Ein neuer Glanzpunkt in Darmstadt! Vor kurzem hat das Industriemuseum seine Türen geöffnet, und es ist viel mehr als nur ein Ort, an dem alte Maschinen rostig in der Ecke stehen. Entstanden aus einer privaten Sammlung, die Marjam Schellhaas, eine Kieferorthopädin mit einer Leidenschaft für die Industriegeschichte, seit 2017 zusammengetragen hat, hat dieses Museum das Ziel, die oft vergessene Industriegeschichte der Stadt sichtbar zu machen. Über 800 Exponate erzählen Geschichten von Schokoladenfabriken, Maschinenbau und der Automobilproduktion. Und das alles im historischen Johannesviertel, der Wiege der Darmstädter Industrie!
Ein Besuch hier verspricht nicht nur trockene Fakten. Interaktive Mitmachstationen laden dazu ein, selbst Hand anzulegen – sei es an historischen Schreibmaschinen oder Mikroskopen. Und nicht zu vergessen die vier Kurzfilme, die Einblicke in das Leben von Industriepionieren geben. Besonders spannend ist die Entdeckung wichtiger Erfindungen, die ihren Ursprung in Darmstadt haben, wie etwa Plexiglas, die Stirnleuchte und die Kleng-Anstalten für Baumsamen. Was für ein Erbe!
Die Wurzeln der Industrie
Die Geschichte geht weit zurück. Nehmen wir Heinrich Blumenthal, geboren 1824. Dieser Mann war nicht nur ein Maschinenbaufabrikant, sondern auch ein Bauunternehmer, der die elterliche Werkstatt in eine Maschinenfabrik verwandelte. Er war ein Pionier, der bereits in den 1850er Jahren eine Dampfmaschine einsetzte – in Darmstadt einer der ersten! Mit seiner Firma baute er landwirtschaftliche Geräte und trug maßgeblich zur industriellen Entwicklung der Stadt bei. Blumenthal war auch politisch aktiv und setzte sich für die Stadtentwicklung ein. Er hat es sogar geschafft, ein ganzes Viertel zu erschließen! Das Blumenthal-Viertel, benannt nach ihm, erzählt von der Dynamik dieser Zeit.
Darmstadt, oft als Residenzstadt des Großherzogtums Hessen-Darmstadt bekannt, hat sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Industriestandort entwickelt. Der Zuzug von Arbeitskräften veränderte das Stadtbild dramatisch. Neue Wohnviertel entstanden, vor allem für wohlhabendere Bürger, während in den Arbeitergebieten soziale Herausforderungen zunahmen. Die Technische Hochschule Darmstadt, die als international anerkannt gilt, hat ebenfalls dazu beigetragen, dass die Stadt heute einen hervorragenden Ruf in der Technik und Industrie genießt.
Ein Ort der Begegnung
Das Industriemuseum ist nicht nur ein Schaufenster für die Vergangenheit, sondern auch ein Ort der Begegnung und des Lernens. Mit dem Ziel, junge Menschen für Technik zu begeistern, wird die Schule aktiv eingebunden. Jeden ersten und dritten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei, eine tolle Gelegenheit, um in die spannende Welt der Industriegeschichte einzutauchen. Und die Finanzierung? Die kommt durch ehrenamtliches Engagement, private Mittel und Sponsoren wie Merck, Entega und die Sparkasse. Ein wahres Gemeinschaftsprojekt!
In diesem Kontext ist das Museum ein lebendiger Teil der Stadt und der Geschichte, die hier erzählt wird. Die Darmstädter Geschichtswerkstatt hat in diesem Zusammenhang bedeutende Projekte zur Industriegeschichte erarbeitet und somit das Bewusstsein für die Entwicklung der Stadt geschärft. Ein Rundgang durch die Industriegeschichte zeigt die Höhen und Tiefen des Lebens in dieser Stadt, in der Fortschritt und Tradition Hand in Hand gehen.
Wie die Straßen und Gebäude um uns herum, so sind auch die Geschichten, die sie erzählen, Teil unseres kollektiven Gedächtnisses. Ein Besuch im neuen Industriemuseum ist nicht nur lehrreich, sondern auch eine Reise durch die Zeit, die zeigt, wie die Vergangenheit die Gegenwart prägt. Und das alles mitten im Herzen von Darmstadt!