Die Platensiedlung in Ginnheim, Frankfurt am Main, hat sich in den letzten Jahren zu einem Paradebeispiel für innovative Stadtentwicklung und Nachverdichtung entwickelt. Architekt Stefan Forster, der seit 1989 mit seinem Büro in Darmstadt tätig ist, hat mit seinem Team in dieser Siedlung ein beeindruckendes Projekt realisiert, das nicht nur mehr Wohnraum schafft, sondern auch die Lebensqualität der Bewohner verbessert. Im Interview äußert Forster, dass die Platensiedlung mit 681 neuen Wohnungen, die durch Aufstockungen und Neubauten entstanden sind, als eines der größten Nachverdichtungsprojekte in Deutschland gilt.

Der Umbau begann vor zehn Jahren, und Forster musste sich durch zahlreiche politische Schwankungen kämpfen – drei Stadtregierungen, drei Planungsdezernenten und zwei Oberbürgermeister haben den Prozess geprägt. Ursprünglich war eine größere Anzahl an Wohnungen geplant, doch politische Einflüsse führten zu einer Reduzierung. Trotz der Herausforderungen und des Widerstands der SPD, die die Bestandsbewohner schützen wollte, zeigt sich, dass die Zufriedenheit der Anwohner durch die Neugestaltung der Siedlung gestiegen ist. Die neuen, begrünten Höfe, Gärten für die Erdgeschosswohnungen und die neu gestalteten Hauseingänge tragen zur höheren Wohnqualität bei. Es gibt kaum Fluktuation unter den Bewohnern, was auf ein positives Lebensgefühl hindeutet.

Herausforderungen und Lösungen

Die Diskussion über Parkplätze hat den Umbau zusätzlich erschwert. Während das Stadtplanungsamt bemüht war, bestehende Parkplätze zu schützen, wurde die Idee einer Quartiersgarage abgelehnt. Stattdessen wurden kleine, halbgeschossige Parkhäuser gebaut, die jedoch wenig genutzt werden. Forster kritisiert den Zustand der Siedlung, der durch wildes Parken und Sperrmüll geprägt ist. Dennoch wird das Projekt für seine innovative Herangehensweise gelobt und gilt als bundesweit wegweisend, sowohl in Dimension als auch in der Typologie.

Besonders bemerkenswert ist, dass die Platensiedlung nicht nur neuen Wohnraum geschaffen hat, sondern auch durch Aufstockungen mit Holzmodulen und Anbauten neue räumliche Qualitäten erzeugt wurden. Diese Maßnahmen unterstützen das Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ohne neuen Flächenverbrauch zu verursachen. Die Hälfte der neuen Wohnungen ist im geförderten Wohnungsbau angesiedelt, und 177 dieser Wohnungen sind speziell für Studierende gedacht.

Einblick in die Zukunft der Stadtentwicklung

Der Umbau der Platensiedlung wird nicht nur als Vorbild für Nachverdichtung in anderen Städten genannt, sondern auch in verschiedenen Medienberichten als Beispiel für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum hervorgehoben. Das Projekt hat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten, darunter den polis Award 2022 und den Deutschen Wohnungsbau 2020. In der Fachliteratur wird das Thema Nachverdichtung immer relevanter, und das Fachbuch „Aufstocken – Verdichten – Umnutzen“ bietet Ansätze zur Weiterentwicklung urbaner Strukturen.

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Im Rahmen des Projekts „Dialogues for Urban Change“, das vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) in Zusammenarbeit mit dem Department of Housing and Urban Development (HUD) der USA durchgeführt wird, wird der bilaterale Austausch zwischen Städten wie Frankfurt und amerikanischen Metropolen gefördert. Ziel ist es, innovative Stadtentwicklungsprojekte zu unterstützen und aktuelle Herausforderungen bei der Nachverdichtung zu analysieren.

Stefan Forster sieht ein großes Potenzial für weitere Nachverdichtungen in Frankfurt und kritisiert, dass die Stadt im Vergleich zu anderen Städten architektonisch hinterherhinkt. Er plädiert für mehr Dichte in der Stadt, um den Pendelverkehr zu reduzieren und ökologisch sinnvoll zu handeln. Viele Stimmen im Stadtentwicklungsdiskurs stimmen ihm zu und sehen in der Kombination aus Nachverdichtung und Nutzungsmischung einen wichtigen Schlüssel zur Lösung der Wohnungsproblematik in urbanen Räumen.