Am vergangenen Wochenende fand in Triftern ein aufschlussreiches „Wirtshaus-Bildungs-Gespräch“ statt – eine Veranstaltung, die sowohl Lehrkräfte als auch Politiker zusammenbrachte. Unter den Teilnehmern waren Lehrkräfte aus den BLLV-Kreisverbänden Pfarrkirchen, Eggenfelden und Simbach, die BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sowie der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Wagle. Moderiert wurde die Runde von Hans Rottbauer, dem Bezirksvorsitzenden des BLLV.

Das Ziel dieses Treffens? Ein ehrlicher Austausch über die Realität an Schulen, ganz ohne den üblichen politischen Zirkus. Doch was auf den Tisch kam, war alles andere als erfreulich: Der Lehrermangel ist nicht nur ein Schlagwort, sondern bitterer Alltag. Fleischmann sprach sich klar gegen die Erhöhung der Klassenstärken aus und warnte: „Individuelle Förderung wird zur Illusion.“ Dies ist besonders alarmierend, wenn man bedenkt, dass die Heterogenität der Klassenzimmer und die Komplexität der Arbeit ständig zunehmen.

Ein Blick auf die Herausforderungen

Die Kritik an der schleichenden Entwertung des Lehrerberufs, sowohl in der Gesellschaft als auch in der Alimentation, war unübersehbar. Wagle erkannte die starre, mathematisch-rechnerische Zuweisung von Lehrerstunden als ein zentrales Problem, während Fleischmann auf die fehlenden Gestaltungsmöglichkeiten für Schulleitungen hinwies. Mit immer wachsenden Klassenstärken bleibt nur wenig Raum für individuelle Förderung. Es wurden auch die Streichungen von Wahlangeboten wie AGs, Chören oder Sportgruppen an vielen Schulen thematisiert, was das Bild noch trüber macht.

Das Gespräch war geprägt von einer sachlichen und konstruktiven Atmosphäre. Rottbauer merkte an, dass der Gesprächsbedarf und der Druck, Lösungen zu finden, enorm sind. Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Bildungspolitik dort anfängt, wo Lehrer täglich arbeiten. Es braucht mehr als nur Schlagworte – der Dialog mit den Praktikern ist unerlässlich.

Der bundesweite Kontext

Der Lehrermangel, den wir hier lokal erleben, ist ein bundesweites Phänomen. Im Schuljahr 2023/2024 lag die Teilzeitquote bei Lehrkräften an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland bei 43,1 Prozent – ein neuer Höchststand. Über 50 Prozent der Lehrerinnen arbeiten in Teilzeit, während bei den Lehrern der Anteil bei 22,6 Prozent liegt. Insgesamt sind 739.500 Lehrkräfte beschäftigt, aber die Zahlen zeigen auch, dass der Druck auf die verbleibenden Vollzeitkräfte wächst.

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Die Situation wird noch komplizierter, wenn man die Altersstruktur der Lehrkräfte betrachtet. Ein Viertel ist zwischen 50 und 59 Jahre alt, und rund 10 Prozent sind sogar 60 Jahre oder älter. In einigen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt sind über 50 Prozent der Lehrkräfte 50 Jahre und älter. Ein beunruhigendes Bild, wenn man bedenkt, dass der Anteil der unter 35-Jährigen nur 20,8 Prozent beträgt.

Eine mögliche Lösung könnte in der Reform der Lehrerbildung liegen. Der Bildungsrat von unten empfiehlt unter anderem eine temporäre Kürzung der Stundentafel. Dies steht im Gegensatz zu den Vorschlägen der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission, die Mehrarbeit und Einschränkungen von Teilzeit fordern. Letztlich bleibt abzuwarten, welche Maßnahmen tatsächlich ergriffen werden, um diesen dringlichen Herausforderungen zu begegnen.