Heute ist der 13.05.2026 und wir werfen einen Blick auf die aktuelle Lage im Wohnungsbau in Hessen. Man könnte meinen, nach einem Anstieg der genehmigten Wohnungen um 21,8 Prozent im Jahr 2022 – immerhin rund 16.000 genehmigte Einheiten – sei die Krise überwunden. Doch weit gefehlt! Denn im Vergleich zu 2019 sind das immer noch sage und schreibe 44 Prozent weniger. Gerald Lipka, der Geschäftsführer des BFW-Landesverbands, sieht die Situation alles andere als rosig und spricht von einer fehlenden Normalisierung. Besonders besorgniserregend sind die weltpolitischen Ereignisse, wie der Krieg im Iran, die den Wohnungsbau zusätzlich belasten.
Die ökonomischen Rahmenbedingungen sind alles andere als stabil. Wirtschaftswissenschaftler Dieter Rebitzer erkennt immerhin gute Aussichten für wirtschaftsstarke Regionen wie Frankfurt, wo 20 Prozent der Baugenehmigungen in Hessen entfallen. Doch der Rückgang der privaten Investitionen in den Wohnungsbau ist alarmierend: Von 3,1 Milliarden Euro im Jahr 2021 wird für 2025 nur noch mit 1,9 Milliarden Euro gerechnet. Und wenn wir ehrlich sind, der Markt für Eigentumswohnungen hat in den letzten Jahren einen dramatischen Einbruch erlebt. Junge Menschen schauen in die Röhre – gestiegene Zinsen und hohe Immobilienpreise machen es ihnen fast unmöglich, Eigenheim zu erwerben.
Ein Aufruf zur politischen Handlung
Die Verbände der Bau- und Immobilienwirtschaft sowie die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) sind alarmiert über den Rückgang der Wohnbaugenehmigungen. Im Jahr 2024 wurden nur 13.772 Baugenehmigungen erteilt – ein Rückgang um 27,5 Prozent im Vergleich zu 2023. Das ist ein herber Schlag für die Bauwirtschaft und die Wohnungssuchenden! VhU-Vizepräsident Thomas Reimann appelliert eindringlich an die Politik, private Investitionen in neue Wohnungen zu erleichtern und die Vorschläge der hessischen Baukostenkommission rasch umzusetzen.
Ein weiteres Problem sind die Baukosten, die seit 2021 um 33 Prozent gestiegen sind. Dr. Burkhard Siebert, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Hessen-Thüringen, fordert eine Überprüfung der Kriterien für den sozialen Wohnungsbau, denn die hemmen den Neubau mehr, als sie helfen. Im Jahr 2024 hat sich die Situation zugespitzt: Die Förderanträge für Sozialwohnungen überschreiten die verfügbaren Mittel in Hessen um 400 Millionen Euro! Da fragt man sich: Wie soll das alles nur gehen?
Die Rolle der Kommunen
Gerald Lipka hebt hervor, dass private Bauträger zunehmend unter Druck stehen – hohe Baukosten und Zinsen setzen den Investoren zu. Viele Kommunen verlangen zudem, dass private Investoren den Bau von Kitas und Straßen mitfinanzieren, was die Situation noch komplizierter macht. Lipka fordert finanzielle Anreize für die Kommunen zur Ausweisung neuer Bauflächen im Kommunalen Finanzausgleich. Das klingt nach einer notwendigen Maßnahme, um die Lage zu verbessern. Aber wird die Politik das auch hören?
Die Notwendigkeit schnellerer Genehmigungen wird immer drängender. Es gibt zwar Bestrebungen, durch den von der Bundesregierung eingeführten Bauturbo den Bauprozess zu beschleunigen, doch die Wirksamkeit bleibt unklar. Einige Gemeinden nutzen neue Instrumente, während andere skeptisch bleiben. Und Rebitzer? Er erkennt keine durchgehende Beschleunigung im Bauprozess. Es bleibt also spannend zu beobachten, ob und wann sich die Situation wirklich verbessert.