Inmitten eines wachsenden Bewusstseins für Umwelt- und Ressourcenschutz gibt es in den USA und Europa einen markanten Stopp bei der Entwicklung neuer Rechenzentren. In Kalifornien etwa haben über 86 Prozent der Wähler in Monterey Park für ein Verbot solcher Einrichtungen gestimmt. Ein klares Zeichen, dass die Bürger die Auswirkungen dieser technisierten Welt nicht länger ignorieren wollen. Und das hat Folgen: Der Stadtrat kann keine neuen Projekte mehr genehmigen, was bereits dazu führte, dass ein Vorhaben in Wohngebietsnähe wieder zurückgezogen wurde.
In Coachella wurde ein geplanter Technologie-Campus auf fruchtbarem Agrarland nach heftigen Protesten ebenfalls gestoppt. Auch in Deutschland hat der US-Anbieter Edgeconnex die Planungen für ein Rechenzentrum in Maintal eingestellt, und zwar aufgrund von Bürgerprotesten gegen ein geplanter Gaskraftwerk. Das Kraftwerk hätte jährlich rund 633.000 Tonnen CO₂ ausgestoßen – eine Menge, die den meisten von uns die Luft zum Atmen nehmen würde. In Groß-Gerau, Hessen, scheiterte ein ähnliches Vorhaben bereits im Februar.
Ein europaweiter Trend
Der Bundesstaat New York hat ein einjähriges Moratorium für neue Rechenzentren beschlossen, das zumindest 24 Projekte betrifft. Und in Illinois kündigte Gouverneur JB Pritzker an, ab Juli 2026 neue Steueranreizvereinbarungen auszusetzen, nachdem eine Gesetzesvorlage für strengere Auflagen gescheitert ist. Man könnte meinen, das sind alarmierende Entwicklungen, aber die Realität ist komplexer. Ohio hat Steuerbefreiungen pausiert, weil die entgangenen Einnahmen für 2025 auf 1,5 Milliarden Dollar geschätzt werden.
In Europa sieht die Lage nicht anders aus. Die EU plant in den nächsten fünf Jahren den Bau neuer Rechenzentren mit einer Investition von satten 176 Milliarden Euro. Diese würden die Rechenzentrumskapazität bis zum Jahr 2031 verdreifachen. Allerdings gibt es auch hier Bedenken: Betreiber müssen Kennzahlen wie Energieeffizienz und Wasserverbrauch an die Europäische Kommission melden, doch die Details bleiben oft im Dunkeln. Lobbyarbeit, insbesondere von großen Akteuren wie Microsoft, hat dazu geführt, dass Informationen über einzelne Rechenzentren als vertraulich eingestuft wurden. Das ist ein bisschen so, als würde man einen Schleier über etwas werfen, das man lieber geheim hält.
Die Umwelt im Fokus
Experten warnen, dass die Geheimhaltung gegen Transparenzvorschriften der EU und die Aarhus-Konvention verstößt, die den Zugang zu Umweltinformationen regelt. Ursprünglich sollten Informationen über Energie- und Wasserverbrauch öffentlich zugänglich sein. Doch nun bleiben spezifische Daten im Verborgenen, während nur allgemeine Informationen für das ganze Land veröffentlicht werden. Es ist, als würde man einen tiefen Graben zwischen den Bürgern und den Daten ziehen, die sie eigentlich betreffen sollten.
Das Umweltbundesamt hat sich mit den Kennzahlen zur Energieeffizienz beschäftigt. Eine oft genutzte Kennzahl ist die Power Usage Effectiveness (PUE), die den gesamten Energieverbrauch eines Rechenzentrums in Relation zum Energieverbrauch der Informationstechnik setzt. Allerdings, und das ist entscheidend, wird dabei oft die hohe Energieaufnahme der IT ignoriert. In der Realität haben Server den größten Anteil an den Gesamtumweltbelastungen, und viele IT-Ressourcen sind oft ungenutzt – sprich, sie verschwenden Energie, ohne dass sie eine nennenswerte Rechenleistung erbringen.
Das ist alles andere als nachhaltig. Und während der Investitionsdruck in den USA hoch bleibt, mit 200 bis 400 großen Rechenzentren im Bau bis 2026, gibt es trotzdem eine wachsende Skepsis gegenüber solchen Projekten. Auch wenn Google sich ab Oktober 2026 Rechenkapazitäten bei SpaceX gesichert hat – die Debatte um Nachhaltigkeit und Verantwortung wird nicht so schnell enden. Die Frage bleibt: Wie gehen wir mit dieser digitalen Zukunft um, ohne die Umwelt aus den Augen zu verlieren?