachlich falsch, sondern auch ökologisch riskant ist. Zweifel an der Vereinbarkeit mit dem europäischen Artenschutzrecht sind ebenfalls laut geworden.
In der politischen Debatte um den Wolf gibt es also viel zu klären. Während einige Bundesländer stärkere fachliche Weichenstellungen fordern, argumentieren andere, dass die Jagd keine Lösung für die durch Wölfe verursachten Nutztierschäden darstellt. Ein konstruktiver Dialog über Konfliktmanagement ist gefordert. Doch wie realistisch ist das in der aktuellen Gemengelage?
Die Diskussion über den Wolf in Hessen zeigt: Es geht nicht nur um das Tier selbst, sondern auch um die Menschen, die in der Region leben, die ihre Weidetiere schützen möchten und zugleich die Rückkehr eines faszinierenden, aber auch umstrittenen Raubtiers erleben. Ein Balanceakt zwischen Naturschutz und Landwirtschaft, der nicht einfach ist und viele Emotionen weckt.
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