In Gießen, wo das Leben in der Innenstadt in den letzten Jahren viele Gesichter gezeigt hat, ist die Lage momentan angespannt. Es gibt einen besorgniserregenden Anstieg von Gewaltkriminalität, der sowohl Polizei als auch Anwohner in Alarmbereitschaft versetzt. Ein Vorfall, der im Oktober für Aufsehen sorgte: Ein Mann eröffnete in einem Wettbüro das Feuer und verletzte zwei Männer. Auch Ostermontag war kein ruhiger Tag—Projektile durchschlugen die Scheibe eines Cafés nahe der Bahnhofstraße. Die Bürger fragen sich, was da bloß vor sich geht.

Im Mai wurden bei einem Streit auf dem Lindenplatz gleich zwei Männer von Kugeln getroffen. Und der Februar brachte einen Vorfall mit einer Schreckschusswaffe vor einem Einkaufszentrum mit sich. Die Ermittlungserfolge der Polizei, oft dank der Videoüberwachung, sind zwar erfreulich—insgesamt wurden seit Januar bereits 27 Straftaten in der Innenstadt aufgeklärt. Doch die Frage bleibt: Wie sicher fühlen sich die Gießener wirklich?

Neue Sicherheitsmaßnahmen im Fokus

Um dem steigenden Gefühl der Unsicherheit entgegenzuwirken, hat die Stadt Gießen neue Sicherheitsmaßnahmen geplant. Bürgermeister Alexander Wright stellte im Hauptausschuss den „Masterplan Kommunale Sicherheit“ vor. Geplant sind unter anderem Videoüberwachung, Körperkameras für die Stadtpolizei und eine erweiterte Waffenverbotszone. SPD-Fraktionsvorsitzender Christopher Nübel äußerte Bedenken zur Ausrüstung der Stadtpolizei; die Diskussion um Pfeffer-Pistolen statt Pfefferspray steht im Raum. Interessanterweise wird die Stadtpolizei nicht mit Schusswaffen oder Tasern ausgestattet, sondern setzt auf stichfeste Westen und besondere Halstücher gegen Messerangriffe.

Im Herbst wurden bereits sechs Messer bei Waffenkontrollen sichergestellt. Geplant ist, die Videoüberwachung auf weitere als „Angsträume“ wahrgenommene Orte auszudehnen. Mögliche Standorte sind der Kirchenplatz, der Lindenplatz und der Schmuddeltunnel. Die Überlegung, die Ordnungspolizei in Stadtpolizei umzubenennen, sorgt zudem für Diskussionen; die Unterschiede zur Landespolizei scheinen zu verschwimmen. Es bleibt spannend, wie die Bürger auf diese neuen Maßnahmen reagieren werden.

Positive Entwicklungen und Herausforderungen

Die Innenstadtoffensive, die im Februar 2024 als Teil des Sofortprogramms 11+1 der Hessischen Landesregierung ins Leben gerufen wurde, soll die Sicherheit in Gießen erhöhen. Innenminister Roman Poseck lobte bei seinem Besuch die Fortschritte vor Ort. Tatsächlich zeigt die Kriminalstatistik für Gießen eine positive Entwicklung—die Gesamtzahl der Straftaten ist um etwa 6 % gesunken, und die Straßenkriminalität hat zwischen 2024 und 2025 um 10,3 % abgenommen. Rückgänge bei Taschendiebstahl und gefährlicher Körperverletzung lassen hoffen.

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Doch trotz dieser Fortschritte gibt es Herausforderungen. Die Anzahl der Messerangriffe im öffentlichen Raum ist zwar gesunken, aber die Waffenverbotszonen in der Innenstadt, die seit November 2023 bestehen, sind für einige Täter offenbar kein Hindernis. Polizeipräsident Torsten Krückemeier hat die Bedeutung der Videoüberwachung betont; sie trägt nicht nur zur Aufklärung von Straftaten bei, sondern soll auch das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken. So wurde beispielsweise ein Täter am 11. Oktober 2025 beim Einsatz einer Schusswaffe durch eine Videoschutzanlage aufgezeichnet, was zur Festnahme führte.

Insgesamt bleibt die Situation in Gießen angespannt, aber die Stadt hat erkannt, dass Handlungsbedarf besteht. Mit einer verstärkten Polizeipräsenz und einer engeren Zusammenarbeit zwischen Polizei und Kommune soll das Sicherheitsgefühl der Bürger gestärkt werden. Ob die neuen Maßnahmen tatsächlich die erhoffte Wirkung zeigen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen müssen.