In Schwabach ist es nicht ungewöhnlich, dass Hundebesitzer mit einem ganz besonderen Problem kämpfen: dem Jagdverhalten ihrer vierbeinigen Freunde. Jessica Gömmel, eine erfahrene Hundeberaterin aus der Region, hat sich genau diesem Thema verschrieben. Ihr Wissen und ihre Trainingsmethoden helfen Haltern, die oft frustriert sind, wenn ihre Hunde plötzlich auf andere Tiere losstürzen und auf keinen Rückruf mehr reagieren. Was steckt hinter diesem Verhalten? Die Antwort ist sowohl biologisch als auch emotional komplex. Jagdverhalten ist ein tief verwurzelter Instinkt, der über Jahrtausende erhalten geblieben ist und sich genetisch verankert hat. Das bedeutet, dass es nicht einfach ein Zeichen mangelnder Bindung ist, sondern ein verhaltensbiologisches Muster, das bei vielen Hunderassen ausgeprägt ist.
Wenn wir uns die Jagdsequenz anschauen, wird schnell klar, warum Hunde in solchen Momenten nicht ansprechbar sind. Sie orientieren sich, schleichen an, hetzen, greifen zu – und das alles geschieht oft in einem Rausch, der mit einer intensiven Ausschüttung von Dopamin im Gehirn einhergeht. Rassen wie Beagle oder Weimaraner haben eine besonders hohe genetische Disposition für dieses Verhalten, während andere Rassen, wie der Mops, eher weniger betroffen sind. Unweigerlich führt dies zu einer Herausforderung für die Halter, die oft nicht wissen, wie sie ihre Hunde in solchen Situationen zurückholen können.
Die Kunst des Trainings
Jessica Gömmel setzt auf ein durchdachtes Training, das nicht nur die Kontrolle über das Jagdverhalten verbessern soll, sondern auch den Haltern neue Perspektiven eröffnet. Ein zentraler Ansatz in ihrem Training ist die Verwendung von „Prey-Dummys“ – Spielzeugen, die Beute darstellen. Diese helfen, den Jagdinstinkt auf eine kontrollierte Art und Weise zu befriedigen. Doch das ist nur ein Teil des Ganzen. Management ist der Schlüssel: Eine Schleppleine oder ein gesichertes Gelände sind unerlässlich, um den Hund in schwierigen Situationen unter Kontrolle zu halten.
Wichtig ist, dass Hunde im Jagdmodus auf erlernte Kommandos oft nicht reagieren. Das Gehirn ist anders verdrahtet, und Gehorsamkeitsübungen können dann eher frustrierend sein. Stattdessen empfiehlt sich das Impulskontrolltraining, das darauf abzielt, die Reaktionen auf Reize zu verzögern. In solchen Trainings wird auch die Desensibilisierung geübt – eine schrittweise Exposition gegenüber Jagdreizen, die unterhalb der Reizschwelle stattfindet. So lernt der Hund, sich in gegenwärtigen Situationen besser zu kontrollieren.
Realistische Erwartungen setzen
Man sollte jedoch die Erwartungen realistisch halten. Vollständige Eliminierung des Jagdverhaltens ist unrealistisch; vielmehr geht es darum, Intensität und Häufigkeit dieses Verhaltens zu reduzieren. Ein zuverlässiger Rückruf muss in frühen Phasen des Trainings erreicht werden, und das erfordert Zeit, Geduld und oft professionelle Begleitung. Alternative Beschäftigungen für jagdlich motivierte Hunde sind ebenfalls wichtig. Aktivitäten wie Nasenarbeit, Apportieren oder Mantrailing helfen, den natürlichen Instinkt in geordnete Bahnen zu lenken.
Und nicht zu vergessen: Hochwertige Belohnungen sind ein Muss! Ob frisches Fleisch oder das Lieblingsspielzeug – das richtige Training macht nicht nur Spaß, sondern bringt auch eine tiefere Bindung zwischen Mensch und Hund. Wer mit seinem Hund an der Leine trainiert, sollte sich auch die Zeit nehmen, um das Rückruftraining zu festigen. In verschiedenen Situationen und an unterschiedlichen Orten, damit der Hund lernt, dass die Kommandos immer gelten.
Ein kleiner Tipp am Rande: Ein Hundepfeife kann beim Antijagdtraining eine nützliche Hilfe sein, da sie über größere Distanzen hörbar ist. Wichtig ist, den Pfeifton vorher zu Hause zu konditionieren, damit der Hund draußen sofort reagiert. Das alles erfordert viel Engagement, aber die Belohnung ist ein entspannter Umgang mit dem eigenen Hund und ein sicheres Miteinander. Wenn man die richtigen Methoden anwendet, kann man auch mit einem jagdlich motivierten Hund ein harmonisches Leben führen.