Heute ist der 27.05.2026, und wir blicken auf eine bemerkenswerte Geschichte aus Thiersheim im Fichtelgebirge. Hier hat sich die 38-jährige Franziska Heinl als Steinmetzin selbstständig gemacht. Ein Beruf, der den meisten von uns wohl eher mit dem Gedanken an ruhige Friedhöfe und Grabsteine verbunden ist. Doch das Handwerk hat so viel mehr zu bieten – und genau das versucht Franziska den Menschen näherzubringen. Leider bleibt der Weg nicht immer leicht. Sie sieht sich nicht nur mit den Herausforderungen des Handwerks konfrontiert, sondern auch mit Vorurteilen, die sich oft um die Rolle von Frauen in diesem Bereich drehen.
Wenn man sie im Supermarkt trifft, sind die Reaktionen häufig alles andere als ermutigend: negative Blicke, murmeliges Getuschel und Kommentare wie „dreckige Bauarbeiterin“ kommen ihr oft entgegen. Diese Verhaltensweisen zeugen von einer gewissen Unkenntnis über den Beruf des Steinmetzen. Viele denken, dass es sich hierbei lediglich um eine Tätigkeit handelt, die sich auf Friedhöfe beschränkt, ohne die kreativen und handwerklichen Fähigkeiten zu würdigen, die Franziska in ihre Arbeit einfließen lässt. Die körperlichen Anforderungen, die an diesen Beruf geknüpft sind, führen zudem dazu, dass einige sich fragen, warum gerade eine Frau diesen Weg gewählt hat.
Ein Aufbruch im Handwerk
Doch Franziska ist nicht allein. Immer mehr Frauen wagen den Schritt in männerdominierte Berufsfelder. Der Frauenanteil im Handwerk steigt kontinuierlich und hat inzwischen die 30%-Marke überschritten. Besonders beeindruckend ist, dass ein Sechstel der Meisterprüfungen von Frauen abgelegt wird, und jeder vierte Betrieb von Frauen geführt wird. Das zeigt, dass sich da etwas bewegt! Frauen wie Katja Lilu Melder, die mehrere Handwerksmeistertitel trägt und Chefin eines Unternehmens für Schadstoffsanierung ist, brechen mit den Klischees und zeigen, dass sie durchaus in der Lage sind, körperlich anspruchsvolle Berufe zu meistern.
Julia Schäfer, eine Maurer- und Betonbaumeisterin, hat sogar 1,1 Millionen Follower auf Instagram. Sie nutzt die Plattform, um den technischen Fortschritt im Bauwesen zu propagieren und verkauft sogar Merchandise-Kleidung. Sandra Hunke, die als Anlagenmechanikerin tätig ist, hat ein Buch veröffentlicht, das die Spiegel-Bestsellerliste erreicht hat – und das alles, während sie plant, ein Sechs-Parteienhaus zu bauen, in dem ausschließlich Frauen in allen Rollen arbeiten. Solche Projekte sind nicht nur inspirierend, sie zeigen auch, dass Frauen in der Branche angekommen sind und sich behaupten können.
Humor und Durchhaltevermögen
Und dann ist da noch Cindy Speich, die sich als „Selfmade-Bauleiterin“ einen Namen gemacht hat und über eine Million Follower auf Instagram zählt. Mit ihrem Humor geht sie charmant mit den negativen Kommentaren um, die sie manchmal erhält. Jessica Jörges, eine Maler- und Lackiermeisterin, wurde mehrfach ausgezeichnet und trägt ihren Teil dazu bei, die Sicht auf Frauen im Handwerk zu verändern. Diese Frauen sind nicht nur Pionierinnen, sie inspirieren auch andere, ihren eigenen Weg zu gehen.
Während das Handwerk unter Nachwuchsmangel leidet – 2022 blieben 20% der Ausbildungsplätze unbesetzt – zeigen diese Frauen, dass es noch Hoffnung gibt. Sie kämpfen gegen Vorurteile und dafür, dass ihre Leistungen und Fähigkeiten anerkannt werden. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir unsere Sichtweise ändern und die Vielfalt im Handwerk feiern, statt uns auf veraltete Klischees zu stützen. Franziska Heinl ist ein Teil dieser Bewegung und zeigt, dass es im Handwerk um viel mehr geht als nur um Schaufel und Hammer.