In der Emser Straße in Wiesbaden tut sich gerade einiges. Hier werden Kanäle erneuert, und wie das nun mal bei Baustellen so ist, gibt es jede Menge zu beachten – vor allem die Absperrungen. Doch das scheint nicht bei allen durchzudringen. Immer wieder ignorieren Passanten, Rad- und E-Roller-Fahrer sowie Kinder die Warnhinweise und nutzen die Baustelle als Abkürzung. Das sorgt nicht nur für einen Schreckmoment, sondern birgt auch ernsthafte Gefahren. Denn die Sichtverhältnisse sind eingeschränkt, und immer wieder kommt es vor, dass Unbefugte in den toten Winkel der Baufahrzeuge geraten. Das ist nicht nur unklug, sondern kann fatale Folgen haben.
Die Stadt Wiesbaden hat die Bürger eindringlich aufgefordert, die Absperrungen zu respektieren. Baustellen sind schließlich keine Durchgangswege! Jedes Mal, wenn jemand die Absperrungen übergeht, wird der Bauablauf gestört, was zu Verzögerungen führt. Die Beschäftigten vor Ort sind dadurch höheren Belastungen ausgesetzt und tragen im schlimmsten Fall die Verantwortung für Unfälle, die durch solche Rücksichtslosigkeit verursacht werden. Eltern wird geraten, ihre Kinder für die Gefahren zu sensibilisieren – eine wichtige Botschaft, die nicht oft genug wiederholt werden kann.
Unfallstatistiken und Gefahren im Bauwesen
Schaut man sich die Zahlen an, wird einem schnell klar, dass Baustellen nicht nur eine lästige, sondern auch eine gefährliche Angelegenheit sind. In Deutschland ereignen sich jährlich über 700.000 Arbeitsunfälle, und das sind im Schnitt 830.000 pro Jahr in den letzten zehn Jahren. Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass 14 % aller Arbeitsunfälle auf Baustellen passieren. Das bedeutet, dass jeder siebte Unfall dort geschieht. Die Baubranche hat eine der höchsten Raten an tödlichen Arbeitsunfällen – mehr als dreimal so hoch wie in anderen Bereichen wie Verkehr oder Lagerwirtschaft.
Die häufigsten Unfallursachen sind dabei oft erschreckend banal: Kontakt mit Gegenständen, Aufprall auf Objekte und das Erfasstwerden durch bewegte Maschinen stehen ganz oben auf der Liste. Tödliche Unfälle geschehen häufig durch Abstürze – ein Fakt, der einem wirklich das Blut in den Adern gefrieren lässt. Im Schnitt sterben alle vier Tage Menschen auf Baustellen. Das sollte uns allen zu denken geben.
Sicherheit geht vor – Was kann getan werden?
Um Unfälle zu verhindern, sind technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen unerlässlich. Technische Sicherheitsvorkehrungen, wie sichere Arbeitsmittel, sind das A und O. Aber auch die Qualifizierung und Unterweisung des Personals, etwa im Umgang mit Erdbaumaschinen, sind von großer Bedeutung. Persönliche Schutzausrüstung (PSA) kann zwar nicht alle Unfälle verhindern, kann aber deren Folgen abmildern. Dazu zählen Schutzhelme, Sicherheitsschuhe und Warnkleidung, die die Sichtbarkeit erhöht.
Die gute Nachricht ist, dass es in den letzten Jahren einen Rückgang der Arbeitsunfälle in der Baubranche gab. Im Jahr 2024 beispielsweise sank die Zahl um 4,5 % auf insgesamt 91.813 Unfälle. Dennoch bleibt der Anstieg der tödlichen Arbeitsunfälle ein besorgniserregendes Thema, das nicht ignoriert werden darf. Die BG BAU setzt auf Unfalluntersuchungen und das Identifizieren von Risikofaktoren, um spezifische Schulungsangebote zu entwickeln. Das zeigt, dass es immer noch eine Menge an Anstrengungen braucht, um die Sicherheit auf Baustellen weiter zu verbessern.
In Wiesbaden wird uns einmal mehr vor Augen geführt, dass Sicherheit auf Baustellen nicht nur eine Pflicht, sondern eine gemeinsame Verantwortung ist. Jeder von uns kann dazu beitragen, indem wir die Absperrungen respektieren und uns der Gefahren bewusst sind. Denn letztlich geht es um mehr als nur um Bauarbeiten – es geht um die Gesundheit und das Leben aller, die in der Nähe dieser Baustellen unterwegs sind.