Karfreitag im Bistum Fulda – das ist nicht nur ein Tag der Besinnung, sondern auch ein ganz besonderes Spektakel, das sich seit Jahrhunderten über die Dörfer zieht. Während die Kirchenglocken schweigen, übernehmen die Klapperkinder die Regie. Mit ihren selbstgebauten Lärminstrumenten aus Holz ziehen sie durch die Straßen, und das Geräusch ihrer Klappern erfüllt die Luft. Es ist fast wie ein Echo der Vergangenheit, das an den Tumult während der Gefangennahme Jesu erinnert. Und wer denkt da nicht an die Aufregung, die diese Tradition für die Kinder mit sich bringt?
In diesem Jahr, am Gründonnerstag, dem 6. April, läuten die Glocken zum letzten Mal, und die Klapperkinder stehen bereit, um die Stille zu brechen. Es ist immer wieder schön zu beobachten, wie Jungen und Mädchen mit viel Eifer und Begeisterung ihre Klappern schwingen. An drei festen Zeiten, um 6 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr, ertönt das Geräusch, das nicht nur die Dorfgemeinschaft zusammenbringt, sondern auch die Kinder dazu animiert, aktiv zu werden. Immerhin sind insgesamt 56 Kinder und Jugendliche in den verschiedenen Pfarrgemeinden involviert – eine richtige kleine Truppe, die mit viel Freude und einem Hauch von Aufregung durch die Dörfer zieht.
Ein Stück Handwerk und Tradition
Die Klappern selbst sind oft das Resultat gemeinsamer Bastelstunden. Kinder und Großeltern setzen sich zusammen, um diese besonderen Instrumente zu bauen. Früher war es üblich, dass die Klappern aus alten Brettern von Familienmitgliedern gefertigt wurden. Heutzutage sind es häufig Hobbyschreiner, die neue Klappern für zugezogene Familien anfertigen. So wird das Handwerk von Generation zu Generation weitergegeben – eine schöne Tradition, die nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird.
Am Karsamstag, dem 8. April, ist es dann so weit: Die Klapperkinder ziehen von Haus zu Haus und bitten um Spenden. Dabei gibt es nicht nur das Geplätscher der Klappern, sondern auch das fröhliche Lachen und die Aufregung, die in der Luft liegen. Ein bisschen wie ein kleiner Umzug! In vielen Gemeinden, darunter Hünfeld-Dammersbach, Grüsselbach und Großenlüder/Uffhausen, kommen die Kinder zusammen, um ihre Nachbarn zum Spenden zu animieren. Und was gibt es Besseres als ein paar Süßigkeiten oder kleine Geldgeschenke, die dann unter den Kindern aufgeteilt werden?
Ein Brauch mit tiefen Wurzeln
Die Tradition des Klapperns hat eine lange Geschichte. Sie lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen, was sie zu einem wertvollen Teil des kulturellen Erbes im Bistum Fulda macht. In vielen katholischen Gemeinden in Deutschland wird dieser Brauch in der Karwoche gepflegt, und auch in anderen Regionen, wie der Eifel, sind Klappern weit verbreitet. Sie ersetzen die Kirchenglocken und Schellen an Ostern. Ein spannendes Detail: Laut Volksmund fliegen die Glocken nach Rom, um eine Beichte abzulegen, während die Klappern das Geräusch der Stille durchbrechen.
Wenn die Klapperkinder durch die Straßen ziehen, erinnern sie auch an das Angelus-Gebet, das oft mit dem Klappern verbunden ist. Das Gebet, das an die Botschaft des Erzengels Gabriel an Maria erinnert, wird in einigen Gemeinden zusammen mit dem Klappern gebetet. Dabei wird nicht nur die Stille durchbrochen, sondern auch die Gemeinschaft gestärkt. Und so ziehen die Klapperkinder unermüdlich durch die Dörfer, ein fröhliches Bild, das die Herzen der Menschen berührt.