Heute ist der 29.04.2026 und in der beschaulichen Stadt Pfungstadt in Hessen bahnt sich eine traurige, aber notwendige Veränderung an. Die alte Ulme „Reest“, die über 450 Jahre alt ist und bis vor Kurzem ein beliebtes Ausflugsziel war, muss gefällt werden. Grund dafür ist der Bau der neuen ICE-Trasse zwischen Frankfurt und Mannheim. Diese Entscheidung hat nicht nur den Baum, sondern auch die Herzen der Anwohner berührt.
Die Ulme, die so viele historische Ereignisse überstanden hat – Kriege, Rodungen und einen Brand –, ist nun in einem bedauerlichen Zustand. Im Sommer 2025 brach der Stamm entzwei, und die Deutsche Bahn hat mitgeteilt, dass ein Rettungsversuch durch Umpflanzen nicht möglich ist. Der Grund: Fäulnis im Wurzelbereich macht eine Verpflanzung unmöglich. Während die genaue Fällung der Ulme noch unklar ist, ist der Zeitplan für die Inbetriebnahme der neuen Bahnstrecke nach 2030 festgelegt.
Ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft
Doch es gibt auch Lichtblicke in dieser düsteren Situation. Die Deutsche Bahn hat Stecklinge der Ulme gewonnen, die nun großgezogen werden. Einige dieser Jungpflanzen sollen im Herbst in der freien Wildbahn überleben und im Pfungstädter Raum nachgepflanzt werden. Es bleibt zu hoffen, dass diese Nachkommen der alten Ulme eines Tages wieder zum Wahrzeichen der Stadt werden können.
Der Spitzname „Reest“ könnte vom Begriff „Rüster“ abgeleitet sein, der das Holz der Ulme bezeichnet. Diese kleine sprachliche Anekdote erinnert uns an die lange Geschichte des Baumes und an die tiefe Verwurzelung in der Kultur und Geschichte von Pfungstadt.
Widerstand gegen die ICE-Trasse
Die Stadt Pfungstadt und der ICE-Sonderbeauftragte Harald Polster setzen sich für maximalen Lärmschutz und Verträglichkeit mit der Landschaft ein. Der ICE-Sonderausschuss, der 2008 durch die Stadtverordnetenversammlung gegründet wurde, wird aktiv, wenn neue Planungen der Deutschen Bahn die Pfungstädter Gemarkung betreffen. Ein erster Erfolg wurde am 1. Juli 2020 erzielt, als die Deutsche Bahn die Planvariante, die eine Querung südlich von Pfungstadt vorsah, nicht weiterverfolgte.
Die genaue Führung der ICE-Neubautrasse an Pfungstadt ist derzeit noch unklar. Varianten entlang der Autobahnen A67 und A5 werden geprüft, und die SPD-Fraktion wird das Thema weiterhin beobachten und sich für den Lärmschutz einsetzen. Die Anwohner hoffen, dass ihre Stimme Gehör findet und die Auswirkungen auf die Natur und das Stadtbild minimiert werden können.
Die alte Ulme mag zwar weichen müssen, doch ihre Geschichte und ihre Nachkommen werden weiterhin Teil der Pfungstädter Identität bleiben. Die Herausforderungen, die mit der neuen ICE-Trasse einhergehen, könnten auch Chancen für eine nachhaltige und umweltbewusste Entwicklung bieten.