Gestern, am Mittwoch, dem 27. September, ist in Rodgau ein Vorfall geschehen, der uns alle nachdenklich stimmen sollte. Kurz nach 14 Uhr, in einem Lebensmittelmarkt in der Hans-Sachs-Straße, wurde eine Seniorin Opfer eines dreisten Diebstahls. Zwei Gauner haben sich eine perfide Methode ausgedacht: Während einer der Täter die Dame in ein Gespräch verwickelte, nutzte der Komplize die Ablenkung, um den Geldbeutel aus der Handtasche im Einkaufswagen zu stehlen. Ein ganz normaler Einkauf, der in einem schrecklichen Erlebnis endete.
Die Rentnerin musste kurz nach dem Vorfall feststellen, dass unberechtigte Abbuchungen von ihrem Bankkonto vorgenommen wurden. Das lässt einen doch schaudern. Es ist erschreckend, wie leicht es Kriminellen gelingt, aus einer harmlosen Situation Kapital zu schlagen. Und als wäre das nicht genug, ruft die Polizei zu Zeugenaufrufen auf: Verdächtige Beobachtungen sollen an die Kripo Offenbach gemeldet werden. Die Telefonnummer lautet 069 8098-1234. Hoffentlich findet sich jemand, der etwas gesehen hat und helfen kann.
Ein Blick auf die Kriminalität im Alter
Gerontologen wie Stefan Pohlmann heben hervor, dass Kriminalität nicht altersabhängig ist. Tatsächlich können auch ältere Menschen straffällig werden oder bleiben. Das zeigt die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024, die ergab, dass über 200.000 Tatverdächtige über 60 Jahre alt waren. Tatsächlich gibt es unter den älteren Straftätern sowohl Ersttäter als auch eine hohe Rückfallquote. Es mag überraschen, aber in dieser Altersgruppe sind Diebstahl, Betrug und sogar Sachbeschädigung keine Seltenheit.
Einige von ihnen handeln aus Langeweile – ein Phänomen, das man als „Boreout“ kennt. Wenn die Tage sich ziehen und keine Herausforderungen bereitstehen, kann das zu unüberlegten Entscheidungen führen. Komischerweise sind Gewalttaten unter Gleichaltrigen seltener, doch wenn sie passieren, sind diese oftmals das Ergebnis von Überforderung, etwa bei der Pflege von Angehörigen. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Gesellschaft steht vor der Herausforderung, altersgerechte Strafvollzugsanstalten zu entwickeln, die den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht werden.
Die gesellschaftliche Verantwortung
Es gibt einen klaren Bedarf an mehr Wissen über Alterskriminalität im Rechtswesen. In der Zukunft werden wir wahrscheinlich mit einer wachsenden Zahl gesunder, aktiver älterer Menschen konfrontiert, die straffällig werden können. Wenn man bedenkt, dass der Anteil älterer Menschen in Sicherungsverwahrung bereits bei 30 Prozent liegt, wird die Debatte über ein spezifisches Altersstrafrecht immer wichtiger. Die Frage, ob Hausarrest oder elektronische Fußfesseln sinnvoller wären als eine Inhaftierung, sollte ernsthaft erwogen werden.
Wie sich zeigt, ist das Thema Alterskriminalität vielschichtig und erfordert ein Umdenken in der Gesellschaft. Die erschreckenden Vorfälle, wie der Diebstahl in Rodgau, sind nicht nur Einzelfälle, sondern Teil eines größeren gesellschaftlichen Problems. Lassen wir uns also nicht entmutigen, sondern bleiben wir wachsam und unterstützen wir unsere Mitmenschen, egal in welchem Alter sie sind. Schließlich kann jeder von uns irgendwann auf die Hilfe anderer angewiesen sein.