Heute ist der 12.06.2026 und in Hessen wird ein ganz besonderes Ereignis gefeiert. Die preisgekrönte Autorin Ivna Žic erhält den Wortmeldungen-Literaturpreis 2026 für ihren eindringlichen Essay „Die Unversehrten“. In diesem Werk, das sich mit Long Covid auseinandersetzt, thematisiert sie nicht nur ihre eigene Erfahrung, sondern auch die gesellschaftlichen Erwartungen an Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland kämpfen mit Long oder Post Covid, und Žic gelingt es, die Verletzlichkeit des Körpers und die Herausforderungen einer neoliberalen Gesundheitspolitik auf beeindruckende Weise zu verknüpfen.

Was macht ihren Essay so besonders? Žic beschreibt in ihrem Text nicht nur die Symptome von Long Covid – extreme Belastungsintoleranz und eingeschränkte Alltagsaktivitäten – sondern auch die innere Bewegung, die sie in der Abwesenheit äußerer Reisen erlebt. Diese Reflexion über ihre Zeit in den USA, über Begegnungen mit Menschen, die eine ganz andere Sichtweise auf Verletzlichkeit und Gesundheit haben, bringt eine zusätzliche Dimension in ihre Erzählung. Die Jury, bestehend aus namhaften Persönlichkeiten wie Alice Hasters und Christoph Steier, hat diese Verknüpfungen besonders gewürdigt. Dass sie die Unsicherheit des Körpers und die biographischen Erfahrungen in einem größeren gesellschaftlichen Kontext betrachtet, macht ihren Essay zu einem wichtigen Beitrag in der aktuellen Diskussion um Gesundheit und Krankheit.

Eine besondere Auszeichnung

Am Freitag wird Žic die Auszeichnung, die mit 35.000 Euro dotiert ist, im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in Frankfurt erhalten. Der Wortmeldungen-Literaturpreis wird seit 2018 von der Crespo Foundation verliehen und zeichnet literarische Texte zu gesellschaftspolitischen Themen aus. Die Jury lobte insbesondere die musikalische und nüchterne Beschreibung von Krankheit in Žics Werk und hob hervor, wie sie biographisches Material mit der bürgerlichen Erfahrungserwartung verknüpft. Der Essay behandelt auch die Themen der fehlenden Gesundheitsversorgung und Migration – Aspekte, die in der heutigen Zeit mehr denn je von Bedeutung sind.

Ivna Žic, geboren 1986 in Zagreb, lebt mittlerweile als freie Schriftstellerin und Theaterregisseurin in Wien und Zürich. Ihr Debütroman „Die Nachkommende“ wurde bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der Anna-Seghers-Preis 2020. Sie arbeitet derzeit an einem neuen Roman, der an die Themen ihres Essays anschließen wird. Ihr Essay wird im Juni 2026 im Verbrecher Verlag veröffentlicht und kann bereits auf der Webseite von Wortmeldungen gelesen werden.

Ein Blick in die Zukunft

Die Auseinandersetzung mit Long Covid ist wichtiger denn je. Die gesellschaftlichen Herausforderungen, die mit der Erkrankung einhergehen, werden durch Žics persönliche Erfahrungen greifbar. Sie berichtet zwar, dass es ihr besser geht als der Figur in ihrem Text, doch bleibt ihr Leben nach der Erkrankung verändert. Diese Reflexion über die eigene Verletzlichkeit und die gesellschaftlichen Erwartungen an Unversehrtheit ist nicht nur für die Betroffenen von Bedeutung, sondern wirft auch grundlegende Fragen über unsere Gesundheitspolitik auf. Wie viel Raum geben wir der Verletzlichkeit in unserer Gesellschaft? Und wie gehen wir mit den unterschiedlichen Erfahrungen von Krankheit um? Diese Fragen wird Žic sicherlich auch in ihrem neuen Roman weiterverfolgen – und wir dürfen gespannt sein, welche Geschichten sie uns noch erzählen wird.

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