Würzburg, eine Stadt, die für ihre Geschichte und ihren kulturellen Reichtum bekannt ist, steht in diesen Tagen im Schatten eines ernsthaften Themas. Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und seit seinem zweiten Lebensjahr in dieser Stadt ansässig, sieht sich mit einer besorgniserregenden Realität konfrontiert. Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse im Gazakrieg und dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 spricht er über die drängenden Herausforderungen für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland.

In einem Interview thematisiert Schuster den Anstieg des Antisemitismus und die damit verbundenen Ängste. Jüdinnen und Juden trauen sich zunehmend nicht mehr, ihre Identität offen zu zeigen. Schmuckstücke mit Davidstern oder Kippas werden versteckt, so berichtet auch Ariel Elbert vom Verein Keshet Deutschland, der sich für queer-jüdische Menschen einsetzt. „Die jüdische Identität wird seit dem 7. Oktober versteckt“, sagt er, was irgendwie alarmierend klingt. Schuster, der aktiv am Katholikentag beteiligt ist, betont die Bedeutung des Dialogs zwischen den Glaubensgemeinschaften. Er wird an einer jüdisch-christlichen Gemeinschaftsfeier teilnehmen, und auch Bischof Franz Jung wird dabei sein.

Ein zerrissenes Klima

Die Situation in Deutschland ist differenziert. Während Würzburg ein besseres Klima aufweist als Städte wie Berlin, bemerkt Schuster dennoch eine besorgniserregende Verschlechterung. „Die Solidarität der Mehrheit der Gesellschaft ist aktuell nicht erkennbar“, sagt er mit einem Hauch von Frustration. In einer Umfrage des Zentralrats der Juden fühlen sich 68% der befragten jüdischen Gemeinden unsicherer als vor dem 7. Oktober 2023. Das ist ein alarmierendes Signal, das nicht ignoriert werden kann.

Die Zahlen sprechen für sich: 2023 wurden über 5100 antisemitisch motivierte Delikte registriert, fast eine Verdopplung im Vergleich zu den Vorjahren. Felix Klein, der Antisemitismus-Beauftragte des Bundes, hebt hervor, dass eine sichtbare Mehrheit gegen Judenhass notwendig ist. „Polizeischutz wird als Mindestmaß an Sicherheit angesehen“, beschreibt er die bedrückende Lage, in der Veranstaltungen abgesagt oder gar nicht erst geplant werden.

Der Dialog zwischen den Glaubensgemeinschaften

Schuster fordert Zivilcourage und Engagement für Solidarität und befürwortet einen Dialog zwischen Christentum, Judentum und Islam. „Juden und Muslime sind nicht von vornherein Erzfeinde“, sagt er und warnt vor extremen Positionen. Dies ist besonders wichtig in Zeiten, in denen die Beziehungen zwischen jüdischen Gemeinden und Moscheegemeinden zunehmend angespannt sind. 45% der Gemeinden berichten von einer Verschlechterung dieser Beziehungen.

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Das Thema „Religion als Ressource für Verständigung“ wird in einer Veranstaltung in Würzburg behandelt, und die Tipps für Katholikentagsbesucher sind vielversprechend. Ein Stadtspaziergang durch das jüdische Würzburg sowie ein Besuch des Museums „Shalom Europa“ versprechen nicht nur interessante Einblicke, sondern auch eine Möglichkeit, die Geschichte und Kultur der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland besser zu verstehen.

Die emotionale Belastung ist hoch. In München wurden Fensterscheiben eines israelischen Lokals zerstört, und auch Graffitis mit Mordaufrufen gegen Juden wurden festgestellt. Das alles geschieht, ohne dass es zu einem öffentlichen Aufschrei kommt. Schuster bezeichnet die aktuelle Situation als „neue Normalität“ mit anhaltendem Antisemitismus. Die versteckte Identität vieler Jüdinnen und Juden ist ein alarmierendes Zeichen, das wir ernst nehmen sollten.

Es bleibt zu hoffen, dass die Gespräche und Initiativen, die in Würzburg und darüber hinaus stattfinden, einen positiven Einfluss auf das gesellschaftliche Klima haben können. Der Kampf gegen Antisemitismus und für ein harmonisches Zusammenleben der Religionsgemeinschaften ist eine Aufgabe, die uns alle betrifft.