Das Jugendzentrum Schongau wird im Jahr 2026 ein großes Jubiläum feiern: 40 Jahre. Eine lange Zeit, in der nicht nur die Wände des Zentrums, sondern auch die Gesichter der Kinder und Jugendlichen, die hier ein- und ausgehen, geprägt wurden. Mit seiner Eröffnung im Oktober 1986 hat das Juze nicht nur einen Raum für Freizeitgestaltung geschaffen, sondern auch eine Anlaufstelle für junge Menschen im Alter von 12 bis 16 Jahren, die nach einem Ort suchen, um sich auszuprobieren, zu lernen und Spaß zu haben.
Die Idee, ein Jugendzentrum ins Leben zu rufen, entstand bereits in den 1970er Jahren. Ein Diskussionsabend im Jahr 1980 verdeutlichte den Willen zur Umsetzung – und die damit verbundenen Kritikpunkte. Es dauerte bis 1984, als der Stadtrat beschloss, ein Raumprogramm zu erarbeiten. Der Umbau des alten Baustadels, der heute als Köhlerstadel bekannt ist, wurde 1986 für stolze 850.000 Mark beschlossen. Die Einweihung im gleichen Jahr sorgte für ordentlich Aufsehen und Schlagzeilen. Der erste hauptamtliche Leiter, Paul Rittinger, war derjenige, der das Juze in den ersten Jahren prägte.
Eine Reise durch die Zeit
Das Jugendzentrum hat sich über die Jahre immer wieder gewandelt. Basti Kosler, der heutige Leiter, und seine Kollegin Jana Weckbecker sind gerade dabei, die Geschichte des Juze zu dokumentieren. Sie suchen nach alten Fotos und Erinnerungsstücken, um die Entwicklung des Zentrums festzuhalten und die Erlebnisse der Menschen, die hier groß geworden sind, lebendig zu machen. Es ist irgendwie berührend zu wissen, wie viele Jugendliche hier ihre ersten Schritte in die Selbstständigkeit gemacht haben, Freundschaften geschlossen und Erinnerungen gesammelt haben.
Ein neues Logo wird ebenfalls entworfen – das alte stammt noch aus der Zeit von Wolfgang Stabbauer und hat viele Geschichten erzählt. In Anbetracht der Verbindungen zu Nachbarjugendzentren mit ähnlichen Konzepten wird es spannend sein zu sehen, wie sich das Juze in den kommenden Jahren weiterentwickelt und ob es noch mehr solcher Orte geben wird, die Raum für kreative Entfaltung bieten. Die Planungen für die Jubiläumsfeierlichkeiten sind bereits im Gange, und man kann sich auf einen „Tag der offenen Tür“ freuen, der sicherlich viele Ehemalige und Interessierte anziehen wird.
Ein Blick in die Geschichte der Jugendzentren
Die Jugendzentren, so wie das Juze in Schongau, sind nicht einfach nur Freizeiteinrichtungen. Sie sind das Ergebnis einer gesellschaftlichen Bewegung, die in den 1970er Jahren aufkam. Der Soziologe David Templin hat in seinem Werk „Freizeit ohne Kontrollen“ die Jugendzentrumsbewegung untersucht. In einer Zeit, in der Jugendliche mehr Freiräume forderten und sich von autoritären Erziehungsstrukturen abgrenzen wollten, entstanden zahlreiche Initiativen. Diese Bewegung war geprägt von Antifaschismus und dem Wunsch nach selbstgestalteten Freizeitangeboten.
Die Jugendlichen suchten nach Orten, an denen sie sich entfalten konnten, und die Nachfrage nach solchen Freiräumen stieg. In kleineren Industriestädten, zu denen auch Schongau gehört, wurden viele selbstverwaltete Jugendzentren gegründet. Diese Zentren boten nicht nur Platz für Freizeitaktivitäten, sondern waren auch ein Ort der politischen Bildung und Politisierung. Die Verbindungen zu politischen Jugendorganisationen und die Kämpfe gegen konservative Strömungen sind Teil dieser bewegten Geschichte.
Das Jugendzentrum Schongau steht also nicht allein da. Es ist Teil einer wichtigen Tradition, die den Jugendlichen von heute und morgen zeigt, wie wertvoll und notwendig solche Räume sind. So bleibt das Juze ein Ort voller Geschichten und Erinnerungen – und es wird spannend sein, zu sehen, welche neuen Geschichten in den nächsten 40 Jahren entstehen werden.