Hessen, das Land der Äpfel, Spargel und der herzhaften Wurst, hat sich aufgemacht, seine heimische Lebensmittelproduktion zu stärken. Landwirtschaftsminister Ingmar Jung von der CDU hat mit der Strategie „Hessen schmecken“ ein ambitioniertes Förderprogramm ins Leben gerufen, das nicht nur die regionale Erzeugung, sondern auch die Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmitteln in den Fokus rückt. In der zweiten Jahreshälfte sollen dafür satte 2,8 Millionen Euro bereitgestellt werden, und das ist erst der Anfang – für die kommenden Jahre sind jeweils über vier Millionen Euro eingeplant!
Der Grund für diesen frischen Wind in der hessischen Landwirtschaft ist der „Öko-Aktionsplan“ seiner Vorgängerin Priska Hinz von den Grünen, der nicht fortgeschrieben wird. Das Ziel? Klar und deutlich: Die regionale Wertschöpfung vom Acker bis auf den Teller stärken. Immerhin gibt es über 15.000 landwirtschaftliche Betriebe in Hessen, und rund 37.000 Menschen sind in der Lebensmittelverarbeitung und Ernährungsbranche beschäftigt. Das ist eine stattliche Zahl! Neben den rund 1200 Bäckereien und etwa 1000 Metzgereien wird auch der Konsum von internationalen Lebensmitteln kritisch betrachtet. Jung hebt hervor, dass nur etwa 40 Prozent des in Deutschland konsumierten Weines deutscher Wein ist – da gibt’s doch noch Luft nach oben!
Förderungen und Herausforderungen
Die Förderquote des neuen Programms liegt zwischen 45 und 70 Prozent und zielt darauf ab, Wochenmärkte, Markthallen und sogar Food-Start-Ups zu unterstützen. Das klingt nach einer tollen Chance für viele, die in der regionalen Lebensmittelproduktion tätig sind. Doch nicht alle sind begeistert. Der AfD-Abgeordnete Pascal Schleich hat Bedenken geäußert, dass ein Förderprogramm keinen Schlachthof ersetzt und nicht die Politik zur Entlastung der Betriebe ist, die dringend benötigt wird. In den letzten zehn Jahren hat Hessen etwa 10 Prozent seiner landwirtschaftlichen Betriebe verloren – das ist eine beunruhigende Entwicklung.
Kritik kommt auch von Hans-Jürgen Müller von den Grünen, der die Einstellung erfolgreicher Projekte zur regionalen Wertschöpfung bedauert. Er wirft Minister Jung vor, die Interessen großer Konzerne zu vertreten und den Landesbetrieb Landwirtschaft zu „kaputtsparen“. Wiebke Knell von der FDP geht noch einen Schritt weiter: Sie fordert strukturelle Maßnahmen, um die zentralen Probleme der Landwirtschaft anzugehen. Man fragt sich: Wo soll das alles hinführen?
Die globale Perspektive
Die Landwirtschaft hat nicht nur regional, sondern auch global eine zentrale Rolle inne. Sie versorgt Milliarden von Menschen mit Nahrung, Einkommen und Lebensunterhalt. Interessanterweise betreiben Kleinbäuerinnen und Kleinbauern 70 bis 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe weltweit. Doch oft verdienen sie zu wenig, um davon leben zu können – die Preise werden häufig außerhalb ihres Einflussbereichs verhandelt. Ein Teufelskreis!
Die Einbindung dieser Kleinproduzenten in globalisierte Agrarlieferketten ermöglicht internationalen Unternehmen Einfluss auf Bezahlung und Arbeitsbedingungen. Um ihre Situation zu verbessern, setzen viele Bäuerinnen und Bauern auf Produktionssteigerung und Qualitätsverbesserung. Hierbei benötigen sie Zugang zu Marktinformationen, Finanzdienstleistungen und Wissen über nachhaltige Anbaupraktiken. Unterstützung durch Organisationen, die ihre Interessen vertreten, ist ebenfalls von großer Bedeutung.
Politik und Wirtschaft haben ein gemeinsames Interesse daran, die Bedingungen für die Landwirtschaft zu verbessern und Agrarlieferketten nachhaltig zu gestalten. Enge Kooperationen könnten nicht nur den Kleinbauern eine bessere Zukunft bieten, sondern auch den Unternehmen langfristigen Zugang zu hochwertigen Rohstoffen sichern. So könnten alle Beteiligten von einer stärkeren regionalen Wertschöpfung profitieren – das wäre doch mal ein Ansatz, der für jeden etwas bringt!