In den kommenden Tagen wird Dießen am Ammersee zum Schauplatz eines wichtigen Ereignisses: Am 11. und 12. Juni findet das 15. Symposium des Fachverbands Medienabhängigkeit statt. Unter dem Titel „The Datafication of Life“ kommen Fachleute, Betroffene, Angehörige und Interessierte zusammen, um über ein Thema zu diskutieren, das mehr und mehr in den Fokus rückt – Internet- und Mediennutzungsstörungen. Schirmherr der Veranstaltung ist Hendrik Streeck, Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung, der sicherlich einige spannende Perspektiven in die Diskussion einbringen wird.

Die Veranstaltung wird sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf unser Denken, Verhalten und unsere psychische Gesundheit beschäftigen. Themen wie die exzessive Nutzung von Smartphones, die allgegenwärtige Präsenz sozialer Medien, Computerspiele und die digitale Reizüberflutung stehen auf der Agenda. Bert te Wildt, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Kloster Dießen, hebt hervor, dass digitale Medien alle Altersgruppen betreffen – ein Thema, das besonders für Eltern und Pädagogen von Bedeutung ist.

Einblicke und Diskussionen

Das Symposium wird nicht nur durch Vorträge glänzen, sondern auch durch Diskussionen und den Austausch neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Therapeutische Ansätze zum Umgang mit Internet- und Computerspielsucht werden ebenfalls thematisiert. Die Klinik in Dießen bietet bereits eine stationäre Psychotherapie an, die zwischen sechs und acht Wochen in Anspruch nehmen kann. Das könnte für viele Betroffene ein Lichtblick sein.

Veranstaltungsort ist die Traidtcasten, Klosterhof 10, Dießen am Ammersee. Wer Interesse hat, kann sich auf der Webseite des Fachverbands Medienabhängigkeit weiter informieren und anmelden: Hier geht’s zur Anmeldung.

Die Zahlen sprechen für sich

Ebenfalls aufschlussreich sind die neuesten Daten zur Mediennutzung unter Kindern und Jugendlichen in Deutschland, die eine DAK-Studie aus Herbst 2024 präsentiert. Während Kinder und Jugendliche werktags im Schnitt 105 Minuten mit Gaming und 157 Minuten mit sozialen Medien verbringen, liegt die Nutzung am Wochenende noch höher. Es zeigt sich, dass die digitalen Erlebniswelten zwar weiterhin einen hohen Stellenwert einnehmen, jedoch die Nutzungszeiten unter dem präpandemischen Niveau liegen.

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Besonders alarmierend sind die Zahlen zur pathologischen Nutzung digitaler Spiele, die bei 3,4 % liegt. Das sind über 700.000 Kinder und Jugendliche, die mit problematischen Nutzungsmustern kämpfen. Jungen sind hier doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. Auch die Nutzung sozialer Medien ist nicht ohne Risiken: Über 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche zeigen problematische Verhaltensmuster. Und was ist mit dem Video-Streaming? Hier liegt die pathologische Nutzung sogar bei 2,6 % – ein neuer Höchststand.

Phubbing und elterliche Verantwortung

Ein Phänomen, das in den letzten Jahren vermehrt diskutiert wird, ist das sogenannte Phubbing. Es beschreibt das Ignorieren von Mitmenschen zugunsten des Smartphones. Laut der DAK-Studie fühlen sich 29,2 % der Kinder und 35,2 % der Eltern durch die Nutzung des Smartphones des Gegenübers ignoriert. Solche Erfahrungen können zu ernsthaften psychischen Belastungen führen, wie etwa Depressionen oder Einsamkeit.

Eltern sind sich der Risiken digitaler Medien bewusst, sehen jedoch oft mehr Gefahren als Chancen. Die Mehrheit fordert ein gesellschaftliches Engagement für ein sicheres digitales Aufwachsen ihrer Kinder. Es bleibt zu hoffen, dass Veranstaltungen wie das kommende Symposium in Dießen dazu beitragen, diese Diskussion voranzutreiben und neue Ansätze zur Prävention und Behandlung von Medienabhängigkeit zu entwickeln.