Heute ist der 21.05.2026 und die Stadt Bremerhaven begrüßt ein ganz besonderes Ereignis: Das Forschungsschiff Polarstern ist nach 183 Tagen in der Antarktis zurückgekehrt. Am 15. Mai legte es im Hafen an, begleitet von der Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und AWI-Direktor Hajo Eicken. Die Rückkehr sorgt nicht nur für Aufregung, sondern bringt auch eine Fülle an neuen Erkenntnissen mit sich, die die Wissenschaftler der nächsten Monate in ihren Labors und Büros aufbereiten werden.
Mit im Gepäck sind wichtige Daten über den alarmierenden Rückgang des antarktischen Meereises sowie Erkenntnisse zu den Ökosystemen im Weddellmeer. Besonders spannend: Während der Expedition wurde eine unkartierte Insel entdeckt, die nun auf Seekarten verzeichnet werden soll. Die kleine Landmasse misst etwa 130 Meter in der Länge und 50 Meter in der Breite – nicht gerade riesig, aber sie ragt immerhin 16 Meter aus dem Wasser. Wer hätte gedacht, dass in diesen unendlichen Weiten der Antarktis noch unentdeckte Geheimnisse schlummern?
Meereis und seine Geheimnisse
Ein zentrales Thema der Expedition war der Rückgang des antarktischen Meereises. Die Wissenschaftler haben untersucht, wie dieser Rückgang nicht nur das lokale Ökosystem, sondern auch das globale Klima beeinflusst. Denn das Meereis spielt eine entscheidende Rolle, wenn es um Wärme, Strömungen und die Wechselwirkungen zwischen Ozean und Atmosphäre geht. In den letzten Jahren hat sich die Situation dramatisch verändert: Das Meereis, das lange als stabil galt, zeigt seit 2017 im nordwestlichen Weddellmeer einen Rückgang der sommerlichen Ausdehnung. Vermutlich ist das wärmeres Oberflächenwasser daran schuld.
Erstaunlicherweise berichten die Forscher von einer regionalen Variabilität bei der Eisdicke. Während das Eis auf dem westlichen, flachen Kontinentalschelf bis zu vier Meter dick ist und stark deformiert, ist das Eis östlich der Ronne- und Filchner-Schelfeisen weniger deformiert und hat Dicken von nur eineinhalb Metern. Außerdem haben sie entdeckt, dass viele Eisflächen fast schneefrei waren, mit bläulichen oder gräulichen Oberflächen – die Auswirkungen von Schneebedeckung und den oberen Eisschichten sind enorm.
Die Wissenschaft hinter den Kulissen
Das Bathymetrieteam hat eng mit anderen Forschungsgruppen an Bord zusammengearbeitet, insbesondere mit denen der physikalischen Ozeanographie. Gemeinsam verfolgten sie die Wassermassen entlang mehrerer Schnitte von der Tiefsee auf den Kontinentalschelf. Die Forschung hat bereits wichtige Erkenntnisse zum Rückgang des antarktischen Tiefenwassers geliefert, die auf Langzeitdatenerfassungen seit 2002 basieren. Diese Daten sind nicht nur für die Wissenschaft von Bedeutung, sondern auch für das Verständnis globaler Meeresströmungen und den Einfluss auf das Schmelzen des Meereises.
Neuartige Messungen unter dem Eis haben zudem größere Mengen süßen Schmelzwassers zutage gefördert. Dieses süße Wasser hat nicht nur einen Einfluss auf die biologische Besiedelung, sondern auch auf die Wechselwirkungen mit dem Meerwasser. Süßwasserlinsen halten die Wärme vom Meereis fern – ein kleines, aber feines Detail, das die Ökosysteme in dieser extremen Region beeinflusst. In den kommenden Monaten werden die Wissenschaftler die Proben und Daten weiter analysieren, um den Beitrag der im und unter dem Meereis lebenden Organismen zum Kohlenstoffkreislauf im Südlichen Ozean zu erforschen.
Die Polarstern hat in ihrer über 43-jährigen Laufbahn mehr als 150 Expeditionen durchgeführt und fast zwei Millionen Seemeilen zurückgelegt. Doch die Reise ist noch nicht zu Ende: Ein Nachfolgeschiff, die Polarstern II, soll 2030 in Dienst gestellt werden. So bleibt Bremerhaven ein Zentrum internationaler Polar- und Meeresforschung und die Rückkehr der Polarstern ein bedeutendes Ereignis für die Wissenschaft und die Stadt.
Wer mehr über die Expedition erfahren möchte, kann die Polarstern-App nutzen, in der zahlreiche Berichte zur Verfügung stehen. Zudem beantworten Prof. Dr. Stefanie Arndt und Dr. Sandra Tippenhauer Fragen von Kindern in einem Blog – eine tolle Möglichkeit, auch die jüngere Generation für die Wunder der Antarktis zu begeistern!