Am Gründonnerstag, dem 6. April 2026, wurde die Fuldaer Innenstadt zum Schauplatz einer außergewöhnlichen Kunstaktion. Unter dem Titel „Mahl ganz anders“ inszenierte ein kreatives Team von Darstellenden Leonardo da Vincis berühmtes „Letztes Abendmahl“. Organisiert vom Online-Portal evangelisch.de, hatte die Performance das Ziel, den Glauben auf originelle Weise in die Öffentlichkeit zu tragen. Es ist nicht das erste Mal, dass diese Aktion in einer deutschen Stadt stattfindet; seit 2011 tourt das wechselnde Ensemble durch verschiedene Städte und Fulda hatte in diesem Jahr die Ehre, die Darbietung zu empfangen.
Um 13 Uhr begann das Spektakel am Fuldaer Bahnhof und führte die Zuschauer über mehrere Stationen: Universitätsplatz, Buttermarkt, Karlstraße, Gemüsemarkt und Domplatz. An jedem dieser Orte wurde ein Tisch mit Stühlen aufgebaut – ein einladendes Setting, in dem die Darstellenden an einem „Mahl“ Platz nahmen. Die Emotionen stiegen, als die Jesus-Darstellerin die Worte sprach: „Einer von euch wird mich verraten.“ Ein Moment, der die Passanten in seinen Bann zog und zu einem eindrucksvollen Bild des „Letzten Abendmahls“ führte.
Ein Augenblick des Innehaltens
Die Zuschauer waren von der Performance berührt. Einige Menschen hatten sich gezielt in die Innenstadt begeben, um dieses außergewöhnliche Ereignis zu erleben. Passanten blieben stehen, filmten die Szenen oder schauten einfach nur neugierig zu. Die Darstellerin Emily, 20 Jahre alt, erklärte, dass die Aktion verdeutlichen soll, dass Kirche mehr ist als nur ein Gebäude – es geht um Begegnungen, um das Miteinander im Alltag. Schauspieler:innen und Zuschauer:innen fanden sich in einem gemeinsamen Raum, der Raum für Reflexion und Austausch bot.
Pastor Frank Muchlinsky äußerte im Vorfeld seine Hoffnungen auf einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Und tatsächlich, die Inszenierung war nicht nur emotional, sondern auch authentisch. Zuschauerin Tina beschrieb die Aufführung als sehr bewegend. Der zehnjährige Pontus bemerkte, dass die Darstellung das letzte Abendmahl für Unbekannte zugänglich macht – eine faszinierende Einsicht für einen so jungen Menschen! Das Social-Media-Team von evangelisch.de hielt den Tag mit Fotos und Videos fest, um die Eindrücke mit einem breiteren Publikum zu teilen.
Ein kreatives Glaubensbekenntnis
Die Aktion ist nicht nur ein Kunstprojekt, sondern auch Teil der Fastenaktion „7 Wochen ohne“, die von der Evangelischen Publizistik organisiert wird. Diese Initiative soll die Menschen dazu anregen, über ihren Glauben nachzudenken und ihn kreativ auszudrücken. Die Darstellenden empfanden die Aktion als besonders intensiv und hatten das Gefühl, dass sie etwas Bedeutendes in die Stadt brachten. Am Abend sollten sie dann auch an einem Gottesdienst mitwirken, was die Verbindung zwischen Kunst und Glauben weiter verstärkte.
In den Vorjahren fand die Aktion bereits in Städten wie Mainz, Osnabrück und Braunschweig statt. Die Darstellung des letzten Abendmahls wurde jedes Mal neu interpretiert, was die Vielfalt und Kreativität der Kunstszene widerspiegelt. Es ist beeindruckend zu sehen, wie solche Aktionen nicht nur Kunst, sondern auch Spiritualität und Gemeinschaft ins Spiel bringen. Diese Verknüpfung ist in der heutigen Zeit mehr denn je gefragt.
Die Frage, wie Kunst und Glaube sich gegenseitig beeinflussen können, ist nicht neu. In verschiedenen Fachliteraturen, wie „Gott in der modernen Kunst“ von Kurt-Peter Gertz oder „Gottes Bilder: Eine Geschichte der christlichen Kunst“ von Johann Hinrich Claussen, wird immer wieder auf die tiefere Verbindung zwischen Kunst und Spiritualität verwiesen. Durch solche Aktionen wie „Mahl ganz anders“ wird diese Verbindung greifbar und öffnet Türen zu neuen Dialogen.