Die Stadtschule in Schlüchtern hat endlich ihre langen Jahre der Sanierung hinter sich. Nach acht Jahren Bauzeit sind die Arbeiten seit den Osterferien abgeschlossen. Schulleiter Andreas Leibold führte einst Gäste aus Südafrika durch die noch unsanierte Schule und machte deutlich, wie wichtig gute Gebäude für die Leistungen der Schüler sind. Ein gutes Lernumfeld kann wirklich den Unterschied ausmachen – da sind wir uns einig! Doch während es hier vorangeht, wirft der bauliche Zustand vieler Schulen in Hessen einen Schatten auf die Bildungspolitik.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat jüngst alarmierende Zahlen veröffentlicht. Ein Investitionsstau von mindestens sechs Milliarden Euro wird in Hessen geschätzt. Das ist eine Summe, die einem schwindelig werden kann. Kai Eicker-Wolf von der GEW hat die Haushalte der Schulträger unter die Lupe genommen und die Investitionen in Neubau, Unterhalt und Sanierung untersucht. Frankfurt und Marburg tragen etwa die Hälfte dieses Investitionsstaus, während Kassel mit jährlichen 331 Euro pro Schüler deutlich hinter dem Schnitt von 804 Euro liegt. Im Hochtaunuskreis werden hingegen stolze 1500 Euro pro Schüler investiert – da gibt es ein deutliches Ungleichgewicht. Katja Rininsland, die Vorsitzende des Stadtelternbeirats Frankfurt, spricht von strukturellem Versagen und einem eklatanten Mangel an Einrichtungen.

Die Situation in Hessen

Die GEW kritisiert die Landesregierung, die sich weigert, eine klare Übersicht über den Investitionsbedarf zu geben. Die realen Ausgaben für Schulen in Hessen sind zwar 2024 moderat gestiegen, aber viele Schulen sind nach wie vor marode. Ein besonders eindrückliches Beispiel ist die Astrid-Lindgren-Schule in Marburg, wo Teile der Decke einstürzten. Schockierend, oder? GEW-Vorsitzender Thilo Hartmann warnt, dass der tatsächliche Investitionsstau sogar höher sein könnte. Die Schätzung beruht auf Daten des Statistischen Landesamts, doch es gibt viele nicht erfasste Bauausgaben von ausgegliederten Unternehmen, die den Bedarf noch erhöhen könnten.

Die GEW fordert ein umfassendes Schulbauinvestitionsprogramm von der Landesregierung. Unterstützung erhält sie dabei vom Interessenverband hessischer Schulleitungen (IHS) und dem Stadtelternbeirat Frankfurt. Eine Idee, die im Raum steht: Kredite in Höhe von mindestens drei Milliarden Euro von der landeseigenen Förderbank WIBank für Sanierung und Neubau. Aber wird das ausreichend sein? Das Kultusministerium in Wiesbaden hebt hervor, dass die Schulträger – sprich, die kreisfreien Städte und Kreise – für den Schulbau verantwortlich sind. Sie erhalten zwar Unterstützung vom Land und Bund, aber die Mittel erscheinen oft unzureichend. Immerhin fließen 260 Millionen Euro vom Bund und 70 Millionen Euro vom Land für Ganztagsinfrastruktur – das klingt nach einem Anfang, doch wo bleibt der große Wurf?

Ein Blick über die Grenzen

Wenn wir uns die Situation in Deutschland im Vergleich zur EU ansehen, wird klar, dass Bildungsausgaben eine Investition in die Zukunft darstellen. 2023 wurden in den EU-Ländern insgesamt 806 Milliarden Euro für Bildung ausgegeben. Deutschland liegt mit 9,2 Prozent der öffentlichen Ausgaben etwas unter dem Durchschnitt. Die Exekutiv-Vizepräsidentin Roxana Mînzatu betont, dass mehr Investitionen in Bildung notwendig sind. Schließlich zeigt der Bericht „In Bildung investieren 2025“, dass die Ausgaben in der EU nach der COVID-19-Pandemie zwar gestiegen sind, aber nicht das Niveau von vor der Pandemie erreicht haben. Wenn mehr Menschen über ausreichende Grundkenntnisse verfügen, könnte das BIP der europäischen Länder bis 2030 um 8 bis 10 Prozent wachsen. Ein zusätzlicher Bildungsjahr kann das Einkommen um 7 Prozent steigern – das sollte uns doch zu denken geben!

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Die Herausforderung bleibt also, dass die nationalen Regierungen die Hauptverantwortung für die Bildungsfinanzierung tragen, während die EU-Finanzierung eine entscheidende Rolle spielt. Für 2021 bis 2027 sind rund 148 Milliarden Euro für Bildung und Kompetenzen über EU-Programme wie Erasmus+ vorgesehen. Außerdem stehen 75 Milliarden Euro für Investitionen im Rahmen der Fazilität für Konjunkturbelebung und Widerstandsfähigkeit zur Verfügung. Es wird Zeit, dass hier Prioritäten gesetzt werden!