Kassels Traditionsgeschäft Samen Rohde schließt: Ein Abschied mit Blick auf die Zukunft
Heute ist der 10.06.2026 und die Kasseler Innenstadt steht vor einem Wandel: Das traditionsreiche Familienunternehmen Samen Rohde wird seine Filiale am Königsplatz schließen. Diese Entscheidung trifft viele Bürger ins Herz, denn nach 182 Jahren verlässt das Unternehmen, das 1844 von Johann Heinrich Rohde gegründet wurde, seine Wurzeln in der Stadt. Der Umzugsverkauf hat bereits begonnen, und die Rabatte klingen verlockend. Frank Rohde, der Chef in sechster Generation, wird jedoch nicht ganz aus Kassel verschwinden. Er plant, das Geschäft an einem neuen Standort in Fuldatal-Ihringshausen (Kreis Kassel) weiterzuführen.
Das neue Kapitel ist nicht ohne Herausforderungen. Der Fachkräftemangel hat das Unternehmen dazu gezwungen, den Standort aufzugeben. Von einst neun Mitarbeitern bleibt nur noch eine kleine Handvoll übrig: drei feste Angestellte und drei Aushilfen. Diese Entwicklung ist nicht allein auf Samen Rohde beschränkt, sondern spiegelt einen größeren Trend im Einzelhandel wider. Laut aktuellen Statistiken gab es im Jahresdurchschnitt 2024 über 100.000 offene Stellen, was einen Rückgang von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Besonders betroffen sind Spezialisten, deren Zahl um 18 Prozent gesunken ist. Das zeigt: Der Fachkräftemangel ist ein ernstes Problem, nicht nur für Rohde, sondern für die gesamte Branche.
Ein Unternehmen im Wandel
Frank Rohde zeigt sich optimistisch. Er sieht den Umzug als eine Weiterentwicklung des Unternehmens. In den letzten 182 Jahren hat sich Samen Rohde nie auf den Lorbeeren ausgeruht. Zwischen 1964 und 1991 war das Unternehmen sogar weltweit in der Produktion selbst gezüchteter Sämereien aktiv! Heute verkauft Rohde nicht nur Sämereien, sondern auch Weihnachtsleuchtsterne und Schlitten. Das Sortiment hat sich also gewaltig gewandelt – und die Kunden dürfen sich auf eine noch schnellere Lieferung freuen: Künftig wird die Ware am selben Tag der Bestellung ausgeliefert, auch wenn sie online bestellt wird. Es ist einfach beeindruckend, wie das Unternehmen sich an die modernen Gegebenheiten anpasst.
Alexander Wild, der Vorsitzende der City-Kaufleute, äußert Bedauern über die Schließung, hat aber auch Verständnis für die Entscheidung. Es ist ein Gefühl, das viele teilen. Die Kasseler Innenstadt verliert nicht nur einen Laden, sondern auch ein Stück Geschichte. Gespräche über einen neuen Mieter für das Geschäft, das seit so vielen Generationen der Familie Rohde gehört, sind bereits im Gange. Es bleibt spannend, wie sich der Königsplatz in den kommenden Monaten entwickeln wird.
Fachkräftemangel: Ein Branchenproblem
Die Situation ist nicht nur ein Problem für Samen Rohde, sondern eine Herausforderung für den gesamten Einzelhandel. Beschäftigung sank im Jahr 2024 um 1,5 Prozent, nachdem bis 2022 kontinuierliches Wachstum zu beobachten war. Und während die Zahl offener Stellen bei Fachkräften zurückgeht, zeigt sich ein gegenteiliger Trend bei Helferinnen und Helfern. Hier stieg sowohl die Zahl offener Stellen als auch die Beschäftigung. Das deutet darauf hin, dass Unternehmen gezwungen sind, vermehrt auf weniger qualifizierte Arbeitskräfte zurückzugreifen, um Engpässe zu überbrücken.
Ob und wie sich dieser rückläufige Trend fortsetzen wird, bleibt ungewiss. Für die Kasseler Kunden und die gesamte Region ist es jedoch ein Thema von großer Bedeutung. Die Schließung von Samen Rohde könnte als Weckruf dienen, sich intensiver mit den Herausforderungen des Fachkräftemangels auseinanderzusetzen. Es bleibt abzuwarten, welche Lösungen gefunden werden, um die Attraktivität des Einzelhandels zu steigern und die Menschen für die Branche zu gewinnen – denn das ist dringend nötig.
