Heute ist der 6.05.2026 und wir blicken auf eine spannende, wenn auch herausfordernde Zeit in der Politik in Hessen und Deutschland insgesamt. Die Stimmen der Frauen in der Politik sind vielfältig, aber oft nicht laut genug. Vier weibliche Abgeordnete der hessischen Grünen haben kürzlich die Unterrepräsentation von Frauen bei Diskussionsveranstaltungen kritisiert. Besonders im Vergleich zu Berlin, wo der Frauenanteil bei 37 Prozent liegt, und Brüssel, wo er knapp darunter liegt, fällt auf, dass in der hessischen Landtagsfraktion zwar Frauen eine knappe Mehrheit haben, die Führung jedoch seit über 25 Jahren von einem Mann, Mathias Wagner, dominiert wird.
Das lässt einem schon zu denken geben, oder? Gerüchte über eine mögliche Rückkehr von Tarek Al-Wazir, Wagners Vorgänger, schwirren ebenfalls durch die politischen Flure. In der CDU hingegen läuft es anscheinend besser – mit Ines Claus und Astrid Wallmann haben sie eine stärkere weibliche Vertretung in Führungspositionen aufzuweisen. Und auch bei der FDP ist mit Wiebke Knell eine Frau im Führungsduo vertreten. Der Kontrast könnte nicht größer sein: Während die Grünen Schwierigkeiten bei der Nachfolge von Vizepräsidentin Angela Dorn hatten, setzte sich Martina Feldmayer nur knapp gegen männliche Mitbewerber durch.
Ein Blick über die Parteigrenzen hinweg
Wenn wir über die Grünen sprechen, wird deutlich, dass trotz ihrer Bemühungen zur Gleichberechtigung das Bild in der Partei gemischt ist. Bei den Wahlen um das Amt der Vizepräsidentin des Bundestags waren Claudia Roth und Katrin Göring-Eckardt zwar ambitioniert, mussten sich jedoch gegen Omid Nouripour geschlagen geben. Es entsteht der Eindruck, dass der Feminismus hier nicht übertrieben werden soll, was die Entscheidungsträger möglicherweise vorsichtiger macht. Dabei wird in vielen anderen Parteien ebenfalls gefordert, endlich eine Frau als Staatsoberhaupt zu wählen, um Proteste zu vermeiden. Die Zurückhaltung, männliche Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten zu unterstützen, ist ein weiteres Zeichen für diesen Wandel.
In Deutschland stagniert der Frauenanteil im Bundestag seit über 20 Jahren bei einem Drittel (Blome, Agnes/Müller, Kai-Uwe, 2021). Es ist also kein isoliertes Phänomen, das nur die Grünen betrifft. Auch die AfD hat in ihrer Bundessatzung nichts von einer höheren Repräsentation von Frauen verankert, was auf eine systematische Benachteiligung hindeutet. Die Bundeszentrale für politische Bildung verweist darauf, dass der Frauenanteil in den nationalen Parlamenten der EU-Mitgliedstaaten 2023 ebenfalls eine Herausforderung darstellt.
Ein Aufruf zur Veränderung
Die Debatte um die Gleichstellung in der Politik ist also keineswegs beendet. Es gibt zahlreiche Initiativen, wie beispielsweise die Landesfrauenräte, die sich für mehr Frauen in politischen Ämtern einsetzen. Die Kampagne #ParitätJetzt! in Berlin ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr die Zeit drängt. Auch Modelle und Umsetzungsbeispiele aus anderen Ländern könnten als Inspiration dienen, um den Frauenanteil in der Politik zu erhöhen.
Insgesamt bleibt zu hoffen, dass der politische Diskurs mehr Raum für Frauen schafft und nicht nur in Hessen, sondern über alle Landesgrenzen hinweg. Die Welt hat genug von alten, überholten Strukturen. Jetzt ist die Zeit für frische Ideen und Perspektiven. Und vielleicht, nur vielleicht, wird der nächste Bundespräsident eine Frau sein.