Inmitten der bayerischen Idylle hat ein Lehrerpaar aus Schongau, Robert (46) und Johanna Stöhr (40), eine innovative Lösung für den Schulunterricht entwickelt: die App „Digitales Schulheft“. Diese App ersetzt traditionelle Schulmaterialien wie Zirkel, Geodreieck und Stifte und erfreut sich mittlerweile über eine Million Downloads weltweit. Besonders hoch im Kurs steht die Anwendung in Mexiko, wo über 100.000 Downloads verzeichnet wurden.
Die Idee zur App entstand während der Corona-Pandemie, als Robert Stöhr, der am Gymnasium Hohenschwangau Mathematik, Religion und Informatik unterrichtet, nach einer geeigneten digitalen Lösung für seinen Unterricht suchte. Da er im Playstore keine passende App fand, entschloss er sich, selbst Hand anzulegen und das „Digitale Schulheft“ zu entwickeln. Die App bietet digitales kariertes und liniertes Papier sowie eine Vielzahl digitaler Schreib- und Zeichenwerkzeuge.
Erfolgreicher Start und wachsende Beliebtheit
Die Veröffentlichung der App im Google-Playstore im Jahr 2017 war der Beginn eines beeindruckenden Aufstiegs. Bereits 2021 überschritt die App die Marke von 500.000 Downloads. Dank einer kostenlosen Grundversion und einem Abonnement für 1,89 Euro monatlich haben die Stöhrs bislang rund 600 Euro an Einnahmen erzielt. Die App ist in drei Sprachen verfügbar: Deutsch, Englisch und Spanisch, was die internationale Reichweite zusätzlich erhöht.
In den USA nutzt sogar ein Arzt die App, um nach einem Schlaganfall seine Feinmotorik wiederzuerlangen. Das Ehepaar Stöhr sieht die App jedoch nicht als Hauptgeschäft, sondern betrachtet sie mehr als ein Hobby, in das sie bei anhaltendem Erfolg weiterhin investieren möchten.
Digitalisierung an Schulen – eine Herausforderung
Die Erfolgsgeschichte der Stöhrs steht im Kontext einer breiteren Diskussion über die Digitalisierung an Schulen in Deutschland. Während die technische Ausstattung sich verbessert hat, insbesondere bei schnellen Internetverbindungen und Lernplattformen, bleibt die Finanzierung der Digitalisierung ein zentrales Problem. Trotz der angekündigten Milliarden für den Bildungssektor sind viele Schulen noch nicht adäquat ausgestattet.
Die ICILS-Studie zeigt, dass die digitalen Kompetenzen von Schülern in Deutschland sich verschlechtert haben. Diskussionen über Handyverbote an Schulen verdeutlichen zudem die negativen Begleiterscheinungen digitaler Geräte. Rund 60% der Schülerinnen und Schüler besuchen Schulen mit Handyverbot, was über dem OECD-Durchschnitt liegt. Auch wenn Baden-Württemberg, Bremen und Bayern im Bundesländerranking gut abschneiden, gibt es große Unterschiede beim Stand der Digitalisierung zwischen den Schulen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Fortschritte in der digitalen Bildung sind größtenteils dem Digitalpakt zu verdanken, der bis 2024 rund 6,5 Milliarden Euro in Schulen investiert. Ab 2025 soll der Digitalpakt 2.0 fortgesetzt werden, wobei die Details zur Finanzierung und Ausgestaltung entscheidend für den weiteren Digitalisierungsprozess sind. Der Bedarf an spezialisierten Lehrkräften ist ebenfalls hoch; rund 80% der Schulleitungen halten diese für wichtig.
In einer Zeit, in der die digitale Bildung immer mehr an Bedeutung gewinnt, zeigt das Beispiel der Stöhrs, wie lokale Initiativen einen globalen Einfluss haben können. Ihre App ist nicht nur ein Schritt in Richtung digitaler Bildung, sondern auch ein Symbol für die Innovationskraft von Lehrern, die über den Tellerrand hinausblicken und das Lernen der Zukunft aktiv mitgestalten.