In Gießen, wo die Stadtluft manchmal noch nach frischem Beton riecht, wird zurzeit kräftig in der Karl-Keller-Straße gewerkelt. Glasfaserleitungen – ja, genau das, was uns eine blitzschnelle Internetverbindung verspricht – werden verlegt. Zuerst ist die Telekom am Zug, gefolgt von TNG Stadtnetz. Und wenn man so durch die Straßen flaniert, merkt man schnell: Diese Baustelle ist noch nicht ganz im Lot. Der Bürgersteig wartet noch auf sein Asphalt-Outfit. Ein wenig Geduld ist gefragt!
Das gesamte Karree zwischen Dürrerstraße/Waldbrunnenweg und Ludwig-Richter-Straße ist betroffen. Hier wird gegraben, geschaufelt und wieder zugeschüttet. Ein Bild des Chaos, könnte man sagen. Doch das hat nicht nur lokale Auswirkungen. In Deutschland gibt es keinen Gebietsschutz für Telekommunikationsnetze, was bedeutet, dass überall in der Stadt bauende Unternehmen mit ihren Baggern anrücken können. Anwohner haben die Qual der Wahl – zwischen verschiedenen Anbietern und ihren Glasfaserleitungen. Das klingt nach Freiheit, bringt aber auch so manche Verwirrung mit sich.
Die Stadt im Dialog
Die Stadt Gießen versucht, die Fäden in der Hand zu halten und führt Gespräche mit den Unternehmen, um den doppelten Tiefbau zu vermeiden. Ein ehrenwerter Versuch, könnte man meinen! Aber die Realität sieht oft anders aus. Trotz der Bemühungen setzt sich der Baufortschritt unverdrossen fort – rechtlich hat die Stadt keine Handhabe, um den doppelten Ausbau zu stoppen. Ein Dilemma, das nicht nur Gießen betrifft, sondern auch in anderen Städten Deutschlands zu beobachten ist. Man fragt sich: Warum läuft das nicht besser?
Um die Sache noch komplizierter zu machen, hat die Bundesnetzagentur einen Leitfaden erarbeitet, der Unternehmen an die Hand gibt, wie sie beim Ausbau von Infrastrukturen besser kooperieren können. Ein bisschen mehr Zusammenarbeit und weniger Konkurrenzkampf würden der Sache gut tun. Synergien heben – das klingt fast nach einem Zauberwort, oder? Dabei ist es doch so einfach, im selben Graben zu buddeln, statt sich gegenseitig die Straßen kaputtzumachen.
Öffentliche Förderung und Zukunftsperspektiven
Öffentliche Fördergelder sind eine weitere Facette im Spiel um den Breitbandausbau. Der Staat springt ein, wo es wirtschaftlich nicht tragbar ist. Doch auch hier gibt es Regeln: Geförderte Netze müssen zugangsoffen gestaltet sein, damit auch Dritte davon profitieren können. Das ist nicht nur fair, sondern sorgt auch für einen gesunden Wettbewerb – und wer möchte nicht das beste Internet für sein Geld? Seit dem 01.12.2021 ist der offene Netzzugang für Wettbewerber gesetzlich verankert. Ein Schritt in die richtige Richtung, der hoffen lässt.
Die Anfragen von Gemeinden bezüglich der Breitbandförderung landen regelmäßig bei der Bundesnetzagentur. Da wird tüchtig diskutiert und verhandelt. Und auch wenn es manchmal ein bisschen nach Bürokratie riecht, bleibt zu hoffen, dass die Weichen richtig gestellt werden. Die „Rahmenregelung zur Unterstützung des Aufbaus einer flächendeckenden NGA-Breitbandversorgung“ (NGA-RR) wurde am 15.06.2015 genehmigt und gilt bis Ende 2021. Man darf gespannt sein, wie die Zukunft des Internets in Gießen und anderswo aussieht.
Doch trotz aller Herausforderungen bleibt die Neugier, wie sich das alles entwickeln wird. Vielleicht wird die Karl-Keller-Straße bald zur digitalen Autobahn, auf der Daten rasen und die Bewohner von Gießen mit einem Lächeln durchs Netz surfen. Wer weiß? Vielleicht wird die nächste Baustelle schon heute geplant und der Bürgersteig erstrahlt bald in neuem Glanz.