Leben 2.0: Ein Weg aus der Trauer für verwaiste Eltern in Kelsterbach
Im Herzen von Kelsterbach, im Stadtteilzentrum Mandelhain, trifft sich seit 2018 eine ganz besondere Selbsthilfegruppe, die „Leben 2.0“ heißt. Diese Gruppe ist eine Anlaufstelle für verwaiste Eltern, die den unfassbaren Schmerz des Verlustes eines Kindes durchleben müssen. Gegründet von Arzu Dogan, die selbst in einer ähnlichen Situation war, bietet die Gruppe einen Raum, um die Trauer zu teilen und neuen Lebensmut zu finden. Die monatlichen Treffen sind seit zwei Jahren ein fester Bestandteil für viele, die sich gegenseitig unterstützen und über ihre Erfahrungen sprechen.
Claudia Walker, ein Mitglied dieser Gruppe, hat 2014 ihre Tochter Amber bei einem tragischen Unfall verloren. Auf der Suche nach Gleichgesinnten fand sie anfangs keine Trauergruppen in ihrer Nähe. Stattdessen stieß sie auf Facebook-Trauergruppen, die oft den Schmerz bewahren, ohne wirklich zu helfen. Doch dann traf sie auf Arzu Dogan – ihre Begegnung war geprägt von einem positiven Post in einer Facebook-Gruppe, der den Anstoß gab, aktiv zu werden. Dogan selbst hatte 2017 ihren Sohn verloren und war motiviert, eine Gemeinschaft zu schaffen, die den Blick nach vorn richtet.
Ein Ort des Austauschs und der Hoffnung
In den ersten Jahren traf sich die Gruppe in Frankfurt, bevor sie schließlich in den Gemeindesaal der Erlöserkirche in Oberrad umzogen. Dort wurde der Name in „Leben 2.0“ umbenannt, um den Fokus auf das Leben nach dem Verlust zu legen. Vor zwei Jahren fand das Treffen dann im Mandelhain statt, wo die Atmosphäre als positiv und einladend beschrieben wird. „Es gibt Platz für Materialien und Raum für Gefühle“, erzählt Walker. Die Treffen dauern zwischen zwei und drei Stunden und bieten die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen über Trauer zu sprechen.
Die Selbsthilfegruppe schließt somit eine Versorgungslücke für lebensbejahende Angebote. Unterstützung kommt auch von Andreas Brand, der sich um die Homepage der Gruppe kümmert. Vor dem ersten Besuch gibt es ein Aufnahmegespräch, um die individuelle Trauer und Stabilität der Teilnehmer einzuschätzen. „Reden hilft! Gerade wenn das Leid nahezu unaussprechlich ist“, so das Motto vieler in der Gruppe, wie Samira und Pedro, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
Gemeinsam stark in schweren Zeiten
Die Themen, die in Selbsthilfegruppen wie „Leben 2.0“ behandelt werden, sind vielfältig. Die Teilnehmer haben häufig traumatische Erlebnisse, den Verlust eines geliebten Menschen, sei es durch Tod oder Suizid, hinter sich. Solche seelischen Erschütterungen können den Alltag massiv beeinträchtigen. Daher sind Selbsthilfegruppen ein wichtiger Ort, um sich auszutauschen, Mitgefühl zu erfahren und Unterstützung zu finden. Man sagt, dass die Begegnung mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, oft eine große Erleichterung bringt.
Die Selbsthilfe-Kontaktstelle Frankfurt bietet zudem Beratung, Unterstützung und Informationen für Betroffene, Angehörige, Selbsthilfegruppen, Fachleute und die Medien. Als zentrale Anlaufstelle für Selbsthilfe in der Region ist sie ein wertvoller Partner für Gruppen wie „Leben 2.0“. Wer interessiert ist, kann die Gruppe auf ihrer Webseite www.lebenzweipunktnull.de näher kennenlernen. Die Telefonnummer der Selbsthilfe-Kontaktstelle lautet 0 69.55 94 44.
Das Zusammenspiel von Trauer und Hoffnung, von Schmerz und Lebensbejahung ist ein schmaler Grat. In Kelsterbach finden Eltern, die ihr Kind verloren haben, einen Ort, an dem sie nicht allein sind. Es ist der Mut, den eigenen Schmerz zu teilen und sich gemeinsam auf den Weg zu machen, der „Leben 2.0“ auszeichnet.
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