In Roth, wo die Zeit manchmal stillzustehen scheint, gibt es Neuigkeiten aus der Welt der Literatur. Die 105. Ausgabe des „Schreibhefts, Zeitschrift für Literatur“ ist erschienen und bringt frischen Wind in die Literaturlandschaft. Diese Ausgabe behandelt drei Autoren, die an der Schnittstelle zwischen Literatur und Film tätig waren: Eric de Kuyper, Gregor von Rezzori und James Agee. Es ist eine spannende Lektüre für alle, die sich für die Verknüpfung dieser beiden Kunstformen interessieren.
Das „Schreibheft“ wurde 1977 von den kreativen Köpfen Wilfried H. Bienek und Ulrich Homann ins Leben gerufen und hat sich seit 1982 unter der Leitung von Norbert Wehr in Essen weiterentwickelt. Die Zeitschrift ist bekannt dafür, Literatur durch thematische Schwerpunkte in Form von Textsammlungen näherzubringen. Diese Ausgabe umfasst 168 Seiten und kostet 16,50 EUR. Die ISBN-13 lautet 9783924071622 – ein kleiner Hinweis, falls Sie es in Ihrer Bibliothek suchen möchten!
Einblicke in das Werk von Eric de Kuyper
Im Dossier über Eric de Kuyper, das von Norbert Wehr und Gerd Busse zusammengestellt wurde, finden sich nicht nur interessante Reiseberichte über seine Zeit mit der legendären Filmemacherin Chantal Akerman, sondern auch ein Auszug aus de Kuypers zweitem Roman „Tante Jeannots Hut“. De Kuyper war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Regisseur und Filmdozent; er hat die Filmwelt mit seinen innovativen Ideen bereichert. Komischerweise wird in der Dossierbeschreibung erwähnt, dass Akermans „Jeanne Dielman“ als einer der besten Filme aller Zeiten gilt – das allein spricht Bände über de Kuypers Einfluss.
Das zweite Dossier trägt den Titel „Tiefenschärfe“ und widmet sich Gregor von Rezzori, einem Autor und Schauspieler, der in dem Film „Viva Maria!“ (1965) auftrat. Hier finden sich Beiträge von namhaften Persönlichkeiten wie Peter Handke, Volker Schlöndorff und Wolf Wondratschek sowie Auszüge aus Rezzoris Tagebüchern von 1943. Es ist faszinierend zu lesen, wie er seine Erlebnisse während der Bombenangriffe in Berlin beschreibt und sich über Goethe äußert. Solche Einblicke sind selten und verleihen der Ausgabe eine besondere Tiefe.
James Agee: Ein amerikanischer Blickwinkel
Das dritte Dossier mit dem Titel „Nahaufnahme“ widmet sich James Agee, einem US-amerikanischen Filmkritiker und Drehbuchautor. Hier gibt es einen Leserbrief von W. H. Auden, der die literarische Landschaft des 20. Jahrhunderts stark geprägt hat. Agees eigene Texte und die Würdigungen von Manny Farber und John Huston machen diesen Abschnitt besonders wertvoll. Es ist kaum zu fassen, wie vielschichtig und vielfältig diese Ausgabe des „Schreibhefts“ ist – sie bietet einen tiefen Einblick in das Leben und Werk von weniger bekannten Künstlern, die oft im Schatten der großen Namen stehen.
Die Rolle der Literaturzeitschriften in der heutigen Zeit
Doch während das „Schreibheft“ weiterhin blüht, ist die allgemeine Lage der Literaturzeitschriften im deutschsprachigen Raum eher angespannt. Seit 15 Jahren hat sich die Situation verschärft; zahlreiche Zeitschriften mussten in den letzten Jahren ihre Pforten schließen. Namen wie Macondo, lauter niemand oder der Dreischneuß sind vielen Literaturbegeisterten bekannt und stehen für eine Zeit, in der die Vielfalt der Stimmen in der Literaturlandschaft noch blühte. Es ist eine bedauerliche Entwicklung, dass viele Plattformen für unbekannte Autoren verschwinden, denn gerade hier haben oft neue, frische Talente die Chance, entdeckt zu werden.
Die Liste der aktiven Literaturzeitschriften zeigt, dass die Haltungen zur Manuskripteinsendung stark variieren. Während einige Zeitschriften zur Einsendung ermutigen, haben andere sehr restriktive Bedingungen. In dieser Zeit der Unsicherheit ist das „Schreibheft“ ein Lichtblick, das sich nicht nur den bekannten Größen widmet, sondern auch den weniger sichtbaren und oft übersehenen Stimmen eine Plattform bietet. Das ist es, was die Literatur lebendig hält – die Leidenschaft und das Engagement, die auch in der 105. Ausgabe des „Schreibhefts“ spürbar sind.