Heute ist der 18.05.2026 und in Frankfurt am Main ist das Städel Museum mit einer ganz besonderen Ausstellung aufgewacht. „Stillleben mit Gemüse“ – der Titel dieser Schau, die von den dänischen Künstlern Michael Elmgreen und Ingar Dragset kuratiert wurde, lässt den Betrachter schmunzeln. Doch hinter dieser scheinbar harmlosen Bezeichnung verbirgt sich eine tiefere Auseinandersetzung mit der menschlichen Einsamkeit und der fortschreitenden Digitalisierung. Die beiden Künstler, die seit 1995 zusammenarbeiten und in Berlin leben, haben sich für die Installation intensiv mit dem Raum auseinandergesetzt und mehrere Besuche im Museum absolviert, um ihre Werke ortsspezifisch zu platzieren. Besonders hervorzuheben ist, dass sie nicht nur neue Installationen geschaffen haben, sondern auch ein älteres Werk speziell für Frankfurt angepasst haben.

Das Städel Museum, das über eine Sammlung von mehr als 700 Jahren Kunstgeschichte verfügt, wird durch die Installationen von Elmgreen und Dragset spürbar umgestaltet. Diese Veränderungen sind nicht nur kosmetischer Natur, sie wollen die Besucher in einen Dialog mit der Kunst und untereinander bringen. Dragset erinnert sich lebhaft an frühere Arbeiten im alten Portikus in Frankfurt, der 2003 geschlossen wurde, und beschreibt ihre Kunst als einen „freundlichen Virus“, der die Räume des Museums in einen lebendigen Ort verwandelt.

Ein Dialog der Sinne

Mit dem Ziel, analoge Begegnungen zu fördern, schaffen die Künstler eine Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt. Elmgreen und Dragset sind Meister der Inszenierung; ihre Werke machen die Besucher zu Schauspielern im eigenen Kunstwerk. Nach der Eröffnung beobachten sie gespannt, wie Menschen mit den Installationen interagieren und welche Geschichten sich daraus entwickeln. Die Kunst ist so gestaltet, dass sie Ungewissheit hervorruft und gegen schnelle Wahrheiten arbeitet.

Besonders spannend ist, dass Elmgreen und Dragset seit 30 Jahren einen kontinuierlichen Dialog führen – sie haben keine festen Rollen, sondern wechseln sich ab und arbeiten im Team. Ihre Ideen sind stets in der Alltagswelt verankert und enthalten kunsthistorische Anspielungen, die den Betrachter zum Nachdenken anregen. Ein weiteres bemerkenswertes Werk der beiden Künstler ist das berühmte „Prada Marfa“ aus dem Jahr 2005, eine maßstabsgetreue Nachbildung einer Prada-Boutique in der texanischen Wüste, die längst zum Mythos geworden ist.

Ein Blick über die Grenzen

Die Ausstellung „Stillleben mit Gemüse“ im Städel Museum ist nicht nur ein lokales Ereignis, sondern Teil einer größeren globalen Präsenz der Künstler. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzelausstellungen international gezeigt, unter anderem im Musée d’Orsay in Paris (2024/25) und im Centre Pompidou-Metz (2023/24). Elmgreen und Dragset haben auch die 15. Istanbul Biennale 2017 kuratiert und sind bekannt für ihre Werke im öffentlichen Raum, die oft zum Nachdenken anregen. Ein weiteres Beispiel ist „Van Gogh’s Ear“ aus dem Jahr 2016.

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Im Jahr 2008 erhielten sie den Auftrag für ein Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, das im Tiergarten in Berlin eingeweiht wurde. Ihre Kunst hat nicht nur ästhetische, sondern auch gesellschaftliche Relevanz. Für ihre Verdienste wurden sie unter anderem mit dem Robert-Jacobsen-Preis der Würth-Stiftung (2021) ausgezeichnet.

Die Ausstellung „Stillleben mit Gemüse“ läuft vom 20. Mai bis 17. Januar 2027 im Städel Museum, und es bleibt spannend zu beobachten, wie die Besucher auf die kreativen Interventionen von Elmgreen und Dragset reagieren. Ein Ort des Dialogs, der Veränderung und der Begegnung – das Städel Museum wird in den kommenden Jahren sicherlich viele Geschichten erzählen.